Gefühlt ist es schon ewig her, dass die Welt zu Gast war in München: Während der Fußball-EM hüpften muntere Dänen durch die Stadt, lustige Schotten im Karorock lüpften ihre Dudelsäcke und spielten auf, und auch an die serbischen Fans wird man sich noch länger erinnern, allerdings im negativen Sinne: Sie zündeten auf dem Marienplatz Pyrotechnik, gingen auf Polizisten los, warfen Stühle und Flaschen. „Ich weiß nicht, was da mit mir passiert ist“, sagt Dusan A. Er schleuderte insgesamt fünf Flaschen in die Menge, traf aber keinen Polizisten, sondern einen anderen Fußballfan. Dafür verurteilte ihn Richterin Sonja Öttl zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und setzte diese zur Bewährung aus.
Es ist nicht der erste Prozess gegen einen serbischen Fan wegen der Ausschreitungen am 25. Juni auf dem Marienplatz, und es wird auch nicht der letzte sein: Erst am Donnerstag war ein 25-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er sei „wie in Trance“ gewesen, sagte er der Richterin, und auch Dusan A. liefert eine ähnliche Erklärung.
Serbien gegen Dänemark lautete die Begegnung an jenem Tag, und während die Dänen im Hirschgarten vorglühten, sammelten sich die Serben auf dem Marienplatz. An die 6000 Personen, so die Staatsanwaltschaft, hätten sich am Nachmittag vor dem Rathaus getroffen, hauptsächlich serbische Fußballfans.
Einige von ihnen zündeten Feuerwerkskörper und Pyrotechnik, und die Polizei unterzog einen der Fans einer Personenkontrolle. Plötzlich kippte die Stimmung: Serbische Fans solidarisierten sich, bedrängten die Polizisten, und diese sahen sich einer aufgeheizten und aggressiven Menge gegenüber. Stühle flogen, Feuerwerkskörper hinterher – und Glasflaschen.
Unter den Werfern: Dusan A. Ein Video der Polizei zeigt den 28-Jährigen mit umgebundener Serbien-Fahne, wie er eine Flasche über den Marienplatz in die Menschenmenge schleudert. „Find’ ma den wieder?“, hört man einen Polizisten im Video fragen, und dann steuert schon eine Batterie an schwarz gekleideten Beamten auf Dusan A. zu.
„Ich war mit zwei Freunden in München, um das Spiel zu sehen“, sagt A. Er habe „einige Biere“ getrunken, laut Atemalkoholwert hatte er etwa 1,3 Promille. Plötzlich sei es laut geworden um ihn herum. Er habe Tränengas gespürt, nicht gewusst, was los sei. Er habe Angst gehabt, sei verwirrt gewesen, in einer Art Schockzustand und habe nur gewollt, „dass dieses Gefühl aufhört“. Erst nach dem fünften Wurf sei er „aufgewacht“, mit einer Flasche in der Hand.
„Und dazu werfen sie Flaschen, um das Gefühl zu beenden?“, hält ihm der Staatsanwalt vor. „Sie haben recht mit der Frage“, sagt A. zerknirscht. Er entschuldigt sich bei allen Anwesenden, „es ist mir peinlich und es tut mir leid“. Der Fußballfan, den er mit der Flasche getroffen hatte, hat eine Platzwunde am Kopf erlitten. Zum Gerichtstermin erscheint er nicht.
Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schweren Landfriedensbruchs verurteilt ihn Richterin Öttl zu einer Bewährungsstrafe, außerdem hat A. drei Jahre lang Stadionverbot in Deutschland und muss 1000 Euro an die Dominik-Brunner-Stiftung zahlen. „So ein Verhalten“, sagt die Richterin am Ende, „wollen wir in München nicht haben“.

