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Mathäser-Kino:Von Trotteln, Buddies und Chaoten

Elyas M'Barek inszeniert nur zu gern die Comedy seines eigenen Lebens. Auf der Leinwand in seinem neuen Film "Nightlife" von Simon Verhoeven, aber natürlich auch bei der Premiere in München.

Der Buddy-Film hat ja eine glorreiche Tradition, man braucht dazu nur zwei unverwechselbare Typen, die sich in Blödelei, Witz und Schlagfertigkeit gegenseitig übertreffen. So wie Stan Laurel und Oliver Hardy, wie Bud Spencer und Terence Hill oder, um nach Deutschland zu schauen, wie Christian Ulmen und Fahri Yardim in der Serie "Jerks".

Am Mittwochabend kann man nun im Mathäser-Kino die nächste Buddy-Paarung erleben. Erst mal auf dem roten Teppich, wo der übliche Kreischalarm losgeht, als der inzwischen auch nicht mehr ganz junge Elyas M'Barek auftaucht, die Galionsfigur der deutschen Komödie. Knapp hinter dem 37-Jährigen hat sich Frederick Lau in die Gunst des Publikums gespielt, und jetzt stehen die beiden vor der Sponsorenwand, um alle Wünsche zu erfüllen, die der Fotografen, der Fans, der Finanziers.

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Zwei Männer in eng sitzenden Anzügen, die Hemden weit aufgeknöpft, dazu jeweils ein urbaner Sieben-Tage-Bart und ein schelmisches Lächeln: Wahrscheinlich wissen M'Barek und Lau in diesem Moment selbst nicht so ganz genau, ob sie so langsam mal Schauspieler sein wollen, die sich mit dem Schicksal des Erwachsenseins abfinden. Oder ob sie weiter gewinnbringend die Comedy ihres eigenen Lebens inszenieren.

Frederick Lau, zweifacher deutscher Filmpreisgewinner und dreifacher Vater, lässt sich jedenfalls nicht lange bitten, wenn man ihn fragt, wann er das letzte Mal so richtig einen drauf gemacht hat: "Erst vor kurzem, ich liebe das Berliner Nachtleben. Und wenn ich ausgehe, mache ich keine halben Sachen, dann geht's bis morgens früh auf die Tanzfläche." Wenn das einer wie Lau mit gewohnt heiserer Stimme sagt, muss es stimmen.

"Nightlife" heißt der Film, der hier Premiere feiert. Nach dem großen Erfolg mit "Willkommen bei den Hartmanns" versucht sich Regisseur Simon Verhoeven erneut in der Kunst, etwas Leichtes und zugleich Populäres zu erschaffen. Eigentlich ist der 47-jährige Münchner aus dem Alter raus, in dem man sich die Nächte um die Ohren schlägt und bis zur Körperverletzung feiert - aber dieser Film, den er schon als Student drehen wollte, musste jetzt noch sein. "Vielen Dank, dass ihr mir diese Jugendsünde ermöglicht habt", sagt der Regisseur in Richtung seiner Produzenten.

Die Handlung, in einem Satz? Ein schwer verliebter Volltrottel (Lau) und ein romantisch veranlagter Chaot (M'Barek) träumen von einer eigenen Bar, vermasseln das Date mit der schönen Unbekannten (Palina Rojinski), verheddern sich in eine Fehde mit Berliner Drogendealern und erleben einige postpubertäre Abenteuer auf ihrer Flucht durch die Großstadt. Das ist teilweise nicht nur albern, sondern witzig, denn Lau und M'Barek spielen zum Glück jenseits aller Gangster- und Hipster-Klischees und ohne falsche Posen.

Man muss sie einfach gern haben, diese Männerherzchen. "Ich glaub', ich bin langsam zu alt für diesen oberflächlichen Scheiß", ruft der von Lau gespielte Barkeeper im Film. Stimmt ja auch: Die harten, durchzechten Nächte und das böse Erwachen am nächsten Morgen, das hat man irgendwann satt. Wobei man andererseits nie zu alt für Dummheiten ist, wie der Auftritt des Burgschauspielers Nicholas Ofczarek ("Der Pass") in "Nightlife" zeigt: Als Gangsterboss-Knallcharge mit einer Ehefrau aus der Wiener Vorhölle ist er zum Erbarmen - die reine Verschwendung, wenn man so brillant spielen kann wie Ofczarek.

Nach der Filmvorführung wird es bei der Premierenfeier im "Blitz" an der Isar schlagartig voll, nicht schlecht für einen Mittwochabend in München. Allerdings gibt es hier, anders als in Berlin, nicht ganz so viele böse Clanchefs und Nachtlebenkönige - so bleibt man unter sich im Club der Gemäßigten und freut sich über die veganen Häppchen. Nur der Sinn des VIP-Bereichs erschließt sich nicht: Hängen hier nicht lauter alte Buddies von Simon Verhoeven rum, die auf alte Zeiten anstoßen? Da braucht's eigentlich gar keine Security, nur Gin Tonic.

Verhoeven hat in "Nightlife" übrigens einen kurzen Auftritt in der Rolle eines Bachelors, der auf Instagram groß rauskommt. Das ist natürlich ironisch gemeint, schließlich präsentiert sich der Regisseur bei der Premiere ganz als Familienmensch, seine Mutter Senta Berger und sein Vater Michael Verhoeven stehen treu an seiner Seite, und auch sein Sohn David feiert noch im Grundschulalter seine erste Filmrolle: Er darf sich über all diese seltsamen Männer wundern, die noch immer nicht erwachsen sind.

© SZ vom 14.02.2020/amm
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