Schwabing Elisabethmarkt: Vier Millionen Euro für ein Provisorium

Ein herbstliches Idyll ist der Elisabethmarkt in diesen Tagen.

(Foto: Robert Haas)
  • Im Jahr 2020 müssen die Händler des Elisabethmarkts ihre angestammten Plätze aufgeben und für zweieinhalb Jahre in provisorische Buden umziehen.
  • Ohne das 4,4 Millionen Euro teure Buden-Provisorium hätte die Sanierung wohl für die Schwabinger wie die Händler einen tiefen Einschnitt bedeutet.
  • Insgesamt kostet das Aufmotzen des Elisabethmarktes etwa 22 Millionen Euro, Interimsbuden inklusive.
Von Dominik Hutter

Obst und Gemüse gibt es künftig aus dem Container. Im Jahr 2020 müssen die Händler des Elisabethmarkts ihre angestammten Plätze aufgeben und für zweieinhalb Jahre in provisorische Buden umziehen. Baustellenflair soll der neue Interimsmarkt trotzdem nicht erhalten. Die Verkaufscontainer werden von außen mit Holz verkleidet und in drei Reihen angeordnet - vermutlich sieht das Ganze dann ein bisschen so aus wie die Auer Dult, einschließlich Imbissbuden und Freischankfläche. Nur das Sortiment an den Ständen ist ein anderes. In Schwabing gibt es weiterhin Lebensmittel, Blumen und Tierbedarf. Wenn die Händler dann von Mitte 2022 an an den ursprünglichen Standort zurückziehen, werden sie dort nichts mehr wiedererkennen: Der aus der Nachkriegszeit stammende Markt wird komplett neu gebaut.

Ihre täglichen Einkaufswege umplanen müssen die Schwabinger nicht - der Elisabethmarkt wird nur um wenige Meter verlegt: auf die Fahrbahn vor dem prächtigen Bau der Berufsschule für Fahrzeugtechnik, der die Westseite des Elisabethplatzes bildet. Der Kommunalausschuss des Stadtrats segnete am Donnerstag einstimmig den Plan von Kommunalreferentin Kristina Frank ab. "Wir sind froh, dass es auf dem Markt weitergeht", sagte SPD-Stadträtin Renate Kürzdörfer. Ohne das 4,4 Millionen Euro teure Buden-Provisorium hätte die Sanierung wohl für die Schwabinger wie die Händler einen tiefen Einschnitt bedeutet. So aber kann der Verkauf weitergehen, während nebenan die alten Marktstände abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Insgesamt kostet das Aufmotzen des Elisabethmarktes etwa 22 Millionen Euro, Interimsbuden inklusive.

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Der Zeitplan für die Sanierung hängt eng mit den Bauterminen auf einem Nachbargrundstück zusammen: Südlich des Marktes will die Stadtsparkasse das alte Umspannwerk durch ein Wohngebäude ersetzen. Die Bauarbeiten für die beiden Projekte sollen gleichzeitig stattfinden - was vor allem bei der gemeinsamen Tiefgarage wichtig ist. Denn unter dem Platz sollen auf zwei Geschossen Autos unterkommen - in der oberen Etage der Ladehof für die Händler mit 22 Stellplätzen für Lieferwagen, darunter sind 56 Parkplätze für Anwohner geplant.

Auf Anregung der SPD prüft Frank nun noch, ob die Dächer des Interimsmarktes begrünt werden können. Es gebe spezielle Gartensysteme, die relativ einfach auf Containerdächern befestigt und später wieder entfernt werden können, berichtete SPD-Stadträtin Heide Rieke. Die Kommunalreferentin äußerte Sympathie für die kleinen Grünflächen, zeigte sich aber skeptisch, was die praktische Umsetzung angeht. Denn auf den Dächern der Container verlaufen die Versorgungsleitungen für den Markt, die man nicht einfach ungeschützt an andere Stellen verlegen könne. Es könnte also kompliziert und teuer werden.

Zumal die Container später auch gestapelt werden müssen. Als Zwischenlagerung. Wenn in einigen Jahren der Viktualienmarkt in der Altstadt oder der in Pasing saniert werden, könnten die zwischen 16 und 30 Quadratmeter großen Verkaufsbuden erneut zum Einsatzkommen. Übrigens hat die Stadt im Vorfeld auch untersucht, ob die einzelnen Bauelemente nicht aus einem 3D-Drucker kommen könnten, hergestellt aus recycelbaren Biopolymeren. Dieser Versuch erschien dem Kommunalreferat dann aber angesichts des Zeitdrucks als zu risikoreich.

Für den Betrieb des Interimsmarkts muss die Fahrbahn auf der Westseite des Elisabethplatzes für Autos gesperrt werden - ein Modell, das die Grünen am liebsten auf Dauer beibehalten würden. Dem Platz könne das nur guttun, befand Stadträtin Anna Hanusch, einen entsprechenden Antrag reichte die Fraktion ein. Und auch die zunächst als Pilotversuch gedachte Dachbegrünung soll nach Willen der Grünen zur Dauereinrichtung werden: auf den Dächern der neuen Marktstände, die 2022 fertig werden.

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