Restaurant Eli am ElisabethplatzWo Sisi nicht glücklich wäre

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Das Wiener Schnitzel ist immer die Probe schlechthin aufs austriakische Exempel. Im Eli wird es „in Butter gebraten“, mit leider misslichen Folgen.
Das Wiener Schnitzel ist immer die Probe schlechthin aufs austriakische Exempel. Im Eli wird es „in Butter gebraten“, mit leider misslichen Folgen. (Foto: Stephan Rumpf)

Das Restaurant Eli hinter dem neu gestalteten Elisabethmarkt in Schwabing will ein innovatives Lokal österreichischer Provenienz sein. Doch die Küche überzeugt nicht.

Von Carolus Hecht

Wo einst in Schwabing der Elisabethmarkt war, hat man ein grüngraues Flachbunkerareal errichtet, von dem behauptet wird, es sei der neue Elisabethmarkt. Zum Platz im Norden hin sich immerhin leise öffnend, verschließt sich dieses lattenvernagelte triste Konstrukt sonst in lebenslose Schluchten. Ware versteckt in finster-toten Verkaufshöhlen statt extrovertierter Stände. Was Markt bedeutet, haben Konstrukteure und Auftraggeber nie begriffen: Offenheit, Kontakt, Spontaneität, Interaktion. Hat das, was jetzt dort steht, der Strafvollzug oder das Militär in Auftrag gegeben? Leute, die eine Vorstellung von buntem Handel und sinnlichem Leben hätten, können es jedenfalls nicht gewesen sein.

Hinter dem Markt wirtschaftet das Eli. Es nimmt die ganze Front eines neuen Gebäudes zur Nordendstraße hin ein, das die Sparkasse hat errichten lassen. Eli? „Sisi“, Namensgeberin des Platzes, war den drei Wirtsleuten zu banal für ein dezidiert „innovativeres“ Lokal österreichischer Provenienz. Also was mit Elisabeth.

Richtig was los ist beim Eli, wenn die Abendsonne den Kanal zwischen Bunkermarkt und Lokal erhellt und erwärmt und die Feierwütigen ihren ersten Spritz auf dem Freisitz schlürfen. Drinnen grüßt die Kaiserin wandhoch in einer Manier, die, so eine SZ-Reporterin, der historischen Figur „ein Faible für Botox“ unterstellt. So viel sinnlicher Überwältigung zeigten sich im Laufe des Jahres einige Küchenbesatzungen nicht gewachsen. Lebhaften Wechsel am Herd, wie hier vollzogen, den schmeckt man.

Die Pfifferlingsuppe (6,80 Euro) zur Eröffnung verkam mit zu viel Sahne zur Pampe. Das eigentlich hinreißende Rezept der klaren Tomatenkraftbrühe (6,80) geriet leider viel zu sauer. Immerhin respektable Kaspressnockerl. Ein Rote-Bohnen-Eintopf (16,50) ließ die Hoffnung auf Unkonventionelles keimen, mit seiner Würze, mit reichlicher Zwiebelunterfütterung und einem eleganten säuerlichen Ton.

Drinnen grüßt Kaiserin Elisabeth wandhoch.
Drinnen grüßt Kaiserin Elisabeth wandhoch. (Foto: Stephan Rumpf)

Wiener Schnitzel (29,80) ist wie immer die ultimative Probe aufs austriakische Exempel. Hier „in Butter gebraten“, mit misslichen Folgen, mit einer pappigen „Pannier“ nämlich, wie die Wiener sagen würden. Das Salz-Zitronen-Chutney dazu ein geradezu ätzender Anschlag auf die feine Anmutung des Kalbfleisches, belanglos die Preiselbeer-Mayonnaise – wenn schon, dann sollte man sich jenseits des klassischen Schälchens Preiselbeeren derlei Mätzchen sparen.

Das Karfiol-Steak mit Kräuterbutter (14,50) bekam uns in seiner Schlichtheit fabelhaft, einschließlich der delikaten Rosmarinkartoffeln; warum im viel zu sauer marinierten saisonalen Gemüse dazu dann wiederum der Blumenkohl (Karfiol!) den Hauptbestandteil bildete?

Ach, das Rindfleisch – Österreich ist für Enthusiasten dieser so feinen Kost das Eldorado, denken wir nur an die unzähligen Schnittvarianten, die darauf spezialisierte Lokale gekocht und in der eigenen Brühe hervorzuzaubern wissen, wo hiesige Metzger und Köche oft kaum den Tafelspitz im mächtigen Körper des Spendertieres zu orten wissen. Also: Tafelspitzscheiben (kalt, 14,50) auf viel Rucola; hätte man, wie angekündigt, das an sich makellose Fleisch halt wirklich mariniert – die paar Spritzer Kernölsud, um den es beim Marinieren wohl gegangen wäre, retteten den faden Haufen nicht. Das gekochte Rindfleisch mit Karotten-Meerrettich-Soße (11,90) im Mittagsangebot – immerhin tatsächlich frisch gerissenem Kren! – mundete in seiner mild-mürben Beschaffenheit. Allerdings scheint es fast schon Kunst, die Bratkartoffeln so hinzubringen, dass zwischen knusprigen Deckplatten pampiger Malm hockt.

Rindergulasch, so steht es auf der Karte, kostet 24,50 Euro. Man assoziiert Wiener Saftgulasch im Angesicht der Kaiserin. Im Eli staunten wir, wie man Rindfleischstücke, für einen wahrhaft gelungenen Teller dieser Art viel zu winzig geschnitten, so hart und faserig hinbringt; immerhin lieferte der Saft einen fernen Hauch des so sämigen Suds, der die Demarkationslinie zwischen dortigen und hiesigen Kochtugenden zieht. An den gerösteten Brezenknödelscheiben dazu hatten wir für sich nichts auszusetzen, außer dass dazu Salzkartoffeln (österreichisch), Spätzle (süddeutsch) oder Nudeln (teutonisch) noch die bessere Zutat wären.

Am Kaiserschmarrn ergötzt die wunderbar karamellisierte Bratkruste, dazwischen ist allerdings vielfach nur weiße Watte.
Am Kaiserschmarrn ergötzt die wunderbar karamellisierte Bratkruste, dazwischen ist allerdings vielfach nur weiße Watte. (Foto: Stephan Rumpf)

Am Kaiserschmarrn (9,90) ergötzte uns die wunderbar karamellisierte Bratkruste, dazwischen allerdings vielfach nur weiße Watte. Ärmlich das Industrieapfelmus dazu; mehr Schreck als Verheißung, als Zutat Schokoladenzwetschgenröster oder gar Nutella bestellen zu sollen.

Für ein Lokal, dessen riesige (200 Plätze), ansprechend mattrot und taubenblau gestrichene Räumlichkeiten in einem Neubau geplant worden sind, ist die lange, steile Toilettenkellertreppe ohne Aufzug doch recht sportlich. Und die Sitzmöbel haben es in sich. Man sollte sich eine Bank oder die sesselartigen Möbel im vordersten oder auch hintersten Raum dieser, wenn schwach besetzt, verloren riesigen Gaststätte sichern, die Haupthalle jedenfalls ist mit offenbar sehr speziell konzipierten Stühlen mit Flechtsitzfläche und aus einem Holm gebogener Lehne bestückt, die sich im Laufe des Abends als katholisches Purgatorium erweisen: Mit dem kantigen Sündenholz im Kreuz meint man am Ende des Abends einen großen Teil unbotmäßiger Sinnenlust abgebüßt zu haben. „Innovativ eben“, kommentierte eine Bedienung spitz.

Einem so riesenhaften Auftritt sollte die Küche gewachsen sein. Im hinteren Teil eine Gesellschaft wahrnehmend, orderten wir eines Abends ahnungsvoll nur im Grunde Fertiges. Wir harrten 55 Minuten für nur aufzutragende Speisen. Der Nachtisch brachte es auf eine weitere halbe Stunde, wobei die Bedienung um die korrekte Warteminutenzahl zu feilschen anhub.

Ein Espresso Martini vom Barkeeper Basti.
Ein Espresso Martini vom Barkeeper Basti. (Foto: Stephan Rumpf)

Gepflegtes Tegernseer Hofbräu, auch alkoholfrei, ein akzeptables Weinangebot zu Münchens üblichen Räuberpreisen. Und ohne das bunte Getümmel an Modedrinks – nebst einer Reihe von Burgern –kommt ein Schwabinger Lokal naturgemäß nicht mehr aus.

Argwöhnischen Kostprobenlesern sei versichert: Das Eli hat nun nicht ungerechter Weise sein Fett abgekriegt, weil dem Rezensenten der neue Markt so gar nicht gefallen will. Wir lernen: Neu macht nicht immer alles besser.

Eli, Elisabethplatz 20, 80796 München, Telefon 089/20573282, täglich durchgehend bis 23 Uhr, Freitag und Samstag bis 1 Uhr

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik „Kostprobe“ der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts – von München, Wissen bis zur Politik – schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fast-Food-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: sich nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen – um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können.

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