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Elefantendrama im Münchner Tierpark:Herzchirurgen sollen Lola retten

Das Leben des Münchner Elefantenmädchens ist in Gefahr - Lola leidet unter einem lebensbedrohlichen Herzfehler. Jetzt wollen Human- und Tiermediziner gemeinsam in einer weltweit einmaligen Aktion das Hellabrunner Elefantenbaby retten. Ein Kinderherzchirurg soll die Operation leiten, doch das Risiko ist groß.

Christian Mayer

Es geht um das Leben eines kleinen Elefanten, es geht aber auch um das Selbstverständnis des Tierparks Hellabrunn: Bereits in den kommenden Tagen soll das Elefantenkalb Lola mit einer spektakulären und weltweit einmaligen Operation gerettet werden.

Tierpark Hellabrunn, Lola, München

Der Tierpark Hellabrunn bangt um Lola - jetzt soll das Elefantenbaby operiert werden.

(Foto: dapd)

Das Ende Oktober geborene Tier hat einen angeborenen Herzfehler: Ein Blutgefäß, das sauerstoffreiches Blut von der Lunge zum Herzen transportiert, führt in den rechten statt den linken Vorhof des Herzens - eine "lebensbedrohliche Fehlschaltung", sagt Zoodirektor Andreas Knieriem.

Aufgrund des Blutgerinnsels wird Lola täglich schwächer, sie trinkt Wasser statt Muttermilch, das Atmen fällt ihr schwer: "Ohne Operation würde sie mit Sicherheit sterben, deshalb haben wir uns gemeinsam für das Risiko entschieden, den Eingriff vorzunehmen", so Knieriem.

Bei einer Krisensitzung im Tierpark verständigte sich eine neunköpfige Expertenrunde am Mittwochabend auf den Eingriff, über dessen Erfolgschancen nur spekuliert werden kann. Die drei Tierärzte des Zoos berieten mit Kardiologen, Chirurgen und Anästhesisten der Ludwig-Maximilians-Universität über das weitere Vorgehen - und kamen zu dem Schluss, dass Human- und Veterinärmediziner gemeinsam den Versuch unternehmen müssen, den Elefanten zu retten.

Der Medizinprofessor Christoph Schmitz, Leiter der Kinderherzchirurgie in Großhadern, wird die Operation leiten. Zunächst aber muss der OP-Raum im Tierpark Hellabrunn aufgerüstet werden: Notwendige Apparate, etwa eine Herz-Lungen-Maschine, werden samt Zubehör aus Münchner Kliniken angeliefert.

Dabei muss jetzt alles sehr schnell und unbürokratisch ablaufen, denn jeder Tag zählt. "Bei Kindern gehört eine solche Herzoperation zur Routine, die Heilungschancen sind sehr gut", sagt Knieriem. "Wie das bei einem Elefanten aussieht, muss man abwarten." Trotz aller Probleme habe Lola aber ein "Kämpferherz", wie die leitende Tierärztin Christiane Gohl versichert: "Und deshalb wagen wir die Operation."

"Hochdramatisch" dürfte der Eingriff selbst werden, so Knieriem. Sobald die Elefantenkuh Panang ruhig gestellt ist, wird Lola in den OP-Saal im Tierpark verfrachtet - dort wartet dann ein Team von etwa zehn Medizinern. Veterinär- und Humananästhesisten werden die Narkose vornehmen. Bei der Operation wird die Brust geöffnet und am offenen Herzen gearbeitet. Ziel ist es, das Blutgerinnsel im Herzen zu entfernen und das fehlgeleitete Gefäß zu verlegen.

"Einige Unsicherheitsfaktoren"

Sollte der Eingriff gelingen, dann ist danach ebenfalls keine Zeit zu verlieren: Das Elefantenkalb muss innerhalb von zwei bis sechs Stunden wieder auf die Beine kommen und der Mutter zugeführt werden, die ihrerseits reichlich nervös reagieren könnte. "Ich gebe zu, das sind einige Unsicherheitsfaktoren", sagt Knieriem.

Eine Operation im Zoo war allerdings die einzige Möglichkeit: "Einen Elefanten-Transport unter diesen Umständen quer durch die Stadt möchte ich mir lieber nicht vorstellen", sagt der Tierpark-Direktor. Beeindruckt ist Knieriem von der Bereitschaft der LMU-Mediziner, sofort zu handeln, spontan Termine zu verschieben und gemeinsam das Experiment zu wagen: "Über die Kosten reden wir jetzt gar nicht, wir wollen es einfach nur schaffen."

Die Erfahrungen aus der Humanmedizin mit vergleichbaren Herzoperationen seien Anlass zur Hoffnung: "Es besteht die Chance, dass Lola nach einem erfolgreichen Eingriff wieder ganz gesund sein und eine elefantentypische Lebenserwartung haben kann."

Beim Tierpark, aber auch bei der Stadt München weiß man um die Bedeutung der kleinen Elefanten in Hellabrunn: Ludwig und die jüngere Lola haben dem Zoo viel Aufmerksamkeit im Jubiläumsjahr gebracht. Im Gegensatz zum kerngesunden Ludwig, der das Publikum mit seinen Auftritten in der Außenanlage erfreute, musste Lola zur Enttäuschung der Besucher in der provisorischen Halle bei seiner Herde bleiben - das hundert Jahre alte Elefantenhaus wird gerade aufwendig saniert.

© SZ vom 20.01.2012/afis

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