Einzelhandel:Hier gehen die meisten Münchner shoppen

Karlstor in München, 2016

7014 Passanten pro Stunde passieren den Karlsplatz, gut 6000 die Neuhauser Straße und Kaufingerstraße.

(Foto: Florian Peljak)
  • Über den Karlsplatz laufen statistisch gesehen die meisten Menschen pro Stunde.
  • Durch die Ausweitung der Fußgängerzone Richtung Sendlinger Tor, wird es eine Verschiebung geben.
  • Die dadurch steigenden Mieten können Einzelhändler in dieser Gegend gefährden.

Von Katharina Kutsche

Karlsplatz und Kaufingerstraße sind die beliebtesten Einkaufsstandorte in Münchens Innenstadt. Das ergab eine Erhebung des Immobilienverbands Deutschland Süd (IVD), der seine Ergebnisse am Dienstag vorstellte. Darin wurde gemessen, wie viele Passanten die Straßen in der City wie stark frequentieren. Demnach erreicht der Karlsplatz mit einer Passantenfrequenz von 7014 Passanten pro Stunde den höchsten Wert.

An zwei Nachmittagen im April hatte der IVD 13 Messpunkte zwischen Stachus und Isartor, Sendlinger Straße und Odeonsplatz eingerichtet, besetzt mit ein bis zwei Helfern, die mit Handzählern die passierenden Menschen erfassten.

Die größte Herausforderung dabei: zwei durchschnittliche Tage zu finden, an denen keine besonderen Veranstaltungen wie etwa ein Fußballspiel in der Fröttmaninger Arena stattfinden, was die Zahlen verzerren würde, erklärte Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. Da die Ergebnisse auch durch Wochentag und Wetter beeinflusst werden können, sei die Relation zwischen den Messpunkten interessanter als die absoluten Zahlen, so Kippes: "Wir haben einen Frequenzschwund zwischen Stachus und Tal."

Der Schwund ist vor allem vom Marienplatz in Richtung Tal festzustellen. Während auf dem Weg vom Karlstor über die Neuhauser Straße und Kaufingerstraße noch gut 6000 Passanten (Durchschnitt pro Stunde) unterwegs waren, gingen nur knapp 2000 Personen zum Isartor.

Der Grund laut IVD-Analyse: Straßen, die durch viele Einzelhandelsläden und große Flagship-Stores geprägt sind, "stellen den Anziehungsmagnet für Touristen und Kaufkunden dar". Weniger Auswahl an Läden oder Geschäften für ein ausgewählteres Publikum wie an der Maximilianstraße senken die Frequenz.

Zwischen 1a-Lage und 1b-Lage liegen 240 Euro

Wichtig sind die Ergebnisse der IVD-Analyse vor allem für Investoren, Immobilien-Verwalter und Bauträger. Die Frequenzzahlen geben Hinweise auf die Attraktivität von Einzelhandelslagen - und damit auf die Höhe der Ladenmieten. Wer einen Laden in sogenannter 1a-Lage betreibt, zahlt 410 Euro pro Quadratmeter, bei einer Ladengröße von 80 Quadratmetern und fünf Metern Schaufensterfront. Liegt der Laden in 1b-Lage, reduziert sich dieser Quadratmeterpreis bei gleicher Ladengröße deutlich auf 170 Euro.

Die Sendlinger Straße ist nach der IVD-Analyse keine 1a-Geschäftskernlage, die Frequenz liegt bei etwa einem Drittel der Höchstzahl am Stachus. Doch durch die geplante Ausweitung der Fußgängerzone "wird sie eine gewisse Aufwertung erfahren", sagt Kippes.

"Das bedeutet allerdings auch höhere Mieten und einen höheren Filialisierungsgrad." Anders ausgedrückt: Steigen die Mieten, können kleinere Einzelhändler diese nicht mehr zahlen und werden von Filialen großer Unternehmensketten verdrängt, die die hohe Ladenmiete bezahlen können.

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