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Grundschule:Keine Angst vor der Einschulung

Eine Zäsur im Leben: Die Einschulung bringt für Kinder neue Freunde, eine neue Umgebung und damit neue Erfahrungen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Alle Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden, müssen sich von April an für die Grundschule anmelden.
  • Damit der Übergang in die erste Klasse möglichst reibungslos verläuft, gibt es in München 16 Lehrkräfte, die als Kooperationsbeauftragte tätig sind.
  • Schon ein Jahr vor Schuleintritt wird damit begonnen, den Kleinen ihre Sorgen zu nehmen, ihnen Lust auf Neues zu machen und sie auf kommende Aufgaben vorzubereiten.

Jedes Jahr an einem besonderen Tag im Herbst wagen sich morgens die wunderlichsten Gestalten auf die Straßen: Einhörner, Raumfahrer, Fußballspieler, Superhelden und wilde Tiere sind dann unterwegs. Sie sind nicht echt, sondern gebastelt aus Pappe; sie zieren die Schultüten der Kinder, die an diesem Tag zum ersten Mal in die Schule gehen.

Im April beginnt wieder der Zeitraum, in dem sich alle Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden, für die Grundschule anmelden müssen. Bis zur Einschulung ist es dann nicht mehr lange hin. Und genauso gespannt, wie die Kinder dann die Geschenke in ihren Schultüten erwarten dürfen, können sie auf den ersten Tag in der Schule sein. Denn hier warten mindestens genauso große Überraschungen: eine neue Umgebung, neue Lehrer und Mitschüler, neue Aufgaben.

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Viele Gründe zur Vorfreude also - gleichzeitig sind solche Umstellungen auch eine große Herausforderung. Denn die Ungewissheit des Neuen kann für die Kinder auch Unsicherheit und Angst bedeuten. Neben der Schule wechseln sie ja meist vom Kindergarten auch noch in eine weitere ungewohnte Umgebung wie Hort, Mittagsbetreuung oder Ganztagsangebot. Damit der Übergang vom Kindergarten in die Schule gelingt, ist es hilfreich, die Kinder schon vor der Einschulung einzugewöhnen und zu begleiten. Schon ein Jahr vor Schuleintritt wird damit begonnen, den Kleinen ihre Sorgen zu nehmen, ihnen Lust auf Neues zu machen und sie auf kommende Aufgaben vorzubereiten.

In München gibt es dafür 16 Lehrkräfte, die als sogenannte Kooperationsbeauftragte tätig sind. Sie betreuen und unterstützen die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Kindergärten. Schließlich sind die Bedürfnisse jedes Kindes anders, und auch die Grundschulen haben verschiedene Angebote und Schwerpunkte wie Sprache und Bewegung. So gibt es an jeder Schule einen Ansprechpartner, der sich zusammen mit einer Fachkraft der entsprechenden Kindertageseinrichtung überlegt, welche Angebote für die Kinder sinnvoll sind.

Das kann zum Beispiel ein Schnuppertag sein, an dem die Kindergartenkinder eine erste Klasse besuchen. Das können aber auch Bewegungstage, Workshops zum Thema Verkehr oder gemeinsam veranstaltete Flohmärkte sein. Bei solchen Aktionen gehen aber nicht immer nur die Kinder aus dem Kindergarten in die Schule. Umgekehrt besuchen auch Erstklässler den Kindergarten, um zu zeigen, was sie schon gelernt haben. Dann lesen sie zum Beispiel einen Text vor oder präsentieren ihre Hausaufgaben. Das soll den nur ein Jahr jüngeren Kindern Mut machen; sie können dabei selbst sehen, welche Kenntnisse auch sie schon bald erlernen werden.

All diese Aktionen dienen dazu, dass die künftigen Schüler wissen, was auf sie zukommt. Die Idee dabei: Je besser die Schule den Kindern schon vorher bekannt ist, desto leichter fällt ihnen der Übergang. Doch nicht nur die Eingewöhnung ist wichtig. Die Kinder sollen auch Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten fassen. Deshalb werden ihnen im letzten Kindergartenjahr auch schon die Fertigkeiten nahegebracht, die sie in der Schule brauchen werden. Dies übernehmen zum einen die pädagogischen Fachkräfte der Kindertagesstätten. Sie schätzen den Bedarf der Kinder ein und gestalten dementsprechend die schulvorbereitenden Angebote. Meist geht es dann etwa um soziales Miteinander, Sprachkompetenz oder Medienbildung, aber auch darum, wie man Probleme löst oder wie man mit Stress umgeht.

Zum anderen gibt es auch hier wieder Kooperationsangebote von Kindergärten und Schulen. Der "Vorkurs Deutsch 240" etwa richtet sich an Kinder, die sprachlich noch nicht so fit sind. Die Zahl 240 bezieht sich auf die Anzahl der Stunden, die in dem Kurs abgeleistet werden. Die Hälfte des Kurses findet dabei im Kindergarten statt, die anderen 120 Stunden übernimmt eine Lehrkraft in der Schule. In kleinen Gruppen sollen die Kinder spielerisch lernen. Sie stellen dann zum Beispiel eine Situation im Supermarkt nach und sprechen darüber, was sie in ihren Einkaufswagen legen. Oder sie singen gemeinsam Lieder, um ihren Wortschatz aufzubessern.

Der Sprachkurs, wie auch die Angebote zur Eingewöhnung, tragen im Idealfall dazu bei, dass die Kinder nach dem letzten Jahr im Kindergarten optimal auf die neuen Herausforderungen in der Schule vorbereitet sind.

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