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Einkaufszentrum:Das Betongebirge auf der Theresienhöhe wird wiederbelebt

Umbau Schwanthaler Höhe, dem Beton-Giganten über der Theresienwiese, wo zuletzt XXXLutz untergebracht war. Komplett-Sanierung des Komplexes zwischen Gollier-, Schießstätt-,Schwanthalerstraße, der Ende 2018 wieder neu eröffnet wird.

An dem Beton-Giganten über der Theresienwiese, wo zuletzt XXXLutz untergebracht war, laufen die Sanierungen. Ende 2018 soll wieder eröffnet werden.

(Foto: Florian Peljak)
  • Zuletzt war in dem riesigen Betonklotz auf der Theresienhöhe das Möbelgeschäft XXXLutz untergebracht, seit November 2016 wird saniert.
  • 2018 soll ein Einkaufszentrum samt Tiefgarage mit 1000 Stellplätzen eröffnen - auf etwa 35 000 Quadratmetern.
  • Der Elektro-Großhandel Saturn und die Spielzeuganbieter von Toys 'R' us bleiben da, hinzu kommen neben Supermärkten und Kleiderketten auch Drogeriemarkt, Optiker, Metzgerei, Blumen und Hugendubel.

Von Andrea Schlaier, Schwanthalerhöhe

Liebe klingt anders. "Affenfelsen" schmähen ihn die einen, "Betongebirge" die andern. Wenigstens ein zwiespältiges Verhältnis haben die unmittelbaren Nachbarn zu dem massigen Gebäuderiegel oberhalb der Theresienwiese. Der in den 1970er Jahren von Ernst Maria Lang entworfene Komplex galt einst als Inbegriff eines modernen Stadtteilzentrums mit seinen zwei Wohntürmen, dem Hotel und großen Warenhaus. Der Lack war in vielfacher Hinsicht bereits ab, nachdem zuletzt das Möbelhaus XXXLutz seine Pforten geschlossen hatte.

Seit November 2016 frischen die beiden Eigentümer den Immobilien-Riesen an der Hangkante auf. Das Gros des Grunds besitzt die Hamburger Projektentwicklergesellschaft HBB. Die Bayerische Hausbau hält den Trakt an der Ecke Schießstätt-/Schwanthalerstraße und die Gaststätte im südöstlichen Bereich. 2018 eröffnen beide auf etwa 35 000 Quadratmetern ein dann miteinander verbundenes Einkaufszentrum samt der Tiefgarage mit 1000 Stellplätzen.

Die Euphorie hielt sich im Viertel gelinde gesagt in Grenzen, als klar wurde, dass der vor sich hindümpelnde Koloss architektonisch und inhaltlich wiederbelebt werden sollte. Abgesehen vom Lärm auf der Riesen-Baustelle, der manchen Nachbarn aus der Wohnung trieb, ist es vergleichsweise ruhig geworden, seit sich die neuen Eigentümer ans Werk gemacht haben.

Über eine zentrale Ladenstraße von Ost nach West ist der künftige Einzelhandels-Dampfer erschlossen, in den neben Supermärkten, Kleiderketten auch Drogeriemarkt, Optiker, Metzgerei, Blumen und Hugendubel ziehen werden. Der Elektro-Großhandel Saturn und die Spielzeuganbieter von Toys 'R' us sind wieder an Bord. Im nördlichen Bereich der Bayerischen Hausbau entsteht ein Nahversorgungszentrum mit Edeka, Bio-Supermarkt, Restaurant und Apotheke. Der Rohbau ist fertig, sagt Unternehmens-Sprecherin Kathrin Borrmann. Aktuell wird die Fassade geschlossen, der Trakt winterfest gemacht, bevor im neuen Jahr der Innenausbau startet. Eröffnung soll im Sommer sein.

Der große Bruder HBB lässt sich damit bis November 2018 Zeit. Geschäftsführer Kai Steindl verweist darauf, dass derzeit unter anderem noch die Sanierung der bestehenden und künftig zusammengelegten beiden Tiefgaragen läuft sowie grobe Innenausbauarbeiten; auch Gebäudetechnik wird installiert. Die Sanierung der Dachabdichtung zieht sich bis in den Februar. Anschließend sind die Fassadenverkleidungen aus weißem Architekturbeton an der Reihe sowie der Straßenumbau an der Kreuzung Gollierstraße/Bavariaring.

Dem Werden sieht Sibylle Stöhr (Grüne) als Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Schwanthalerhöhe ambivalent entgegen. Positiv sei, dass sich die beiden Investoren auf ein gemeinsames Nutzungskonzept geeinigt hätten. "Wir bekommen Geschäfte und Läden, an denen es im Viertel mangelt . . . wie Schuhe, Textilien. . .." Nicht sicher sei sie sich dagegen, ob die zusätzlichen Lebensmittelläden den bestehenden Konkurrenz machen, die aber über eine große Kundenbindung verfügten. "Wer eine kleinteilige Struktur haben will, muss auch dort einkaufen und diese damit finanziell unterstützen."

Der SPD-Ortsverband Schwanthalerhöh', der im Vorfeld des Umbaus das Konzept einer Shopping-Meile laut kritisiert hat, relativiert inzwischen seine Position: Die neuen Vollsortimenter verbesserten die Versorgung der Anwohner in der westlichen Ludwigsvorstadt, sagt der Vorsitzende Arno Laxy. Für die Westendler sei im Sinne kürzerer Wege das künftige Angebot an Bekleidungsgeschäften vor der Haustüre "auch schön".

Doch, und darin ist er sich mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im BA, Willy Mundigl, einig: "Nach dem ersten Hype um das neue Ladenzentrum könnten schon mittelfristig erneut Leerstände mit Weiterverkauf von Flächen ins Haus stehen." Es fehle ein Alleinstellungsmerkmal der Mall, das Dauerhaftigkeit sichern würde. Was weiter kritisch zu sehen sei, so Mundigl, "ist die Verkehrssituation und das prognostizierte steigende Verkehrsaufkommen", gerade was den Individualverkehr auf den Zubringerstraßen betreffe. Die Rede ist von 10 000 Fahrzeugen täglich, die den Bereich ansteuern. Stöhr hält die Befürchtungen ebenfalls für berechtigt. Gleichwohl sei die Anbindung an den ÖPNV sehr gut und man setze darauf, dass Besucher aus dem Viertel tendenziell mit dem Rad oder zu Fuß kämen.

Nichts geworden, klagt die SPD, sei es mit einer sinnvollen Zwischennutzung etwa für Kulturschaffende. Ebenso wenig aus der Forderung der Lokalpolitiker, eine "soziokulturelle Einrichtung" im Haus zu verankern. Mundigl erinnert an den SPD-Vorschlag, das Kinder- und Jugendmuseum hierher zu verlagern. Man freue sich "über jede Initiative von Seiten der Bauträger". Überhaupt, so Laxy, wolle man nicht schwarzmalen, sondern wünsche dem "Forum Schwanthalerhöhe", dass sich die Erwartungen erfüllen. Ob sich dieser Titel der Immobilien-Lyriker im Viertel hält, wird sich zeigen.

© SZ vom 27.12.2017/infu
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