Einkaufsmöglichkeiten:Wo es in München für welche Fälle Automaten gibt

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Automaten

Seit einigen Wochen können Gäste des H'ugo's auf dem Weg zur Toilette eine Unze Gold kaufen.

(Foto: Friedrich Bungert)

Ob eine Gold-Unze, Käsebeißer oder eine schicke Sonnenbrillen fürs Flanieren auf der Leopoldstraße: In München sind die wirklich wichtigen Dinge im Leben fast rund um die Uhr zugänglich. Ein Überblick.

Von David Wünschel

Vor zehn Jahren machte in Deutschland eine Erfindung namens "der Gerät" Furore: ein Döner-Schneideroboter, der das Fleisch selbständig vom Spieß absäbelte. Berühmt wurde "der Gerät" dank TV-Moderator Stefan Raab, der in seiner Sendung immer wieder einen Clip einblendete, in dem der Erfinder Duran Kabakyer sagte: "Der Gerät wird nie müde, der Gerät schläft nie ein, der Gerät ist immer vor der Chef im Geschäft und schneidet das Dönerfleisch schweißfrei."

Lässt man den letzten Halbsatz einmal außen vor, trifft das auch auf Automaten zu: Sie werden nie müde, sie sind immer die Ersten im Geschäft und wenn das Münzfach nicht gerade klemmt, sind sie ziemlich zuverlässig. Kein Wunder also, dass auch viele Münchner Geschäftsinhaber die Maschinen wertschätzen. Mittlerweile gibt es Metzger, Optiker, Künstler und sogar Goldverkäufer, die in der Stadt ihre Automaten aufstellen. Manche Geräte können einen sogar aus echten Notlagen helfen.

Der Goldautomat für die Bussi-Gesellschaft

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Seit einigen Wochen können Gäste des H'ugo's auf dem Weg zur Toilette eine Unze Gold kaufen.

(Foto: Friedrich Bungert)

Ausgerechnet auf dem Weg zur Toilette steht der Automat, der die Münchner künftig mit dem berühmtesten Edelmetall der Welt versorgen soll: Im H'ugo's-Restaurant am Promenadeplatz kann der betuchte Gast seit einigen Wochen 24-karätige Goldbarren erwerben; der günstigste ist ein Gramm schwer und kostet momentan rund 65 Euro, der teuerste wiegt eine Unze und liegt bei 1650 Euro. Zur Eröffnungsfeier angelten sich zahlreiche C-Promis wie DJane Giulia Siegel ihre eigenen Barren. Aber der Automat soll nicht nur die Bedürfnisse der Münchner Bussi-Gesellschaft befriedigen: Inhaber Rudolf Engelsberger ist davon überzeugt, dass physisches Gold zur Diversifizierung des Vermögens und als krisenfeste Anlage unabdingbar ist. Bald will er weitere seiner Goldautomaten auch in Einkaufszentren und Baumärkten aufstellen.

Der Fleischautomat für Heißhungrige

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Der Fleischautomat an der Metzgerei Gaßner.

(Foto: Friedrich Bungert)

Wer am Sonntag noch schnell eine Extrawurst braucht, ist beim Fleischautomat der Metzgerei Gaßner an der richtigen Stelle: Hier gibt es Rostbratwürste, Wiener Würste und Käsebeißer, aber auch Steaks, Kartoffelsalat und sogar Grillkäse. Alles für die spontane Grillparty also. Seit zwei Jahren steht der Automat vor dem Geschäft von Andreas Gaßner. In dieser Zeit sei er zu einem "treuen Mitarbeiter" geworden, sagt der Inhaber. Am besten laufen die Weißwürste und der süße Senf. Nur die Eier sind seit einiger Zeit nicht mehr im Sortiment: Zu oft musste Gaßner das Eigelb aus dem Automaten pulen. Irgendwann habe er dann gesagt: "Freunde, das ist mir Wurst, aber Frühstückseier gibt's hier keine mehr."

Der Sonnenbrillenautomat für Flaneure

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Wer eine Sonnenbrille braucht, kann hier zugreifen.

(Foto: Friedrich Bungert)

Wer bei gutem Wetter stilsicher über die Leopoldstraße flanieren will, braucht natürlich eine Sonnenbrille. Was aber, wenn gerade keine zur Hand ist? Für solche Notlagen hat Regina Hartogs vor ihrem Optikergeschäft einen Automaten aufgestellt. Für zweimal zwei Euro spuckt der graue Kasten beispielsweise eine Pilotenbrille aus, mit der man würdevoll durchs Siegestor stolzieren kann. Weil der Automat aber schon vierzig Jahre alt ist, klemmen manchmal die Fächer. Früher hätten manche nächtlichen Kunden ihn aus Zorn demoliert, sagt Hartogs. Deshalb räumt sie die Brillen jetzt abends in den Laden. Etwa drei Stück gehen pro Tag weg. Lohnen tue sich das nicht, sagt Hartogs: Den Automaten hat sie nur aus Werbezwecken aufgestellt.

Der Kunst-und-Kultur-Automat für Kreative

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Auch Kultur to go gibt's aus dem Automaten.

(Foto: Friedrich Bungert)

"Dose ziehen - glücklich sein": Das steht auf den 15 Kunst-und-Kultur-Automaten, die über das Münchner Stadtgebiet verstreut sind. Für einen Euro erhält man hier eine kleine Plastikbox und ein Versprechen auf einen kreativen Kosmos: Manche Dosen enthalten philosophische Fragen, andere alte Gegenstände oder Zubehör zum Experimentieren. Die Dosen sollen zum Nachdenken und zum Austausch anregen, sagt Momo Heiß, eine der beiden Frauen hinter dem Projekt. Beim Selbsttest stecken eine Tintenpatrone, ein Holzstäbchen und allerlei farbige Zettel in der Box. Indem man die Tinte darauf kleckst und verstreicht, sollen wie bei einem Rorschachtest Muster entstehen, die man dann interpretieren kann. "Man zieht etwas vom Automaten und plötzlich kommt etwas Neues ins Leben", sagt Heiß.

Der Schmuckautomat für unerfüllte Wünsche

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Wer spontan Schmuck braucht, ist hier richtig.

(Foto: Friedrich Bungert)

Früher war die "Jewelberry Box" ein Kondomautomat, heute hängt sie vor einem Schmuckgeschäft im Gärtnerplatzviertel und soll allerlei Bedürfnisse erfüllen. Wer hier vier Euro einwirft, erhält nämlich nicht nur ein Armband mit einem versilberten oder vergoldeten Messinganhänger. Inhaberin Malaika Krüger zufolge darf man sich beim Zuknoten des Bändchens etwas wünschen, das dann in Erfüllung geht, wenn es eines Tages abfällt. Wie eine Sternschnuppe mit Verzögerung also. Form und Farbe des Messinganhängers sind übrigens eine Überraschung: Mal purzelt ein silbernes Peace-Zeichen aus dem Ausgabefach, mal ein goldenes Hufeisen, mal etwas ganz Anderes. Mehr als ein Dutzend verschiedene Motive enthält der Automat.

Die Erntebox für Nachhaltige

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Sechs dieser Automaten stehen in München verteilt.

(Foto: Friedrich Bungert)

Wie ein Hofladen, nur in der Stadt: So lässt sich das Konzept der Erntebox zusammenfassen. Die sechs Automaten stehen über das Münchner Stadtgebiet verteilt und gehören zwei Landwirten, die sie regelmäßig mit Produkten von ihrem Bauernhof befüllen. Ein Glas Geflügel-Bolognese kostet 6,80 Euro, ein Bio-Camembert 4,80 Euro. Bestseller sind aber die Eier aus mobiler Freilandhaltung; Kostenpunkt: Fünf Euro für eine Zehner-Schachtel. Damit sie bei der Bestellung nicht kaputtgehen, fährt ein Lift sie ganz sanft ins Ausgabefach. Das Geschäft laufe so gut, dass bald drei neue Automaten hinzukommen, sagt eine Mitarbeiterin.

Der Präventionsautomat für Verzweifelte

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Dieser Automat hat sterile Spritzen und Kondome im Angebot.

(Foto: Friedrich Bungert)

Goetheplatz, Ecke Lindwurmstraße: Auf einer Parkbank liegt ein Junkie im Delirium. Zwischen seinen Lidern schimmert das Weiß des Augapfels. Für Menschen wie ihn ist der Präventionsautomat der Münchner Aids-Hilfe gedacht, der nur wenige Meter weiter an der Wand hängt: Er versorgt Drogenabhängige mit sterilen Spritzen und "Smoke-it"-Kits, um Heroin mit Folie zu rauchen. Der Preis für ein sicheres, sauberes High sind 50 Cent. Und die können Leben retten: Denn der Automat ist für Situationen gedacht, in denen sonst kontaminiertes Fixerbesteck zum Einsatz kommen würde; beispielsweise nachts, wenn alle Hilfestellen geschlossen sind. Zusätzlich können Kondome gezogen werden: zwei Stück plus Gleitcreme und Infoflyer; ebenfalls für 50 Cent. Außer dem Automaten am Goetheplatz gibt es noch vier weitere in München.

Der Kaugummiautomat für Nostalgiker

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Die Kaugummiautomaten hängen so, dass auch die Kleinen gut hinkommen.

(Foto: Friedrich Bungert)

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die amerikanischen GIs nach Deutschland. Sie waren lässig, rauchten viele Kippen - und machten hierzulande den Kaugummi populär. Ein Fachverband schätzt, dass in Deutschland zwischen 500 000 und 800 000 Automaten mit den bunten Kugeln aufgestellt wurden. Heute sind sie etwas für Nostalgiker: Manche Kästen erzielen auf Ebay Preise von mehreren hundert Euro; andere, die noch hängen, sind unter Graffitis, Aufklebern und Rost kaum noch zu erkennen. Diejenigen, die noch in Betrieb sind, hängen vornehmlich auf Schulwegen oder an Bushaltestellen, und zwar meist so niedrig, dass selbst die Erstklässler an den Münzeinwurf kommen.

Der Recyclingautomat für alte Handys

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Alte Handys? Bitte hier abgeben.

(Foto: Friedrich Bungert)

Angeblich horten die Deutschen etwa 200 Millionen alte Handys. Wer sein eigenes endlich loswerden und dafür sogar etwas Geld einheimsen will, kann es zum Media Markt in Haidhausen bringen: Dort steht ein klobiger Automat, der den Zustand alter Geräte überprüft und dann einen Preis vorschlägt, den man sich als Gutschein auszahlen lassen kann. Bei einem neueren Modell können es mehr als 100 Euro sein. In der Regel bekommt man jedoch weniger Geld, als es im Internet der Fall wäre. Ein Mitarbeiter erzählt, er habe sein iPhone 4 entsorgen wollen; Angebot des Automaten: null Euro. Immerhin übernimmt die Aufstellerfirma das fachgerechte Recycling.

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