Einkaufsmärkte im Umland:Warnungen vor dem Monster-Gewerbepark

Wallisch gehört zu jenen, die laut gewarnt haben vor einem Monster-Gewerbepark, der dem örtlichen Einzelhandel langsam die Lebenskraft aussaugt. Auch Christian Breu zählt dazu, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands (RPV). Im Jahr 2001 wandte sich der RPV-Planungsausschuss mit 15 zu acht Stimmen gegen eine Ansiedlung von Ikea. "Es hat sich bewahrheitet, dass Ikea der Nukleus für eine weitere Entwicklung des Gebiets bedeuten wird", sagt Breu heute.

Damals war es den Gemeinden Taufkirchen und Brunnthal egal, dass für den Möbelmarkt mit allein 18.000 Quadratmetern Verkaufsfläche einige Hektar Bannwald abgeholzt werden mussten. Der Ortsverband des Bundes Naturschutz, angeführt von Gemeinderat Jörg Pötke, zettelte ein Bürgerbegehren an - doch die Taufkirchner Bürger stimmten mehrheitlich für Ikea. Wenn der blau-gelbe Klotz mal steht, fällt der erste Dominostein, und andere Konsum-Klötze werden folgen - so warnten Breu und Kollegen die Genehmigungsbehörde, die Regierung von Oberbayern, in ihrer Stellungnahme.

Der RPV hörte in der Folgezeit nicht auf zu mahnen. Doch die Regierung genehmigte einen Monsterbau nach dem anderen. "Der Ober sticht den Unter", sagt Breu traurig. Dabei wollte der Verband nur die Leitziele umgesetzt wissen, die im Landesentwicklungsprogramm des Freistaates postuliert werden: Vorsichtig und mit Bedacht soll die Gewerbeansiedlung gerade in ländlich geprägten Räumen vorangetrieben werden. "Ein schnelles Wachstum wird die Gemeinden vor Schwierigkeiten stellen, die Folgen zu verkraften", sagte Breu im SZ-Interview bereits im Jahr 2000. Und er sagt heute: "Es gibt zu wenig Lebensmittelangebote in den Ortszentren."

Der dringende Appell verhallt immer noch - vor allem in den Gemeinderäten. Umsatzstarke Unternehmen wie Metro, Obi und Ikea überweisen jedes Jahr Millionenbeträge an Gewerbesteuer auf die Konten von Taufkirchen und Brunnthal. Der ehemalige Ikea-Stürmer Pötke ist inzwischen Taufkirchens Bürgermeister und hat sich zum Großbau-Fan gewandelt. Die Bürger hätten mit den Füßen abgestimmt, sagt er. Unrealistisch sei es, jetzt noch etwas zu verhindern. Auch andernorts nutzen die Gemeinden im Kampf um Gewerbesteuerzahler ihre Planungshoheit und handeln nach dem Motto: Wenn der Kunde groß geil findet, dann lassen wir halt groß bauen.

So geschehen im Münchner Westen, wo sich Möbel-Höffner in Freiham niedergelassen hat; in Aschheim durfte die XXXL-Lutz-Gruppe ein 46.000 Quadratmeter großes Möbelhaus in die Prärie pflanzen. So droht es auch in Feldkirchen: Die Gemeinde verhandelt mit dem Möbelriesen Ikea derzeit über ein Grundstück. Auch hier könnten bald die Schleusen offen sein für die "Zupflasterung der Umlandgemeinden mit hässlichen Märkten", wie Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD) die Großbausucht am Ortsrand jüngst anprangerte. Sie werde ihre Stimme erheben, kündigte sie an. "Doch ob sie gehört wird, wissen wir nicht."

© SZ vom 28.12.2011/sonn
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