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Auszeichnung:Wie München zu seinen sieben neuen Ehrenbürgern gekommen ist

Philipp Lahm, 2017

Philipp Lahm ist einer von sieben neuen Ehrenbürgern der Stadt München.

(Foto: Johannes Simon)

An wen die Auszeichnung verliehen wird, ist nicht nur eine Frage des Verdienstes um die Stadt - sondern auch des Politproporzes.

Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde zählt zu den letzten Mysterien der Münchner Stadtpolitik. Streng geheim beschließt irgendwann der Ältestenrat, dass es an der Zeit sei, neue Ehrenbürger auszurufen. Weder Zahl noch Zeitpunkt scheinen bestimmten Regeln zu folgen. So soll an diesem Mittwoch die Vollversammlung des Stadtrats die Rekordzahl von sieben neuen Ehrenbürgern billigen - zahlenmäßig eine komplette Handballmannschaft.

Zuletzt war der Ältestenrat vor fünf Jahren in einer Art Ernennungsrausch, damals erhielten vier Persönlichkeiten die höchste Auszeichnung der Stadt. Darunter der frische Alt-Oberbürgermeister Christian Ude. Dabei geschieht es gar nicht automatisch, dass ehemalige Stadtoberhäupter Ehrenbürger werden. Vor Ude waren das Georg Kronawitter (1993), Hans-Jochen Vogel (1972) und Thomas Wimmer (1957). Den beiden Oberbürgermeistern der CSU, Erich Kiesl und Karl Scharnagl, blieb die Ehre verwehrt.

Der Vorschlag für eine Ehrenbürgerschaft ist also auch ein Politikum. Und eine Geheimsache. Selbst sonst auskunftsfreudige Stadträte hüllten sich heuer in Schweigen, nichts sickerte durch über die Sieben, die nun auf einen Streich ernannt werden. Der Ältestenrat hielt bis zum Schluss dicht, und erst seit sein Beschluss am Freitag bekannt wurde, nimmt es manches Mitglied mit dem Schweigen über das Prozedere nicht mehr so genau. Es sei einfach an der Zeit gewesen, wieder ein paar jüngere Ehrenbürger zu ernennen, ist zu hören. Die noch lebenden seien honorig, aber teilweise halt auch schon sehr in die Jahre gekommen.

Also haben sich die Fraktionen, die im Ältestenrat sitzen, auf die Suche gemacht. Da aber in der Politik die Machtverhältnisse keinesfalls zu kurz kommen dürfen, baten sich CSU und SPD jeweils zwei Vorschläge aus. Die Sozialdemokraten entschieden sich für die Schauspielerinnen Michaela May und Jutta Speidel und trugen damit eindeutig zu einer besseren Frauenquote bei. Die CSU scherte das weniger, sie legte sich auf zwei Männer fest: Franz Herzog von Bayern, Chef des Hauses Wittelsbach, und Philipp Lahm, früherer Kapitän des FC Bayern. Die Grünen nominierten die jüdische Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Rachel Salamander, die Bayernpartei den Groß-Bäcker Heinrich Traublinger und die FDP den Verleger Hubert Burda.

Neben dem Parteienproporz entspringen die Vorschläge also den Sympathien der Stadtratsältesten oder deren Einflüsterern - und das war schon immer so seit dem Gemeindeedikt aus dem Jahr 1818, das von Graf von Montgelas und Georg Friedrich von Zentner entworfen und von Maximilian I. erlassen wurde. Beinahe folgerichtig war es da, dass der erste Ehrenbürger Münchens zwei Jahre nach dem Edikt der damalige Generaldirektor des Justizministeriums wurde: Zentner.

Ansonsten ist die Mischung der Ausgezeichneten durchaus bunt, sofern man von der Frauenquote absieht. Denn vor den nun zu ehrenden May, Salamander und Speidel wurde bisher nur drei Frauen die Münchner Ehrenbürgerschaft verliehen: Gertraud Burkert (2014), Charlotte Knobloch (2005) und Hildegard Hamm-Brücher (1995). Neben Politikern wie den Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, Alfons Goppel, Hans Ehard und Wilhelm Hoegner sind auch Komponisten wie Werner Egk und Carl Orff, Kardinal Michael von Faulhaber, Architekt Georg von Hauberrisser und Schriftsteller Paul von Heyse unter den Honoratioren.

In einigen Fällen kann es auch durchaus interessant sein herauszufinden, weshalb ein potenzieller Kandidat leer ausging. 1997 lehnte der Stadtrat die Ernennung eines Geistlichen zum Münchner Ehrenbürger "angesichts der kurzen Zeit seines Wirkens in der Landeshauptstadt" ab. Der Mann, der leer ausging, erhielt dafür im selben Jahr in seinem Geburtsort Marktl am Inn die Ehrenbürgerwürde: Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.

© SZ vom 23.01.2019

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