Ehemalige Luitpoldkaserne:"Schau mal mal" statt zu viel Planung

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Ehemalige Luitpoldkaserne: Im Kreativquartier gibt es auch ein Reparaturcafé für Fahrräder.

Im Kreativquartier gibt es auch ein Reparaturcafé für Fahrräder.

(Foto: Robert Haas)

Und so teilten die Berliner, die fast alle in München studiert haben, das Gelände in vier große Teile auf und entschieden sich für den geradezu revolutionären stadtplanerischen Ansatz, das nordwestliche Viertel mit dem neuen Namen "Kreativlabor" gar nicht groß zu überplanen, sondern es nach dem schönen münchnerischen Prinzip "Schau ma mal" einfach wachsen zu lassen. Im Fachjargon nennt man das "prozesshafte Stadtentwicklung".

Wohl auch zur Überraschung von Teleinternetcafé entschied sich die Jury dann sogar einstimmig für dieses Konzept, und erst vor Kurzem wurde das Büro dafür mit dem renommierten Deubau-Preis für Urbanistik der Stadt Essen ausgezeichnet.

Gleich vier städtische Referate sind eingebunden

Natürlich enthält das Konzept auch Pläne für die anderen drei Teile des künftigen, 20 Hektar großen Kreativquartiers: für das Wohngebiet im Osten; für den Park in der Mitte mit der Jutier- und der Tonnenhalle, die beide unter Denkmalschutz stehen und später als Produktionsort und Schaufenster für Künstler und Kreative aller Art dienen sollen; und für den Uni-Campus der Hochschule für angewandte Wissenschaften im Süden nebst staatlichem "Entrepreneurzentrum" für Firmen der Kreativwirtschaft.

Für die Hallen läuft derzeit das Bebauungsplanverfahren, es wird wohl erst 2017 abgeschlossen sein. Ein Betriebskonzept darüber, was in den Hallen einmal möglich sein soll, wird schon dieses Frühjahr in den Stadtrat kommen.

Überhaupt muss man die rund um das Kreativquartier Tätigen bewundern, dass sie sich überhaupt noch auskennen zwischen all den Lenkungskreisen, Positionspapieren, Betriebskonzepten und Rahmenplänen. Gleich vier städtische Referate sind eingebunden: Das für Arbeit und Wirtschaft hat die Federführung, das Kommunalreferat verwaltet die Liegenschaft, seit die Stadt das Areal vom Bund gekauft hat, das Planungsreferat überplant es, und das Kulturreferat betreut und fördert die Kulturschaffenden, die schon da sind und später einmal da hinsollen, wenn die beiden Hallen mit ihren 10 000 Quadratmetern bespielt werden können. Das eine ist die Verwaltung.

Viele Künstler trauen dem Frieden noch nicht so recht

Das andere sind die Künstlerinnen und Künstler, die zum Teil schon seit vielen Jahren auf dem Gelände arbeiten, oft mit kurzfristigen Mietverträgen, die ebenso kurzfristig immer wieder verlängert wurden. Gerade wieder um den vergleichsweise langen Zeitraum von zwei Jahren. Manche trauen dem Frieden noch nicht so recht, glauben nicht ganz an die "prozesshafte Stadtentwicklung", an der sie teilhaben sollen.

Die Nutzer haben sich zusammengeschlossen im Verein "Labor München" als zentraler Ansprechpartner für die Stadt. Es gibt regelmäßig "Runde Tische" und einmal im Monat die "Laborgespräche" im Import/Export, der Künstlerkneipe im Kreativquartier, die zugleich so etwas wie die Kantine der Nutzer darstellt und in der es vor allem gesunde Sachen zu essen gibt.

Einer vom "Labor München" ist Christian Schnurer. Der Künstler hat 2010 die "Halle 6" gegründet, eine GmbH, die auf dem Gelände Räume renoviert und als Ateliers, Werkstätten oder Proberäume vermietet, zwischendrin aber auch noch tausend andere Dinge miterledigt. Gerade organisiert sie zum Beispiel Hilfslieferungen zu Flüchtlingslagern auf Lesbos, in der Halle stapeln sich die Kartons.

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