Debüt-Single:Meer Pop

Debüt-Single: Ihre erste Single hat Sandra Gern als "Polar Noir" zum World Oceans Day veröffentlicht.

Ihre erste Single hat Sandra Gern als "Polar Noir" zum World Oceans Day veröffentlicht.

(Foto: Max Hartmann)

Die egoFM-Moderatorin Sandra Gern plaudert in ihrer Radiosendung über Musik. Als Polar Noir gibt sie jetzt selbst ihr Debüt.

Von Sandra Langmann, München

Abtauchen, ins tiefe Blau des Meers und: sich entschuldigen. Für den Müll, den wir Menschen dort hinterlassen. Aber: "And once we are gone / you can recover." Irgendwann werden wir weg sein und das Meer kann sich erholen. Einen Gedanken, den Polar Noir in ihrer ersten Single "If everybody listened" teilt. Gehüllt in sanften Dream Pop, der sich an Sound und Bewegung des Wassers anlehnt - dem Element, mit dem sich die Künstlerin identifizieren kann. "Hey / Can you hear me?" singt sie ruhig, aber doch bestimmt. Die Zeit, um zuzuhören, ist jetzt.

Sandra Gern hat sich vollkommen der Musik verschrieben. Als Moderatorin des Musikmagazins "Chelsea Hotel" beim Münchner Radiosender egoFM interviewt sie Newcomer und Newcomerinnen und vermittelt Musikgeschichte. "Die Sendung orientiert sich sehr stark an meinem Musikgeschmack. Außerdem kann ich der Subkultur und damit einem Nischengenre mehr Aufmerksamkeit geben", erzählt sie. Eingebettet in einen Rahmen, den das berühmte New Yorker Chelsea Hotel bietet. "Der Sendungsname ist ein Geschenk. Ich mag die Bilder, die im Kopf entstehen, wenn man sagt, man lädt die Gäste in ein Hotel ein." Das Künstlerhotel beherbergte Musiker wie Bob Dylan und diente als kreative "Spielwiese". Obwohl die seit 2011 geschlossen ist, stecken die einst so prunkvollen Räume voller Geschichten. Sandra Gern schnappt sie auf und gibt das Wissen weiter. Auch die Grimme-Jury erkannte den Mehrwert und zeichnete sie 2020 mit dem Deutschen Radiopreis aus.

Mit etwa 20 schreibt sie ihren ersten eigenen Song

"Meine Mama ist ganz dankbar. Jetzt weiß sie immer, was sie mir zum Geburtstag schenken soll", sagt Sandra Gern, während sie einen Bildband zum Chelsea Hotel aus dem Bücherregal holt. Das ist vollgestopft mit Musik-Biografien und einem dicken Lexikon mit den tausend wichtigsten Musikalben der letzten Jahrzehnte. Schräg gegenüber steht ein altes Klavier. Ein Dekostück? "Ich kann ein paar Sachen spielen, aber ich hab's nie gelernt, ich kann keine Noten lesen. Es reicht zum Songschreiben und das ist für mich das Wichtigste." Hier in ihrem Musik/ Wohnzimmer, in das auch Gitarren und ein Keyboard einquartiert sind, entstehen die Songideen, die letztlich zum Projekt Polar Noir zusammen gefügt wurden.

Sandra Gern wuchs in Bad Tölz auf, hörte gerne die Beatles, weil ihre Mama die auch mochte. Mit 15 Jahren bringt sie sich selbst das Gitarrespielen bei, schreibt mit etwa 20 ihre ersten eigenen Songs und spielt sie ein, aber immer nur für sich. Während ihres Studiums in Salzburg legt sie in Clubs auf, dann kommt die Arbeit beim Radio. Ihrer Freude an der Musik konnte Gern immer in irgendeiner Form nachgehen. Dann kam aber der Punkt, an dem sie das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten. "Das Musikmachen machte mir allein keinen Spaß mehr. Und ich fragte mich, was möchtest du damit anfangen?"

Während der Corona-Pandemie fand sie Zeit, um die Sache voran zu treiben. Unter ihrem Künstlernamen Polar Noir vereint sie die Themen Wasser, Eis, Klima (Polar) mit etwas Düsterem und trotzdem Elegantem (Noir). So rosig schaut die Zukunft der Welt eben nicht aus. "If everybody listened" schnappt poppig und verträumt den Sound des Meeres auf. Dazu kommen einige Electro-Elemente, die die Stimmung einfangen. Gemeinsam mit dem Produzenten Andor Bencze wurde der Song zum World Oceans Day Anfang Juni fertig. Inklusive Video, das am Ende auf ausgewählte NGOs verweist. "Ich dachte, dann hat meine Musik auch noch einen guten Zweck erfüllt. Ich spende auch häufiger etwas, aber dadurch tun es vielleicht mehr Menschen."

Die Resonanz auf ihre erste Veröffentlichung war durchwegs positiv

Auf das Feedback war Sandra Gern schon gespannt, ist sie doch eigentlich diejenige, die Musik bewertet. "Ich hatte auch einen redaktionellen Anspruch. Ich hab' da alles rein gesteckt, was ich so mache." Hatte sie die richtigen NGOs ausgewählt? Wie würde das selbst kreierte Video ankommen? Doch die Resonanz war durchwegs positiv, und der Song lief bei deutschen und internationalen Radiosendern.

Trotzdem hatte sie anfangs Bedenken, als Moderatorin der Konkurrenz zu gelten und nicht gespielt zu werden. "Ich hatte auch angenommen, vielleicht strenger bewertet zu werden als jemand, der vorher noch nicht so viel mit der Musikbranche zu tun hatte. Normalerweise bewerte ich ja." Mit Polar Noir lernte Sandra Gern die Musikbranche von einer anderen Seite kennen. "Diesen ganzen Veröffentlichungsprozess kannte ich nicht. In den letzten Monaten hab' ich nochmal mehr Respekt vor den Gästen, die bei mir waren. Also nicht mehr nur auf der kreativen Ebene."

Als Musikjournalistin profitiere sie nun von der neuen Erfahrung und kann Fragen auch von der anderen Perspektive aus stellen.

Bei dem einen Song wird es aber nicht bleiben. Ein paar weitere hat sie schon in Petto. Die sind vielleicht weniger poppig, mit weniger Umweltaspekten, die Grundstimmung bleibt aber gleich. Ob es ein Album geben wird, ist mit einem Vollzeitjob schwer zu beantworten. Auf jeden Fall hätte sich Polar Noir schon jetzt einen Platz im "Chelsea Hotel" verdient.

© SZ/chj
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