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Zweite Stammstrecke:Gemeinsam für besseren Takt

Landrat springt Bürgermeistern an der S 6/S 4 bei

Mit der neuen Stammstrecke für die S-Bahn wird alles besser - so wird es jedenfalls immer wieder kommuniziert. Bürgermeister entlang der Linie S 6/S 4 haben hier allerdings eine andere Meinung, denn einen regelmäßigen Zehn-Minuten-Takt wird es dann wohl nicht mehr geben - was großen Unmut hervorruft, nicht nur bei den Bürgermeistern, sondern auch bei den Pendlern. Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der auch Sprecher der MVV-Verbundlandkreise ist, hat den Gemeinden seine Unterstützung zugesagt: "Es kann nicht sein, dass die Bürger nach Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke voraussichtlich im Jahr 2026 Nachteile im S-Bahn-Angebot hinnehmen müssen. Das kann man auch niemandem nachvollziehbar erklären: Die Kapazitäten verdoppeln sich mit dem zweiten Tunnel, aber das Angebot wird auf heute schon hochfrequentierten Bahnhöfen ausgedünnt, das ist nicht akzeptabel."

Die Landräte haben das Problem bereits im Frühjahr 2017 in ihrem Positionspapier zur S-Bahn thematisiert und auch mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) besprochen, darauf weist Niedergesäß in einer Pressemitteilung hin. In ihrem Papier fordern sie die sofortige Konkretisierung des Betriebskonzeptes zur zweiten Stammstrecke. Dabei sei darauf zu achten, dass es keine Verschlechterung im Vergleich zum Status quo gebe. Die Landräte hätten, so Niedergesäß, das aktuell von einigen Bürgermeistern zurecht angesprochene Problem schon 2017 in Gesprächsrunden mit Fachleuten und politisch Verantwortlichen thematisiert: "Wir werden nicht locker lassen und nicht müde werden, diese Kernforderung auf allen Ebenen nachhaltig weiterzuverfolgen, bis eine akzeptable Lösung zugesichert wird, auch wenn das manchen Fachleuten auf die Nerven gehen mag." Innenminister Joachim Herrmann, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und die Landräte im MVV-Gebiet hätten künftig eine noch engere Zusammenarbeit und gemeinsame Abstimmung vereinbart, "da müssen solche Themen gegebenenfalls auf politischer Ebene gelöst werden", so Niedergesäß.

Kein Verständnis hat der Landrat dabei nach eigenen Angaben für eine Aussage von Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger (FW), die Gemeinde hätte sich "bisher ohne Erfolg" an den Landrat gewandt und man sei "immer nur vertröstet" worden. "Der Bürgermeister habe das Positionspapier der Landräte mindestens zweimal erhalten, er hätte also wissen können, dass die Landräte hier im Sinne der S-Bahn-Fahrgäste ihre Stimme gegen unnötige Verschlechterungen erheben werden", so Niedergesäß. Der Landrat begrüßt es in seiner Pressemitteilung, dass die betroffenen Gemeinden und Bürgermeister den befürchteten Missstand öffentlich kritisieren, um der Sache Nachdruck von der Basis zu verleihen: "Mit vereinten Kräften können wir noch schlagkräftiger auftreten, bis 2026 ist noch Zeit, das Unheil abzuwenden."