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Zuwachs:Hohmann wirbt für Gewerbe

In Markt Schwaben sollen sich 20 weitere Firmen ansiedeln

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Bürgermeister Georg Hohmann hat noch drei Jahre Zeit, bei den Kommunalwahlen wird er aus Altersgründen nicht mehr kandidieren. Vorher will der Sozialdemokrat in Markt Schwaben aber noch einiges durchbringen. Beim Neubau der Grund- und Mittelschule werden die Planungen nun langsam konkret, auch beim Hochwasserschutz und Straßenbau soll einiges passieren. Das Problem: All das kostet Geld, und in der Markt Schwabener Gemeindekasse sieht es nach wie vor recht dürftig aus. Und so ließ es sich Hohmann auf der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Unterbräu nicht nehmen, ein Plädoyer für ein Projekt zu halten, um all die Ausgaben irgendwann wieder hereinzuholen.

Vor 120 Gästen warb Georg Hohmann einmal mehr für die per Gemeinderatsbeschluss geplante Ausweitung des Gewerbegebiets - und wurde dabei durchaus konkret, wie er es sich vorstellen würde. "Aus München wollen oder müssen 500 Betriebe weg", sagte Hohmann. Wegen des steigenden Zuzugs und Siedlungsdrucks werde die Landeshauptstadt für kleinere Firmen auf Dauer weniger attraktiv, so Hohmann. Viele würden deshalb im Umland nach Gewerbeflächen suchen. Dabei, so der Bürgermeister, handle es sich vor allem um Betriebe im Größenformat zwischen 20 und 40 Mitarbeitern. "Von so einem Betrieb kann man im Schnitt um die 200 000 Euro Gewerbesteuer im Jahr erwarten", so Hohmann. Würde es gelingen, 20 solcher Betriebe nach Markt Schwaben zu holen, "dann hätten wir eine Gegenfinanzierung für das, was wir in Markt Schwaben in den kommenden Jahren so vorhaben".

Natürlich gab es im großen Saal des Unterbräus auch andere Themen als die Gewerbesteuereinnahmen. Gleich am Anfang blickte Hohmann, der in Markt Schwaben auch in diesem Jahr den Alleinunterhalter gab, auf die Zeitspanne zwischen 2005 und 2015 zurück. Innerhalb von zehn Jahren sei Markt Schwaben "um nahezu 22 Prozent gewachsen", das entspricht einem Zuwachs von 2350 Einwohnern. "Damit steht Markt Schwaben auf Platz eins des Bevölkerungswachstums im Landkreis und auf Platz zwei im ganzen Umkreis von München." Deutlich hinter Spitzenreiter Unterföhring (Landkreis München, 43 Prozent), und knapp vor Poing, wo zwar zahlenmäßig mehr Menschen hinziehen, wo die Gemeinde aber mit 21 Prozent verhältnismäßig weniger gewachsen ist - zumindest zwischen 2005 und 2015.

Hohmann nahm diese Zahlen zum Anlass, um zu illustrieren, dass Markt Schwabens Gemeindeverwaltung seit Jahren chronisch überlastet ist. "Es hat eine erhebliche Mehrarbeit im Rathaus mitgebracht", sagte Hohmann. Schon als er 2011 angefangen habe, hätten die Mitarbeiter die Anforderungen nicht erfüllen können. "Wir haben damit einhergehend eine große Zunahme an Bautätigkeit in Markt Schwaben gehabt und haben dies immer noch": 120 Bauträge im Jahr, üblich sind 60 bis 70. "Jetzt stoßen wir so richtig auf Lücken." Sollte der Gehaltsrahmen für Angestellte in öffentlichen Einrichtungen nicht in absehbarer Zeit gehoben werden, "dann bekommen wir immer schwerer das Fachpersonal, das wir dringend benötigen". Nach zwei Stunden war die Bürgermeister-Rede zu Ende - und mancher vielleicht zu erschlagen, sodass es zu keinem Bürger-Antrag mehr kam.

© SZ vom 20.05.2017
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