Zum dritten Mal in zwölf Jahren Steinwurf zerstört Kirchenfenster

An dem Gotteshaus in Poing entsteht ein Schaden von 10 000 Euro. Der Pfarrer spricht von einem "asozialen Akt"

Barbara Mooser

Tiefblaue Wirbel ziehen sich im Kreis, kontrastiert mit Balken in sattem Gelb und Rot. Ein flüchtiger Betrachter sieht den Schaden gar nicht sofort: Unzählige feine Risse durchziehen die Glasscheibe, ausgehend von einem Punkt. Hier muss ein schwerer Stein mit voller Wucht die Scheibe getroffen und irreparabel beschädigt haben: Zum dritten Mal innerhalb von zwölf Jahren muss die Poinger Christuskirche ein kostbares Buntglasfenster, das von dem Esslinger Künstler Bernhard Huber gestaltet wurde, nun auswechseln lassen. 10 000 Euro, so schätzt Pfarrer Michael Simonsen, wird die Reparatur kosten. Er ist tief betroffen, aber auch verärgert: "So etwas ist ein asozialer Akt, das schädigt die ganze Gemeinschaft." Das Geld, das für die Reparatur benötigt werde, stehe schließlich dann nicht für andere wichtige Zwecke zur Verfügung - für die Poinger Tafel etwa, die sich um die Unterstützung sozial Schwacher kümmert, oder auch den lange geplanten Bau des neuen Kirchturms.

"Aber ich lasse mich nicht entmutigen", unterstreicht der Pfarrer - auch wenn ein bisschen Frust mitschwingt, wenn er davon erzählt, wie die Christuskirche auch früher immer wieder von Rowdies heimgesucht wurde. Denn die prächtigen Glasfenster sind erst seit gut einem Jahr wieder vollständig: Zuletzt wurde in der Silvesternacht 2010 eine der jeweils mehrere Quadratmeter großen Scheibe zerstört - während eines Konzertes. Es habe sich angehört, wie wenn ein Stein auf eine Eisfläche geworfen werde, haben die berichtet, die dabei waren. Erst im vergangenen Jahr hat der Künstler den Ersatz geliefert und eingebaut. Doch auch Hakenkreuzschmierereien und zerstörte Außenlampen haben die Verantwortlichen der Christuskirche in jüngster Zeit beunruhigt. "Wir merken, dass wir es in dieser Ecke immer öfter mit Vandalismus zu tun haben", sagt Simonsen. Jugendliche, die am See ihre Freizeit verbringen, Bier trinken und danach negativ auffallen, beschäftigten auch die Anwohner. "Die Nachbarn sagen inzwischen: Wo leben wir denn eigentlich, dass solche Sachen regelmäßig passieren", sagt der Pfarrer.

Fraglich ist, ob sich derjenige finden lässt, der das Fenster zerstört hat. Weil es sich um Sicherheitsglas handelte und keine Scherben auf dem Boden landeten, fiel der Schaden nicht gleich auf. Auch Michael Simonsen selbst bemerkte ihn erst am Donnerstag und erstattete dann sofort Anzeige. Die Poinger Polizei sucht nun nach Zeugen, die zwischen dem 21. April und dem 9. Mai Auffälliges beobachtet oder gehört haben.

Der Künstler ist bereits darüber informiert, dass ein Teil seines Werks erneut zerstört wurde. "Ich bin entsetzt", sagte Bernhard Huber zur Nachrichtenagentur epd. Jedes Fenster sei ein Unikat: "Ich habe mit keramischen Farben auf Floatglas gemalt, diese Farbtöne sind einmalig und können nicht wieder hergestellt werden." Um den Versuch wagen zu können, das Fenster ähnlich zu reproduzieren, muss auch die angrenzende Scheibe mit herausgenommen werden, damit der Künstler im Atelier die Übergänge richtig hinbekommen kann. Dass dies auch dann nicht immer hundertprozentig gelingt, sieht man an einem anderen Fenster, das schon einmal zerstört wurde.

Wie sich verhindern lässt, dass die Christuskirche erneut das Ziel solcher Attacken wird, darüber macht man sich in der evangelischen Kirchengemeinde bereits Gedanken: Optionen wären dabei nach Angaben des Pfarrers die Montage von Überwachungskameras und eine starke nächtliche Beleuchtung des Kirchenareals. Eine Schutzverglasung aller Buntglasfenster hingegen wäre laut Simonsen entschieden zu teuer. Preisgünstiger wäre eine Plexiglasfront, die allerdings würde das Licht stark filtern. Bereits jetzt hat der Pfarrer viel Zuspruch und Rückendeckung von der politischen Gemeinde, aber auch von Vereinen und Privatpersonen erhalten, die von dem Vorfall erfahren haben. Und bereits jetzt wirbt Simonsen um Spenden für das neue Fenster mit den leuchtend blauen Wirbeln (Spendenkonto 66 02 66 bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, Bankleitzahl 702 501 50).