Einst war er ein artenreiches Biotop, inzwischen aber fristet der Pöringer Ziegelweiher eher ein Dasein als vor sich hindümpelnder Tümpel. Der Grund dafür ist, dass dem Gewässer an der Anzinger Straße mehr und mehr seine Lebensgrundlage, nämlich das Wasser, ausgeht. Diese Entwicklung ruft nun die Zornedinger Ortsgruppe des Bundes Naturschutz auf den Plan, die seit einigen Jahren um den Erhalt des Weihers kämpft. Von der Gemeinde fordern die Mitglieder in einem offenen Brief, endlich etwas gegen die drohende Austrocknung zu unternehmen - doch das ist gar nicht so einfach.
"Es wäre unerträglich, wenn eines der letzten Biotope in Zorneding verschwinden würde", schreibt Jutta Judt, die Zornedinger Ortsvorsitzende des Bundes Naturschutz. Der Pöringer Ziegelweiher - oder "Thaller Lacke", wie das Gewässer am Ort auch genannt wird - sei Brutgebiet für mehr als 25 Vogelarten und zudem Heimat von Siebenschläfern, Haselmäusen sowie zahlreichen Amphibien, die dort im Frühjahr laichen. Diesen Artenreichtum sehen die Naturschützer inzwischen als akut gefährdet, denn der Weiher drohe, auch infolge des Klimawandels, immer mehr auszutrocknen und zu verlanden, wie es im Schreiben des Bundes Naturschutz heißt.
Der Bund Naturschutz wirft der Gemeinde Zorneding Untätigkeit vor
Versuche, das Biotop zu retten, seien in der Vergangenheit immer wieder an "bürokratischen Hürden" gescheitert, so die Naturschützer. Dabei habe man bereits 2020 das Gespräch mit der Gemeinde gesucht und Möglichkeiten ausgelotet, den Weiher mit ausreichend Wasser zu versorgen. Dem Bund Naturschutz schwebt etwa vor, neben dem Dachflächenwasser der umliegenden Häuser auch Regenwasser von der angrenzenden Straße "Am Weiher" in den Tümpel abzuleiten. Bisher ist dahingehend jedoch noch nichts passiert, weshalb man beim Bund Naturschutz der Ansicht ist, das Zornedinger Rathaus drücke sich vor seiner Verantwortung.
"Leider gibt es bis heute keine zielführende Äußerung der Gemeindeverwaltung, ob sie die besprochenen Maßnahmen weiter verfolgt hat", heißt es in dem offenen Brief. Dort klagt die Ortsvorsitzende Jutta Judt auch darüber, dass ein entsprechender Antrag weder bei der jüngsten Bürgerversammlung thematisiert worden sei, noch im Gemeinderat behandelt wurde. Man müsse deshalb davon ausgehen, "dass seitens der Gemeinde Zorneding kein Interesse für eine Problemlösung besteht", so Judt in ihrem Schreiben.
Der Weiher ist in seinem Bestand nicht gefährdet, sagt der Bürgermeister
Diesen Vorwurf jedoch weist Bürgermeister Piet Mayr (CSU) auf SZ-Nachfrage entschieden zurück. Man sei nach wie vor an dem Thema dran. "Wir versorgen den Teich regelmäßig mit Wasser. Er ist in seinem Bestand also nicht gefährdet", sagt der Rathauschef. Der Grund, warum sich der Gemeinderat bisher nicht offiziell mit der Sache befasst habe, sei hingegen ein rein verwaltungsrechtlicher: Bei der Bürgerversammlung sei eine Abstimmung über das Gesuch des Bund Naturschutzes abgelehnt worden, deshalb sei das Gremium nicht verpflichtet, den Pöringer Ziegelweiher auf die Tagesordnung zu setzen.
Mayr zufolge sei die Gemeinde ohnehin bereits bemüht, eine Lösung für die "Thaller Lacke" zu finden. Doch das sei gar nicht so einfach. Der Sammelpunkt für das Niederschlagswasser etwa liege niedriger als die Oberfläche des Teiches, man müsste das Wasser also nach oben pumpen. Von dieser Variante hält der Bürgermeister ebensowenig, wie von der Idee, das Regenwasser von der Straße in den Tümpel zu leiten. "Man muss bedenken, dass dann auch der ganze Dreck wie Öl und Benzin reingespült wird", so Mayr, der eine komplette Entschlammung des Teiches für die einzig sinnvolle Möglichkeit hält. "Aber das würde uns eine sechsstellige Summe kosten."
Derzeit wird das Biotop regelmäßig mit Trinkwasser versorgt - keine optimale Lösung
Neben der Finanzierung verweist der Bürgermeister auch auf den personellen Engpass in der Gemeindeverwaltung. Der mit der Angelegenheit betraute Mitarbeiter im Tiefbauamt habe schon vor längerer Zeit gekündigt, einen Nachfolger aber habe man bis heute nicht finden können. Und es gibt noch ein weiteres Problem: "Die Rechtslage ist nicht ganz so einfach, wie sich der Bund Naturschutz das vorstellt", sagt Mayr. Der Pöringer Ziegelweiher sei nämlich in Privatbesitz, theoretisch müsste sich also nicht die Gemeinde, sondern der Eigentümer um den Erhalt des Biotops kümmern.
Dennoch sehe man sich auch im Rathaus in der Verantwortung, den Tümpel und seine Artenvielfalt zu erhalten. Derzeit passiert das eher notdürftig, indem der Teich immer wieder mit Trinkwasser aufgefüllt wird. Langfristig strebt man in der Gemeinde aber schon eine dauerhafte Lösung an. Derzeit habe man zwar andere Prioritäten, so Mayr angesichts der hohen Kosten für eine Entschlammung, "aber das Thema bleibt weiter in der Pipeline".

