Hallenbad KirchseeonZweifel aus Zorneding

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Seit Juli 2023 ist das Kirchseeoner Hallenbad wegen zahlreicher Baumängel geschlossen. Allein könnte die Gemeinde Kirchseeon die Sanierung wohl nicht stemmen.
Seit Juli 2023 ist das Kirchseeoner Hallenbad wegen zahlreicher Baumängel geschlossen. Allein könnte die Gemeinde Kirchseeon die Sanierung wohl nicht stemmen. (Foto: Christian Endt)

Bürgermeister Piet Mayr spricht sich auf der Bürgerversammlung gegen eine Beteiligung seiner Gemeinde am Kirchseeoner Hallenbad aus. Die Kosten seien viel zu hoch.

Von Wieland Bögel, Zorneding

Die Gemeinde Zorneding soll sich nach Meinung ihres Bürgermeisters nicht an einem Zweckverband mit der Nachbargemeinde Kirchseeon zum Betrieb des dortigen Hallenbades beteiligen. Dies erklärte Piet Mayr (CSU) am Donnerstagabend auf der Zornedinger Bürgerversammlung. Als Grund für seine Ablehnung nennt Mayr die hohen Kosten für seine Gemeinde.

Zornedings Bürgermeister Piet Mayr spricht sich gegen einen Hallenbad-Zweckverband mit der Nachbargemeinde Kirchseeon aus, dies sei viel zu teuer.
Zornedings Bürgermeister Piet Mayr spricht sich gegen einen Hallenbad-Zweckverband mit der Nachbargemeinde Kirchseeon aus, dies sei viel zu teuer. (Foto: Christian Endt)

Seit bald zwei Jahren ist das Kirchseeoner Hallenbad nun schon geschlossen. Dies hatte der Marktgemeinderat im Sommer 2023 entschieden, weil die ansonsten nötige Sanierung den Kirchseeoner Haushalt gesprengt hätte. Einfach weiterbetreiben könne man das Bad nicht, hieß es damals, denn einige der Mängel seien zu gravierend. So sind Teile der Decke über dem Kinderbecken absturzgefährdet, es gibt Wasserschäden an verschiedenen Stellen und auch die Technik ist nicht mehr zuverlässig, es gibt nämlich für vieles keine Ersatzteile mehr. Zu guter Letzt ist auch der Brandschutz nicht mehr zeitgemäß.

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Dazu, wie hoch die Kosten für eine Sanierung sein könnten, gibt es nur sehr vage Schätzungen, die bislang jüngste geht von etwa zwölf Millionen Euro aus. Diese Kosten kann Kirchseeon auf keinen Fall alleine tragen, daher entstand die Idee, sich mit den Nachbarn zusammenzutun. Auch in Zorneding gab es Bestrebungen, sich an der nahen Sportstätte zu beteiligen, um diese wieder in Betrieb nehmen zu können. Im März wurde dann bekannt, dass die beiden Kommunen über die Gründung eines Zweckverbandes verhandeln.

Schon damals ging es um die finanziellen Folgen für die Gemeinden, laut Kirchseeons Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) wären dies etwa 350 000 bis 400 000 Euro jährlich, mögliche Fördermittel des Freistaates schon abgezogen. Paeplow zeigte sich damals optimistisch, eine solche Summe könne man in Kirchseeon aufbringen.

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Sein Amtskollege in Zorneding ist da dezidiert anderer Meinung: Selbst im besten Fall würde seine Gemeinde jährlich etwa 225 000 Euro in den Zweckverband einbringen müssen, so Mayr und zog einen Vergleich: Dies entspreche in etwa der Hälfte dessen, was Zorneding an Zins und Tilgung für die Kredite aufzubringen hätte, die man für das neue Feuerwehrhaus aufnehmen müsste.

Wie der Bürgermeister auf Nachfrage ausführt, könnten die Kosten für den Zweckverband durchaus noch höher ausfallen. Denn diese bemessen sich neben laufenden Betriebskosten ebenfalls an einem Schuldendienst: dem für die Sanierung des Hallenbades. Die dafür nötigen Kredite werden die Zweckverbandsmitglieder zu bedienen haben, und die fallen eben desto höher aus, je mehr die Sanierungskosten steigen.

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Und Mayr führt noch ein anderes Argument gegen den Zweckverband an: Steigt Zorneding dort erst einmal ein, komme die Gemeinde auf absehbare Zeit nicht mehr heraus. Denn der Verband existiert so lange, bis die Schulden getilgt sind – bis das aber der Fall sei, werde man in das Bad erneut investieren und also neue Schulden machen müssen.

Mayr macht aber auch klar, dass dies seine persönliche Einschätzung ist, denn entscheiden muss darüber letztlich der Gemeinderat, genauer gesagt beide Gemeinderäte. Geplant ist, dass die Gremien von Zorneding und Kirchseeon parallel, vielleicht sogar in einer gemeinsamen Sitzung, noch vor der Sommerpause über den Zweckverband abstimmen. Eine Prognose wagt Mayr nicht, nur so viel: „Es dürfte eng werden.“

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