RohstoffeZorneding: Vorerst kein Kiesabbau mehr in der Gemeinde

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Rund um Zorneding werden immer wieder große Kiesgruben erschlossen.
Rund um Zorneding werden immer wieder große Kiesgruben erschlossen. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zorneding lehnt zwei Anträge von Firmen zur Rohstoffgewinnung im Gemeindegebiet ab. Diese Entscheidung könnte Signalwirkung haben - und dürfte die Bürger freuen.

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Wer der Gemeinde Zorneding eine Grube gräbt, der fällt zwar nicht selbst hinein, dürfte sich künftig aber deutlich schwerer damit tun, als es bisher der Fall war. Das zumindest steht seit Donnerstagabend fest, als der Gemeinderat gleich zwei entsprechenden Anträgen von Abbauunternehmen eine Absage erteilt hat - ein Novum. Bisher musste das Gremium zwar stets zähneknirschend, aber ohne echte Handhabe zur Kenntnis nehmen, wenn eine Firma wieder mehrere tausend Quadratmeter Gemeindefläche in eine Kraterlandschaft verwandeln wollte. Doch damit soll nun endgültig Schluss sein, was nicht zuletzt viele Zornedinger Bürger freuen dürfte.

Denn die Abbauflächen liegen vor allem im südlichen Gemeindegebiet, einer Gegend also, die bei Spaziergängern und Radlern recht beliebt ist. Dort kann man angesichts der sandigen Gruben mancherorts allerdings die Frage stellen, ob man sich noch auf der Erde oder schon auf dem Mond befindet - vom Verkehrsaufkommen durch die zum Abbau benötigten Lastwagen ganz zu schweigen.

76 000 Quadratmeter groß und 30 Meter tief soll die neue Grube werden

Ein neuerliches Bauvorhaben würde die Situation im Zornedinger Süden für alle Naturfreunde weiter verschärfen: Der Gemeinde nämlich liegt ein Antrag auf Baugenehmigung einer Moosacher Firma vor, die südlich der Bundesstraße 304 entlang des Waldgebiets ein 76 000 Quadratmeter großes Areal für den Kiesabbau nutzbar machen möchte. Etwa 30 Meter tief soll die Grube werden, pro Stunde würden sechs Lastwagen den gewonnen Rohstoff über die Wolfersberger Straße abtransportieren. "Die Kiesgrube dient, den südlichen Landkreis mit Kies zu versorgen", heißt es im entsprechenden Antrag der Firma, die durchaus vom Zuschlag in Zorneding abhängig zu sein scheint. Denn weiter schreibt sie: "Die Kiesgrube wird dringend benötigt, um die Arbeitsplätze und die Zukunft der Firma zu sichern."

Von Seiten der Gemeinde kann das Unternehmen aber offenbar auf nicht allzu viel Mitgefühl hoffen - denn der Gemeinderat lehnte das Vorhaben am Donnerstag ohne Gegenstimme ab. Ein solcher Beschluss wäre bis vor Kurzem noch undenkbar gewesen, gilt der Kiesabbau doch als privilegiertes Vorhaben. Das bedeutet, dass entsprechende Anträge im gemeindlichen Außenbereich eigentlich ohne größere Hürden genehmigungsfähig sind. Die Entscheidungen darüber, ob eine neue Abbaufläche ausgewiesen wird, treffen nicht die Kommunen selbst, sondern das Ebersberger Landratsamt. Die Gemeinde muss lediglich am Verfahren beteiligt werden - ohne jedoch ein tatsächliches Vetorecht zu haben.

Der Gemeinderat zieht in diesem Jahr die Notbremse

Es sei denn, man hätte per Flächennutzungsplan vorab festgelegt, welche Gebiete für den Kiesabbau in Frage kommen und welche eben nicht. Einen solchen Plan gibt es zwar in Zorneding, allerdings lässt dieser den Firmen bisher zu viele Freiräume. Im Juni dieses Jahres hat der Gemeinderat schließlich die Notbremse gezogen und den Planungsverband München mit der Änderung des Flächennutzungsplanes beauftragt. Im November legte das Gremium nach und formulierte klare Ausschlusskriterien, die letztendlich darüber bestimmen sollen, in welchen Bereichen im Gemeindegebiet Konzentrationsflächen für den Kiesabbau entstehen können.

Noch sind die Experten in München mit der Ausarbeitung des neuen Flächennutzungsplanes beschäftigt - was auch der Grund für den negativen Beschluss des Gemeinderates ist. "Es soll erst abgewartet werden, was dabei rauskommt", sagte Bürgermeister Piet Mayr (CSU) in der Sitzung. Bis es soweit ist, werden sich die Abbaufirmen am Gemeinderat wohl die Zähne ausbeißen.

Das bekam am Donnerstag auch noch ein zweites Unternehmen aus Neuried zu spüren, das im westlichen Gemeindegebiet eine Abbaufläche ausweisen will. Da es sich zunächst um einen Vorbescheid handelt, steht die genaue Größe des Areals noch nicht fest. Der gewonnene Kies jedenfalls solle zum Garten-, Landschafts- und Straßenbau verwendet werden, wie die Firma in ihrem Antrag schreibt. Doch auch dieses Unternehmen wird sich gedulden müssen, denn ebenfalls mit Verweis auf die laufende Änderung des Flächennutzungsplanes lehnte der Gemeinderat auch dieses Vorhaben zunächst einstimmig ab.

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