Damit hier ab sofort wirklich niemand mehr einen Fuß hineinsetzen kann, hat die Gemeinde Zorneding zu einer durchaus drastischen Maßnahme gegriffen und den Schließzylinder an der Eingangstür ausgetauscht. Das Gebäude in der Lärchenstraße mit der Nummer 29 ist aber nicht irgendein beliebiges Haus, sondern beherbergte bislang neben dem Bayerischen Roten Kreuz auch die Volkshochschule, das Seniorenbüro sowie weitere Einrichtungen, die früher im Haus der Vereine untergebracht waren. Zumindest bis zu diesem Donnerstag, als bis auf das BRK alle Mietparteien erfahren haben, dass sie sich fortan eine neue Bleibe suchen müssen.
Das Gebäude habe aus „statischen und sicherheitstechnischen Aspekten“ gesperrt werden müssen, wie die Gemeinde in einem Rundschreiben an die dort untergebrachten Einrichtungen mitteilt. Auf Nachfrage der SZ erklärt Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (CSU), dass die Statik des Gebäudes „akut gefährdet“ sei. Zu diesem Ergebnis waren von der Gemeinde beauftragte Gutachter gekommen, die sich das Haus in den vergangenen Wochen gründlich angeschaut hatten und nun ihren Abschlussbericht vorlegten. Von dessen Inhalt war man auch im Rathaus überrascht. Zwar war bereits bekannt, dass das Gebäude in der Lärchenstraße nicht mehr im allerbesten Zustand war, wie schlimm es aber tatsächlich um dessen Bausubstanz steht, stellte sich erst jetzt heraus.

„Wir mussten sofort tätig werden und haben alle Nutzer verständigt“, sagt Bürgermeister Mayr. In dem entsprechenden Schreiben, das unter anderem an den Leiter der VHS Vaterstetten, Helmut Ertel, ging, heißt es, dass eine Benutzung des Gebäudes „bis auf Widerruf und auf unbestimmte Zeit“ nicht mehr möglich sei. Für den VHS-Chef ist diese Nachricht freilich ein Schlag in die Magengrube, hat die Bildungseinrichtung in der Lärchenstraße doch bisher 40 Kurse abgehalten, die vorerst alle eingestellt werden müssen. „Wie es weitergeht, wissen wir aktuell noch nicht“, sagt Ertel. „Morgen werde ich mich mit meinem Team zusammensetzen und prüfen, ob wir Kurse woandershin verlagern können“, so der VHS-Chef. Er habe auch bereits andere Vereine und Organisationen vor Ort angeschrieben und um Hilfe gebeten.
Hilfe für die plötzlich obdachlos gewordenen Einrichtungen will auch die Gemeinde anbieten, wie Bürgermeister Mayr ankündigt. „Wir bemühen uns, schnellstmöglich eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden“, sagt der Rathauschef. Das sei aber natürlich nicht innerhalb weniger Stunden umzusetzen. Zudem werde es sich bei den Lösungen – falls diese überhaupt zu finden sind – lediglich um Provisorien handeln. Trotz der Umstände ist Mayr allerdings froh, dass angesichts der Hiobsbotschaft nichts Schlimmeres passiert ist. „Wir können von Glück reden“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die gravierenden Mängel, die das Gutachten nun zutage gefördert hat.

Zornedinger Ortsgeschichte:Fragwürdige Ehre
Zorneding möchte das geschichtsträchtige Haus der Vereine abreißen. Das ruft nun den Landesverein für Heimatpflege auf den Plan, der mit einem unrühmlichen Titel droht.
Das Haus in der Lärchenstraße hatte schon in der Vergangenheit immer wieder für Probleme gesorgt. Im Rathaus war bekannt, dass die Substanz nicht mehr im besten Zustand war, deshalb wurde auch das Gutachten in Auftrag gegeben. Das Haus ist in Holzständerbauweise errichtet worden, wie der Bürgermeister erklärt. Es sei möglich, dass Wasser in die Fassade gekommen sei und diese dadurch zusätzlich beschädigt wurde. Weil die Mängel aber erst ab der Gebäude-Oberkante auftreten, muss das im Erdgeschoss beheimatete BRK vorerst nicht umziehen.
Derweil ist das VHS-Haus in der Lärchenstraße nicht das einzige Gebäude, das der Gemeinde Sorgen bereitet. Das historische Haus der Vereine im Ortszentrum ist ebenfalls in einem schlechten Zustand und steht seit längerer Zeit leer. Auch hier setzt eindringende Feuchtigkeit der Bausubstanz zu. Weil eine Sanierung sehr teuer werden dürfte, spielte der Gemeinderat zuletzt mit dem Gedanken, das Gebäude abzureißen – bis sich der Landesverein für Heimatpflege einschaltete und mit dem unrühmlichen Titel „Abriss des Jahres“ drohte. Daraufhin kassierten die Gemeinderäte ihren Beschluss wieder ein. Seither verfällt das Haus der Vereine weiter vor sich hin.
Ob dem Gebäude in der Lärchenstraße ein ähnliches Schicksal droht, werden die nächsten Wochen zeigen. Zunächst geht es nun darum, eine Alternative für die Nutzer zu suchen, damit diese ihre Angebote weiter fortführen können.

