Aus Zorneding:Schmähliedermacherin

Sarah Hakenberg Kabarett Musikkabarett Liedermacherin

Neuer Look: Sarah Hakenberg hat ihr rotes Kleid gegen ein schwarzes eingetauscht. Ohne Klavier oder Ukulele ist die Musikkabarettistin aus Zorneding auf der Bühne allerdings nie anzutreffen.

(Foto: Veranstalter)

Die Musikkabarettistin Sarah Hakenberg hat ein unerwartet politisches Programm geschrieben und war das erste Mal im Tonstudio.

Von Anja Blum

Ich hab meine eigenen CDs eigentlich nie anhören können", gesteht Sarah Hakenberg. Denn sie sei eine Perfektionistin, die mit Livemitschnitten, bei denen nur das ein oder andere "Äh" rausgeschnitten wurde, nur sehr schwer leben könne. "Jeder falsche Ton, jeder Versprecher - eine Qual!" Insofern hat sich die Liedermacherin nun selbst einen Traum erfüllt: ihre erste professionell im Studio produzierte CD. "Das war natürlich unfassbar teuer", sagt Hakenberg, aber es habe sich gelohnt. Die Aufnahmen seien - trotz aller anfänglicher Bedenken - fantastisch geworden. Streichquartett, Tuba und diverse andere musikalische Akzente werteten die Lieder, die Hakenberg normalerweise solo zu Klavier oder Ukulele singt, ungemein auf. "Und auch meine Stimme funktioniert gut, obwohl sie ja recht tief, klar und einfach ist." Außerdem seien die Studioaufnahmen eine ganz neue, tolle Erfahrung gewesen. "Das hat richtig süchtig gemacht."

"Wieder da!" heißt das neue Programm der Musikkabarettistin, die in Zorneding aufwuchs und nach Stationen in diversen Großstädten nun, der Liebe wegen, in der ostwestfälischen Provinz gelandet ist, in der Kleinstadt Warburg. Doch ihrer bayerischen Heimat fühlt sich Hakenberg nach wie vor sehr verbunden - nicht nur des Zornedinger Elternhauses wegen -, so dass die Premiere von "Wieder da!" am kommenden Freitag, 22. Oktober, im Münchner Lustspielhaus über die Bühne gehen wird. Die CD dazu kann man bereits jetzt auf der Homepage der Künstlerin vorbestellen, versandt wird sie dann von 29. Oktober an. Sicher eine schöne Möglichkeit für Hakenbergs Fans im Landkreis, die Zeit zu überbrücken, bis es Auftritte auch hier in der Nähe gibt: Am 19. März spielt die Liedermacherin im Ebersberger Alten Kino, am 23. März im Truderinger Kulturzentrum.

Auf "Dann kam lange nichts", eine Hommage an Ostwestfalen, folgt nun also "Wieder da!" - nur zur Sicherheit, wie Hakenberg erklärt. Schließlich habe sie mit dem Titel des vorangegangenen Programms durchaus hellseherische Fähigkeiten bewiesen - Corona legte fortan den Kulturbetrieb lahm - eine Entsprechung, die nun hoffentlich in umgekehrter Richtung erneut eintrete. "Ich wollte unbedingt ein positives Signal setzen, irgendwie Aufbruchstimmung erzeugen", erklärt die 42-Jährige. "Jetzt hoffe ich nur, dass sich nicht ausgerechnet das Virus von dem Titel angesprochen fühlt."

Auch für Sarah Hakenberg fielen während der Lockdowns freilich viele Auftritte ins Wasser, doch die Musikkabarettistin und zweifache Mutter konnte, auch dank staatlicher Hilfen, die gewonnene Zeit nutzen, um kreativ zu sein. Viele neue Lieder seien entstanden, erzählt sie, das Ergebnis sei das nun bereits sechste Soloprogramm. Angekündigt sind "mitreißender Schmählieder, raffinierter Protestsongs und unverfrorener Ohrwürmer", lauter intelligente Bosheiten, vorgetragen mit charmanter Dreistigkeit. Dabei geht es um innere Abgründe genauso wie um das Wirrwarr draußen in der Welt, um schadenfrohe Vermieter genauso wie um unentspannte Eltern.

Alles wie immer also? Nicht ganz. "Ich bin wesentlich politischer geworden", sagt Hakenberg - wegen Corona. "Ich finde, diese Zeit hatt alle extrem politisiert, jeder checkt morgens erst mal die aktuellen Zahlen, und wenn man dann schon dabei ist, liest man auch andere Artikel und tauscht sich später dann darüber aus." Dieses Über-den-Tellerrand-Hinausschauen, dieser neue Blick auf das große Ganze - das sei eine sehr positive Auswirkung der Pandemie, sagt die Musikkabarettistin. Ein Lied über Corona hat Hakenberg dennoch nicht geschrieben, aber sie ist von ihrem anfänglichen Bestreben, die Pandemie auf der Bühne auszublenden, abgerückt. "Dieses Thema schwingt doch immer mit, es bestimmt so viel - unseren Alltag, den Urlaub, das Wahlverhalten - das kann man nicht einfach ausgrenzen." Insofern mache sie da nun keinen Bogen mehr drumrum.

Neu ist zudem, dass Hakenberg in "Wieder da!" gänzlich auf eine Rahmenhandlung oder einen anderen roten Faden verzichtet - und sehr glücklich damit ist. "Meine Zuschauer warten ja ohnehin immer schon auf das nächste Lied, und ich finde, es reicht, wenn die ganz locker miteinander verbunden sind." Aber das ist nicht der einzige Verzicht, auch von zwei ihrer Markenzeichen hat sich die 42-Jährige im neuen Programm ganz bewusst verabschiedet: von ihrem roten Kleid und vom "Trostschlager", eine Parodie auf Hansi Hinterseer und Konsorten, mit der sie in den vergangenen zehn Jahren jeden Auftritt beendet hat. "Auch wenn mir Rot steht und die Menschen den Song sehr mögen - irgendwann ist's mal gut", sagt sie.

Dafür darf man sich freuen auf das "Zuckerbäcker-Lied", ein verrücktes, temporeiches Sprachspiel mit zahllosen Bandwurmwörtern. An dieser Liedform habe sie sehr lange getüftelt, erzählt Hakenberg, aber es habe sich gelohnt: "Die Leute lieben es", das hätten die Vorpremieren bereits gezeigt. Hitpotenzial hat vermutlich auch der titelgebende Song "Wieder da!": Fröhlich-harmonisch geht es da los, schließlich ist die Freude groß über all das, was endlich wieder geht. Belebte Kinderspielplätze oder Volksfeste etwa. Doch Hakenberg wäre nicht Hakenberg, wenn die süße Idylle nicht bald schon wieder kippen würde. Also führt sie uns vor Augen, was die wiedergewonnene Freiheit noch so alles mit sich bringt, vollgekotzte Vorgärten zum Beispiel. "War nicht doch vorher alles irgendwie schöner?"

Und dann gibt es eben nun mehrere Texte, in denen es politisch wird. Herrlich zum Beispiel Hakenbergs Vergleich von Donald Trump mit einem preisgekrönten Riesenkürbis - der am Ende sein widerliches Inneres preisgibt. Oder ein Lied über vergessliche Politiker, in dem Scheuer, Scholz und Co. der Kopf gewaschen wird, ohne dass jemals ihre Namen fallen. Auch bei einem SUV-Fahrer, dem ein Unglück nach dem anderen widerfährt, müsse das Thema gar nicht explizit genannt werden, sagt Hakenberg. "Das versteht jeder sofort." Und sogar einen Abgesang gibt es, ein Lied, das in naher Zukunft spielt, und dem allerletzten CDU-Wähler gewidmet ist. "Mit denen muss man ja fast schon Mitleid haben."

Indes: Gänzlich unpolitisch war Sarah Hakenberg noch nie. Bereits vor ein paar Jahren ging ein kleines Video von ihr viral, in dem sie, ganz Musikerin, ihrem Publikum den absteigenden d-Moll-Akkord vorstellt. Düster und teuflisch in der Anmutung finde diese Tonart zum Beispiel Verwendung in Mozarts Requiem, in Schuberts Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" oder diversen gewittrigen Opernszenen. Dabei sei der Akkord "nichts anders als A - F - D", erklärt Hakenberg den verblüfften Zuschauern. Nun darf man sich freuen auf noch viel mehr davon.

Sarah Hakenberg, "Wieder da!", Premiere am Freitag, 22. Oktober, 20 Uhr im Lustspielhaus München, Tickets gibt es unter https://sarah-hakenberg.de/de/startseite. Hier kann man auch die dazugehörige CD bestellen, sie kostet zehn Euro.

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