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Zeitreise durch Vaterstetten:Heimat entdecken

Ausstellung Höfe, Häuser und Flüchtlingsfamilien im Gemeindegebiet Vaterstetten

In der Ausstellung über "Höfe, Häuser und Flüchtlingsfamilien im Gemeindegebiet Vaterstetten" ist auch dieses Foto zu sehen, es zeigt das Haus in der Bahnhofstraße 34 um etwa 1920 herum. Wer helfen will, die jüngere Ortsgeschichte zu belechten und zu bewahren, kann nun an einem Forschungsprojekt teilnehmen.

(Foto: Gemeindearchiv/oh)

Ausstellung und Forschungsprojekt in Rathaus und Bildungszentrum

Schnell, bevor es zu spät ist! Das mag Ulrike Flitner vom Gemeindearchiv Vaterstetten gedacht haben, als sie begann, nach Dokumenten und Zeitzeugen zu forschen, die die jüngere Geschichte des Ortes belegen können. Denn Vaterstetten verändert sich, und zwar rasant. Die ehemaligen Bauernhöfe und Bürgerhäuser, die früher das Straßenbild dominierten, wurden bereits zu nostalgischen Randerscheinungen. Kirche, Platz, Schänke und alte Bauernhäuser, die früher das Dorfzentrum bildeten, haben ihre Funktion als Mittelpunkt längst verloren. "Deswegen sah es das Archiv an der Zeit, sich mit den früheren Ortsbildern zu befassen, bevor diese ganz in der Wahrnehmung verschwinden", schreibt Flitner.

Bei der Darstellung der jüngeren Geschichte geht es der Archivleiterin nicht nur um eine historische Erfassung der Höfe und Häuser, sondern vor allem darum, Bildmaterial zu sammeln und zu bewahren - und mit Menschen zu sprechen, die sich noch gut erinnern können und ihr Wissen weitergeben wollen. Dazu gesellte sich aber schnell noch ein zweites Thema: Viele ältere Vaterstettener kamen laut Flitner nämlich auf die Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg zu sprechen, auf den Ansturm von Flüchtlingen, vor allem aus dem osteuropäischen Raum. Also entschieden Flintner und ihre Mitstreiter, auch die Geschichten der Vaterstettener Flüchtlingsfamilien mit in ihre Arbeit aufzunehmen.

Das Ergebnis der Recherchen ist eine Ausstellung, die eine "erste, willkürliche Auswahl" an Höfen, Häusern und Flüchtlingsgeschichten zeigt. Momentan ist die Schau im Vaterstettener Rathaus zu sehen, im Anschluss wandert sie ins Bildungszentrum, wo sie von 18. Februar bis 26. März ausgestellt sein wird.

Denn Gemeinde und VHS wollen die Arbeit des Archivs nun gemeinsam voranbringen: Unter dem Titel "Heimat entdecken" haben sie ein "Forschungsprojekt Höfe, Häuser und Flüchtlingsgeschichten" ins Leben gerufen. Am Montag, 23. März, um 18 Uhr gibt es dazu ein erstes Treffen im Bildungszentrum. Flitner stellt das Projekt in einem Vortrag vor - mit dem Ziel, Interessenten zu finden, die sich anschließen und zusammen mit Ulrike Flitner die Geschichte der Höfe und Siedlungen erforschen. Dabei soll es um den Zeitraum von etwa 1857 bis heute gehen, denn dazu sind laut Flitner "fast alle Akten aus dem Staatsarchiv" vorhanden. Dies auszuwerten und mit den jetzigen Besitzern der Gebäude zu sprechen, das wären die Aufgaben der Seminarteilnehmer.

© SZ vom 14.02.2020 / abl
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