Zehn Jahre Musikkneipe VaterstettenInternationale Klänge, glückliches Publikum

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Eine Irlandreise hat Doris Häuser (Mitte) dazu bewogen, die Musikkneipe Vaterstetten ins Leben zu rufen. Nun feiert die Veranstaltungsreihe ihr zehnjähriges Bestehen.
Eine Irlandreise hat Doris Häuser (Mitte) dazu bewogen, die Musikkneipe Vaterstetten ins Leben zu rufen. Nun feiert die Veranstaltungsreihe ihr zehnjähriges Bestehen.
Doris Häuser/oh

Inspiriert durch eine Irlandreise entstand vor zehn Jahren die Musikkneipe Vaterstetten. Offen für alle, die tanzen oder einfach nur Musik hören wollen. Wer alles da war und wie es zur Statistenrolle in „Willkommen bei den Hartmanns“ kam, erzählt Initiatorin Doris Häuser. Am 25. April wird Jubiläum gefeiert, es spielt Kobaya Beach.

Von Michaela Pelz, Vaterstetten

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Als Doris Häuser vor einigen Jahren mit ihrem Mann nach Irland fuhr, hätte sie nicht gedacht, dass die Folgen dieser Reise sie bis in die Gegenwart beschäftigen und zu einem großen Event an diesem Freitag, 25. April führen würden. „Sommer war es und total berauschend“, erzählt die heute 67-Jährige mit begeisterter Stimme. „Wunderschöne Landschaft, supersympathische Leute und in jedem noch so kleinen Ort war jeden Abend etwas los.“ Immer habe irgendwer musiziert oder gesungen.

Eine solch lockere Stimmung, Menschen, die beschwingt nach Hause gehen, wünschte sich Häuser auch für ihre Heimatgemeinde Vaterstetten. Also sprach sie nach ihrer Rückkehr mit dem damaligen Bürgermeister Georg Reitsberger. Ihm gefiel die Idee eines Beisammenseins mit Speis, Trank und wechselnder musikalischer Unterhaltung, aber ohne eine Verpflichtung zum Ticketkauf, also organisierte die tatkräftige Frau 2015 in der „Landlust“ eine Veranstaltung unter dem Motto „Musik ist gut fürs Gemüt“. „Und schon beim ersten Mal war es brechend voll!“, berichtet sie stolz.

Vielleicht auch deswegen, weil sich die Musikkneipe schon damals durch Internationalität auszeichnete. „Ich betreute während der großen Flüchtlingswelle eine Gruppe Eritreer, die ein einheimisches Zupfinstrument, eine Krar bauten“, schildert die frühere Förderlehrerin den Auslöser für die Besetzung der ersten Auflage. „Wir hatten Swing Gitan aus Grafing mit französischer Musik, es gab bayerische Folklore mit Hackbrett und Gitarre sowie Seemannslieder mit Akkordeonbegleitung, klassische Klänge von einem Ensemble aus Gitarre und Querflöte und eben Fthawi mit seiner Krar. Seine Darbietung ging unter die Haut“, sagt sie.

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Obwohl die meisten den Text der Darbietung nicht verstanden hätten, sei es sehr eindrücklich und eine Bereicherung für alle im Publikum gewesen. Damit habe sie aber auch ein anderes, wichtiges Ziel erreicht: dass die Zuhörerschaft sich für Vielfalt öffnet und „nicht immer nur im eigenen Süppchen schwimmt“. Musik gefalle jedem, „das hat was mit der Seele zu tun – das spürt man, dafür muss man nicht unbedingt die Sprache können“.

Bei der darauffolgenden Veranstaltung war es daher eine Gruppe aus Asylbewerbern, die den bis in die Gänge stehenden Menschen mit Trommeln und Gesang einen unvergesslichen Abend bescherte. „Es war unkompliziert und berauschend, die Leute klatschten und wippten mit … nur tanzen ging nicht“, erinnert sich Häuser.

Das änderte sich, als man nach einiger Zeit für die im Frühjahr und Herbst stattfindende „Musikkneipe“ umzog in den Keller des Hotel-Restaurants „Alter Hof“. Das Prinzip blieb das gleiche: „Man konnte kommen und gehen, wie man lustig war. Etwas essen oder nur ein Bierchen trinken. In den herumgehenden Hut etwas hineinwerfen oder auch nicht“, fasst Häuser zusammen. Wobei es schon schöner sei, man honoriere die Künstler auch für ihren Auftritt. Zumal sie selbst immer alles regulär der Gema gemeldet und manchmal auch draufgezahlt hätte. „Aber das war es mir wert.“ Bei einem schönen Abend schaue man nicht aufs Geld, wichtig sei die gute Stimmung.

Die Bandbreite der in der Musikkneipe auftretenden Künstlerinnen und Künstler ist groß

So vielfältig wie das altersgemischte Publikum aus sämtlichen Schichten war in all der Zeit auch die Bandbreite der Auftretenden, von denen es manchmal gleich acht oder zehn verschiedene auf die Bühne schafften: von Einzelkünstlern wie Hundling über Gruppen wie Black Patti bis hin zu einer ganzen Schulband wie der des Humboldt-Gymnasiums oder einer Gruppe eritreischer Tänzer.

„Es gab Eigenkompositionen mit Gitarre mit Text, bei denen man aufmerksam zuhören musste, Beiträge, während der man sich unterhalten konnte oder solche mit mitreißendem Rhythmus.“ Bei dem meist von 19 Uhr bis 22.30 Uhr dauernden Programm, mal mit Pause, mal ohne, habe niemand je stillsitzen oder leise sein müssen. „Genau so wollte ich das!“

Mittlerweile hat man im OHA!, dem Offenen Haus der AWO in Vaterstetten, eine neue Heimat gefunden. Dort wird beim Jubiläumsabend am 25. April die Band Kobaya Beach ihren, wie sie es selbst beschreibt, „Mix aus Chillout, Jazz und Worldmusic“ spielen, mit dem sie schon auf zahlreichen Festivals auftrat. Der Saxofonist ist Häusers Bruder.

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Es ist nicht die einzige Verflechtung zwischen Musikkneipe und Privat- beziehungsweise Berufsleben. Denn neben ihrer Tätigkeit als Förderlehrer-Koordinatorin für die Landkreise München und Ebersberg war die Pädagogin immer auch im Schuldienst tätig. Zuletzt in Kirchheim. „Mein Steckenpferd war die 'Schule ohne Rassismus', darum dachte ich, ich frage den Liedermacher Robert Heigl, der bei mir aufgetreten war, ob er Pate werden will.“ Er wollte.

Ihr Engagement für Menschen jeglicher Herkunft führte zudem zu einem ganz besonderen Erlebnis. Über einen gemeinsamen Bekannten sei ein Kontakt zu Simon Verhoeven, dem Produzenten von „Willkommen bei den Hartmanns“ entstanden. Diesem habe sie dann bei einem Essen Informationen zu ihrer Flüchtlingsarbeit geliefert: „Ich war eine unter vielen, die er traf, er hat sehr gründlich und umfänglich recherchiert.“ Doch damit war die Geschichte nicht zu Ende: Häuser besorgte ihrem eritreischen Schützling eine Statistenrolle – und wurde, als sie ihn und seinen Freund zum Dreh fuhr, „weil ich schon da war und man noch Leute im Hintergrund brauchte, gebeten, mich auch zuzustellen“.

Doch natürlich sind solche Begebenheiten lediglich Beifang, ausschlaggebend für Häusers kontinuierlichen Einsatz für Internationalität und Vielfalt ist das, was sie als „Message“ bezeichnet: „Wir sind eine Welt!“ Das will sie auch weiterhin den Besucherinnen und Besuchern der Musikkneipe vermitteln, die natürlich noch lange weitergehen soll.

Zehn Jahre Musikkneipe mit Kobaya Beach. Freitag, 25. April. Beginn: 19 Uhr. OHA!, Offenes Haus der AWO, Hans-Luft-Weg 2, Vaterstetten. Es darf getanzt werden, der Hut geht um.

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