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Forstinninger Betrieb:Wolfsmühle: "Die Leute kaufen einkaufswagenweise Mehl"

Können sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen: Mehdi Jashari (von links), Andreas Löffl und Kathrin Nagy von der Forstinninger Wolfmühle.

(Foto: Privat)

Bei der Wolfsmühle in Forstinning ist Mehl in der Corona-Krise ein gefragtes Gut. Betreiber Andreas Löffl hat deshalb Arbeit für zwei.

Von Franziska Langhammer, Forstinning

Nicht nur Klopapier und Konserven stehen seit dem Ausbruch der Corona-Krise auf der Einkaufsliste von Hamsterkäufern. Andreas Löffl, der mit seiner Frau Kathrin Nagy die Wolfmühle in Forstinning betreibt - Bioladen, Mühle und Gastronomie -, erzählt im SZ-Interview vom Phänomen Selber-Backen und seinen langen Arbeitstagen.

SZ: Wie läuft es gerade bei Ihnen im Laden?

Andreas Löffl: Es überschlägt sich. Die Leute kaufen einkaufswagenweise Mehl. Egal ob Weizen, Dinkel oder Roggen, Vollkorn oder Typenmehle.

Wozu brauchen die Leute das denn?

Zum selber Backen, für Brot und Kuchen. Viele wollen auch mit ihren Kindern backen, die jetzt zu Hause sind.

Und wieso so viel auf einmal?

Ich denke aus Vorsorge, vielleicht aus Angst, nichts mehr zu bekommen, oder weil man selber krank werden könnte und das Haus nicht verlassen kann.

Ist Selber-Backen ein Phänomen zu Zeiten von Corona?

Es gibt immer wieder solche Nachfragewellen, meistens bei Skandalen in der Lebensmittel-Industrie. Die Leute wollen sich selbst versorgen, wissen was drin ist oder einfach nur unabhängig sein.

Was ist die größte Herausforderung für Sie derzeit?

Das Problem ist, die Herstellung so hochzufahren, dass diese übermäßige Nachfrage auch zeitnah bedient werden kann. Das ist kaum zu schaffen, die Herstellung nimmt natürlich auch Zeit in Anspruch. Wir arbeiten 16 Stunden am Tag. Und wenn dann plötzlich alles auf einmal gekauft wird und die Regale leer sind, haben die Menschen das Gefühl, es gebe einen Engpass. Dabei habe ich genug Getreide auf Lager.

Gibt es neben Mehl auch noch ein anderes Produkt, das derzeit stärker nachgefragt wird?

Ja, Hefe war zwei Wochen ausverkauft. Jetzt haben wir wieder Trocken- und Frischhefe bei uns im Regal.

Sie betreiben neben dem Bioladen auch einen eine Gastronomie. Wie gehen Sie mit den strengen Einschränkungen der Regierung um?

Da ich einen Lehrling habe und drei Angestellte zu bezahlen, kann ich den Betrieb nicht einfach einstellen. Wir kochen und bereiten Mittagessen to go. Das wird immer besser angenommen. Das ersetzt aber bei Weitem nicht abgesagte Geburtstags- oder Hochzeitsfeste. Unser Biergarten ist weitläufig; sobald die Beschränkungen vorbei sind, hoffen wir, die Saison im Gartencafé starten zu können.

Wie blicken Sie auf die Zeit nach der Krise?

Keiner weiß, wie lange sich die Krise hinzieht und wie sich alles entwickeln wird. Dennoch blicken wir positiv und gleichzeitig aufmerksam in die Zukunft. Es ist uns wichtig, nach wie vor für unsere Kunden unser handwerkliches Bio-Mehl produzieren zu dürfen. Auf alle Fälle wünschen wir allen eine gesunde Zukunft, alles andere kann man organisieren.

© SZ vom 31.03.2020

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