Schöner Morden„Menschen aus Traxl sind ganz begeistert“

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Zwar lässt Wolfgang Oppler seine Kommissarinnen überwiegend in München ermitteln, aber ein Abstecher ins heimatliche Ebersberg ist für Traxl allemal drin. Wie den Autor zieht es sie dann an die Weiherkette.
Zwar lässt Wolfgang Oppler seine Kommissarinnen überwiegend in München ermitteln, aber ein Abstecher ins heimatliche Ebersberg ist für Traxl allemal drin. Wie den Autor zieht es sie dann an die Weiherkette. Christian Endt

Auch im zweiten Krimi des Ebersbergers Wolfgang Oppler wimmelt es von Orten, die man kennt – im Landkreis Ebersberg und in München. Der Autor erklärt im Interview, nach welcher Methode er die Namen der handelnden Personen wählt. Zu einigen der Schauplätze geht es bei einer exklusiven Führung für Fans.

Von Michaela Pelz, Ebersberg

Wolfgang Oppler ist Jurist, Lyriker, im Präsidium der Münchner Turmschreiber, Stadtführer, Bühnenautor („Am Brunnen tief im Wald – die einzig wahre Geschichte von Ebersberg“) und Schauspieler. Mit dem Krimi „Traxl und der linke Rechtsanwalt“ hat der Ebersberger nun seine Reihe um ein außergewöhnliches Kommissarinnen-Duo fortgesetzt. Diesmal geht es um einen Toten, der dann doch lebt, um schnelle Autos, noch schnellere Fäuste und Verrat, wo man ihn am wenigsten erwartet. Was man im Landkreis Ebersberg dazu sagt, dass Oppler seine Figuren nach real existierenden Orten nennt, und welche Münchner Schauplätze er den Fans bei einer Stadtführung im Oktober zeigen wird, verrät der 69-Jährige im Interview.

SZ: Wie oft standen Sie schon im Boxring?

Wolfgang Oppler (lacht): Was für eine gemeine Frage! Noch nie!

Für Kommissarin Pia Traxl ist das Boxen dennoch der perfekte Ausgleich zum Job. Wie kam’s?

Meine Heldin sollte erkennbar eine starke Frau sein, die aber nicht dauernd flucht und säuft. Besser also ein Kampfsport-Hobby haben, wie es ja eine Polizistin durchaus betreiben kann. Und kurz vorher hatte ich in der SZ einen Artikel über das Frauenboxen gelesen.

Aber einen Kampf angeschaut haben Sie sich schon mal?

Im Fernsehen, klar. Wobei ich beim Boxen immer ein wenig zwiegespalten bin: Ein Sport, bei dem sich zwei Menschen so lange hauen, bis einer umfällt, ist schon irgendwo widersinnig. Gleichzeitig hört man überall, dass Boxen die Menschen diszipliniert und ihnen Dinge mitgibt, die man sonst im Leben nicht hat. Ein Freund in meinem Alter geht zwei- bis dreimal die Woche zum Training, weil er es, wie er sagt, braucht – für die Kondition und für den Kopf.

Das gilt auch für Traxl: in jeder Hinsicht schlagfertig …

Genau. Die lässt sich von niemandem ins Bockshorn jagen. Außerdem ist sie extrem integer, das war mir wichtig.

Und ihre Kollegin Bentje Schammach aus dem hohen Norden – was zeichnet die aus?

Die ist klein und pummelig, dabei besitzt sie Fähigkeiten, die man ihr auf den ersten Blick nicht zutraut. Schießt und fährt Auto wie der Teufel. Außerdem isst sie gern. Die beiden ergänzen sich perfekt.

Kreatives Multitalent
:Schlagkräftige Kommissarinnen und vielsagende Namen

In Wolfgang Opplers erstem Krimi „Traxl und der tote Lebemann“ wird den Menschen rund um Ebersberg und Grafing allerlei sehr bekannt vorkommen – es sind nicht unbedingt die bösen Buben. Am 14. Juli liest der Autor in Ebersberg.

SZ PlusVon Michaela Pelz

Durch die perfekte Mischung ihrer Eigenschaften kommen Traxl und Schammach auch im aktuellen Fall nach ein paar Anfangsschwierigkeiten ganz gut weiter. Das Ganze spielt in Rechtsanwaltskreisen sowie im Umfeld von rivalisierenden Gangs aus dem Autotuning-Milieu. Woher stammt die Inspiration?

Ich habe selbst als Jurist gearbeitet und kenne Heerscharen von Rechtsanwälten. Darunter sind durchaus Leute, die sich Zahlen mithilfe von Paragrafen merken. Manche von den besonders absonderlichen habe ich selbst nie vergessen. Wie § 962 BGB: „Der Eigentümer eines Bienenschwarms darf bei der Verfolgung fremde Grundstücke betreten.“ Das gilt übrigens immer noch!

Und die Autosache? Kennen Sie entsprechende Clans ebenfalls persönlich?

Tatsächlich habe ich hier einfach nur nach zwei Parteien gesucht, die Stress miteinander haben. Und die Szene, in der nach einem Wettrennen mit einer Musikanlage so lautstark gefeiert wird, dass noch viele Meter weiter die Erde wackelt, stammt aus einem Zeitungsartikel. Wenn man eifrig die Süddeutsche liest, macht man immer wieder Entdeckungen fürs Leben (lacht).

Wie steht es mit Vorbildern für die Figuren – man denke etwa an Traxls 80-jährigen Mentor Anton Gsprait?

Dieser weise Ex-Knacki ist ein Mann, den weder interessiert, was die anderen denken, noch was die möglichen Folgen einer Tat sind, sondern ausschließlich das, was moralisch richtig ist. Für dessen Charakter gibt es keine Blaupause. Für sein Äußeres schon. Er ist eine Mischung aus Friedl Brehm, der meine ersten Gedichte verlegt hat – lange, weiße Haare, sommers wie winters barfuß unterwegs, entweder in kurzen oder langen Jeans – und Knud Knudsen, dem Watt-Postboten der Insel Pellworm.

Vom hohen Norden zurück in den Süden. Das komplette Präsidiumspersonal ist nach Orten aus dem Landkreis Ebersberg benannt. Mit jedem Neuzugang steigt der Bedarf. Wie kommt die Auswahl zustande?

Wenn ich an einem Schild mit einem kuriosen Namen vorbeifahre, wird er notiert. Außerdem achte ich darauf, dass nicht alle Namen auf ‚dorf ‘enden, sie mal länger, mal kürzer sind. Manchmal werde ich auch kreativ, dann muss man ein bisschen knobeln, bis man weiß, welche Gemeinde als Patron fungierte.

Und was sagen die Leute, die dort wohnen? Manche Protagonisten sind zwar sehr sympathisch, andere aber deutlich weniger …

Menschen aus Traxl sind ganz begeistert, habe ich mir sagen lassen. Als Inspiration für die „Fieslinge“ wiederum habe ich mir entweder winzigste Ortsteile herausgesucht, an denen kaum jemand wohnt, oder Ortsnamen, die es mehrmals gibt. Dann kann man immer sagen: Mein Dorf ist nicht gemeint. Bis jetzt gab es aber noch keine Beschwerden.

Trotz der Ebersberg-lastigen Namen spielt die Handlung überwiegend in München. Warum kennen Sie sich dort so gut aus?

Weil ich dort jahrelang lebte und vor allem, weil ich 2012, nach dem Ende meiner Haupttätigkeit als Jurist, eine sechsmonatige Ausbildung zum Stadtführer gemacht habe und bis zur Pandemie als solcher mit Leib und Seele unterwegs war. Heute mache ich das zwar weiterhin ab und an in Ebersberg unter dem Motto „Wahr oder gelogen?“. In München aber führe ich nur noch sporadisch, für Freunde und Bekannte; zum Beispiel aus dem Syndikat, dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur.

Oder für Fans Ihrer Bücher. Etwa am Sonntag, 26. Oktober. Was werden Sie den Leuten da zeigen?

Start ist in der Ettstraße vor dem Polizeipräsidium. Dann zeige und erkläre ich Orte, an denen Szenen der Romane handeln, die Michaelskirche, den Viktualienmarkt samt Metzgerzeile, auch an manchen Lokalen kommen wir vorbei, die von den Kommissarinnen sehr geschätzt werden. Zu allen Schauplätzen habe ich wunderschöne Geschichten zu erzählen, die weit über die Krimis hinausgehen.

Wie kann man sich für die Teilnahme bewerben?

Eine Mail an traxl@bayern-mail.de schicken, danach entscheidet die Losfee.

Nach Band zwei ist vor Band drei: Wie geht es mit Traxl, Schammach und ihrem Chef Dichau weiter?

Pia Traxl ermittelt ohne offiziellen Auftrag in einem bereits abgeschlossenen Fall, um die Unschuld eines Mannes zu beweisen.

Lesungen aus „Traxl und der linke Rechtsanwalt“ (Volk Verlag). Ebersberg: 15. September, 19 Uhr, Saal Unterm First, Klosterbauhof 1. Grafing: 1. Oktober, 19.30 Uhr, Stadtbücherei, Grenzstr. 5.

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