StudieWarnung vor „grauer Wohnungsnot“

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Schon jetzt fehlen altersgerechte Wohnungen im Landkreis Ebersberg, diese Situation wird sich laut Prognose des Pestel-Instituts noch verschärfen.
Schon jetzt fehlen altersgerechte Wohnungen im Landkreis Ebersberg, diese Situation wird sich laut Prognose des Pestel-Instituts noch verschärfen. Monika Skolimowska

Laut Pestel-Institut fehlen im Landkreis Ebersberg Wohnungen für Senioren.

Der Kreis Ebersberg kommt in die Jahre – und ist auf die Wohnbedürfnisse der älteren Menschen nicht vorbereitet, das ist jedenfalls die These des Pestel-Instituts in einer aktuellen Pressemitteilung. Das Institut warnt in der Studie, die der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) in Auftrag gegeben hat, vor „grauer Wohnungsnot“.

Die Baby-Boomer gehen bis 2035 komplett in Rente. Dann werden im Landkreis Ebersberg rund 6100 Menschen mehr im Ruhestand sein als heute – insgesamt nämlich rund 32 000. Das geht aus der Regional-Untersuchung zum Senioren-Wohnen des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler warnen dabei: „Der Wohnungsmarkt im Kreis Ebersberg ist mit der neuen Rentnergeneration der geburtenstarken Jahrgänge komplett überfordert. Es fehlen Seniorenwohnungen“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.

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Schon jetzt gebe es einen massiven Mangel an altersgerechten Wohnungen. „Das wird sich in den nächsten Jahren allerdings noch enorm verschlimmern. Oder anders gesagt: Der Kreis Ebersberg rast mit 100 Sachen auf die graue Wohnungsnot zu“, so Matthias Günther. Der Leiter des Instituts nennt dazu konkrete Zahlen: So gebe es aktuell rund 62 800 Haushalte im Landkreis Ebersberg. In 31 Prozent davon leben Senioren. „Bereits heute braucht der Kreis Ebersberg rund 4500 Wohnungen für die älteren Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Doch diese Seniorenwohnungen gibt der Wohnungsmarkt im Kreis Ebersberg bei Weitem nicht her“, sagt Günther.

Und für 2045 ermittelt die Untersuchung bei den benötigten Seniorenwohnungen sogar einen deutlichen Anstieg: So werde der Landkreis Ebersberg in zwanzig Jahren für rund 7100 Seniorenhaushalte Wohnungen brauchen, die zum Leben im Alter passen. Eigentlich sei der Bedarf sogar noch höher, so das Pestel-Institut. „Denn ein Großteil der altersgerechten Wohnungen wird noch nicht einmal von Älteren bewohnt. Oft nutzen nämlich auch Familien den Komfort einer Wohnung ohne Schwellen, mit breiten Türen, Fluren und Räumen. Denn wo das Leben mit einem Rollator klappt, da kommt man auch mit einem Kinderwagen klar“, sagt Günther weiter.

Neben dem Neubau sei deshalb vor allem eine Sanierungsoffensive notwendig, um für mehr seniorengerechte Wohnungen im Kreis Ebersberg zu sorgen. In den vergangenen Jahren habe vor allem der Bund die Entwicklungen ignoriert. Das müsse sich jetzt dringend ändern, fordert Katharina Metzger. Sie ist Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der die Regional-Untersuchung zum Senioren-Wohnen in Auftrag gegeben hat. An die Adresse der Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD aus Bayern richtet Katharina Metzger einen eindringlichen Appell: „Das Wohnen muss bei den Koalitionsverhandlungen ein absoluter Schwerpunkt sein. Der Wohnungsbau braucht einen gewaltigen Schub.“

Eine künftige schwarz-rote Bundesregierung müsse den Wohnungsbau als Motor für die Binnenkonjunktur entdecken und nutzen. „Wenn sich die Wohnungsbau-Krise weiter zuspitzt, wird das auch im Kreis Ebersberg einen erheblichen Verlust von Arbeitsplätzen auf dem Bau bedeuten. Dabei geht es um die Jobs von Bauarbeitern, die im Kreis Ebersberg dringend gebraucht werden – für den Neubau und für das Sanieren von Wohnungen“, sagt Matthias Günther.

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