Wohnungsbau im Kreis Ebersberg„Ein Facharbeiter, der Wohnungen baut, soll sie sich auch leisten können“

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Im Gegensatz zu diesen 2021 errichteten Neubauten in Poing, sind viele Wohnungen im Kreis Ebersberg alt und entsprechend sanierungsbedürftig, beklagt die IG Bau Oberbayern.
Im Gegensatz zu diesen 2021 errichteten Neubauten in Poing, sind viele Wohnungen im Kreis Ebersberg alt und entsprechend sanierungsbedürftig, beklagt die IG Bau Oberbayern. Peter Hinz-Rosin

Im Kreis Ebersberg muss dringend mehr bezahlbarer Wohnraum geschafften werden, alte Wohnungen müssen saniert werden. Die IG Bau Oberbayern fordert von SPD und CSU im Kreis, sich in Berlin für das Thema starkzumachen.

Die IG Bau schlägt Alarm: Im Landkreis Ebersberg soll mehr für das Wohnen getan werden. Etwa 35 300 Häuser mit 65 500 Wohnungen gibt es einer Pressemitteilung zufolge im Landkreis, ein Großteil davon aber sei längst in die Jahre gekommen. Knapp 29 000 Wohnungen wurden vor 1980 gebaut, wie die Bau-Gewerkschaft mitteilt.

Das geht aus einer statistischen Auswertung zum Gebäudebestand hervor, die das Pestel-Institut für die IG Bau Oberbayern gemacht hat. Die Gewerkschaft will damit den Wohnungsbau in den Fokus rücken – den Neubau genauso wie die Sanierung älterer Gebäude: „Damit da im Kreis Ebersberg mehr passiert, muss die neue Bundesregierung für den Wohnungsbau eine Offensive starten. Genau danach sieht es im Moment aber nicht aus“, sagt Harald Wulf, Vorsitzender der IG Bau Oberbayern. Er warnt die wahrscheinlichen künftigen Regierungsparteien in Berlin davor, den Wohnungsbau bei den Koalitionsverhandlungen zu vernachlässigen.

Die Gewerkschaft sieht auch durch den demografischen Wandel den Sanierungsbedarf steigen

Deshalb appelliert die IG Bau Oberbayern jetzt auch an die CSU und an die SPD im Kreis Ebersberg, deutliche Signale nach Berlin zu senden: „Wohnen ist das A und O für die Menschen.“ Wohnungsnot und Mieten-Explosion seien für viele ein massives Problem. „Eine Regierung, die das jetzt nicht effektiv anpackt, regiert an den Menschen vorbei“, so Wulf. Diese Botschaft müsse dringend „vom Kreis Ebersberg aus an den Tisch der Koalitionsverhandlungen gefunkt werden“. Es gehe um den Neubau von Wohnungen aber auch um die Energiespar-Sanierung alter Wohngebäude – von der Dachdämmung bis zum Austausch alter Fenster.

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Gerade jene Wohnungen, die 45 Jahre oder älter sind, müssten saniert und vor allem altersgerecht umgebaut werden, wenn demnächst immer mehr Babyboomer in Rente gingen, sagt Wulf. Bei Seniorenwohnungen komme es vor allem auf Badsanierungen an, besonders Duschen ohne Schwellen seien wichtig. Außerdem brauche es breite Türen:  „Ältere müssen in der Lage sein, sich mit einem Rollator in der Wohnung zu bewegen“, sagt Wulf.

Im Landkreis Ebersberg ist Wohneigentum für Menschen mit Durchschnittseinkommen unerschwinglich, beklagt die IG Bau

Die Bau-Gewerkschaft appelliert an die künftigen Koalitionäre in Berlin, „mehr Menschen im Kreis Ebersberg endlich wieder eine Chance auf Wohneigentum“ zu geben. Wer heute ein Durchschnittseinkommen habe, könne vom eigenen Einfamilienhaus, vom Reihenhaus oder von einer Eigentumswohnung nur träumen. „Das muss sich ändern. Schwarz-Rot muss dafür sorgen, dass ein Facharbeiter, der Wohnungen baut, sich die endlich auch wieder leisten kann“, fordert Wulf. Der Bund müsse da „dringend etwas unternehmen“ – erst recht bei wieder steigenden Bauzinsen.

Es komme darauf an, dass die neue Bundesregierung „die Weichen für eine Trendwende beim Wohnungsbau stellt – für einen Neubau-Turbo“. Insbesondere beim sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau. „Es ist höchste Zeit, dass wieder mehr Wohnungen gebaut werden“, so Wulf. Als bundesweite Zielmarke nennt die IG BAU 100 000 neu gebaute Sozialwohnungen und 60 000 neue bezahlbare Wohnungen pro Jahr. „Es ist richtig und wichtig, in die Infrastruktur zu investieren – in jede sanierte und neu gebaute Straße, jede Brücke, jede Schiene“, sagt der oberbayerische Gewerkschaftsvorsitzende. Davon werde auch der Kreis Ebersberg enorm profitieren. Natürlich sei es gut, Schulen als Teil der Infrastruktur zu sanieren. „Es ist dabei aber auch wichtig und notwendig, dafür zu sorgen, dass sich Familien das Wohnen im Umfeld sanierter Schulen wieder leisten können.“

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