Wohnungsnot:Barrierefrei und bezahlbar

Wohnungsnot: Von links: Ulrich Krapf, Landrat Robert Niedergesäß und Poings Zweiter Bürgermeister Franz Langlechner.

Von links: Ulrich Krapf, Landrat Robert Niedergesäß und Poings Zweiter Bürgermeister Franz Langlechner.

(Foto: Christian Endt)

In Poing baut die Wohnungsgenossenschaft Ebersberg über 60 geförderte Wohneinheiten, 19 Sozialwohnungen sind im kommenden Jahr bezugsfertig - die Bewerbung ist bereits im Gange

Von Max Nahrhaft, Poing

Poing - Die untergehende Sonne zwängte sich durch die Metallstreben des Baugerüsts und ihre Strahlen fielen durch das Fenster in den geräumigen Innenraum. Zwischen den Ziegelwänden des Rohbaus saßen die Bauarbeiter und Handwerker am Dienstag auf Bierbänken und genossen ihr Festessen - zur Feier des Tages gab es Schweinsbraten. Anlass war die Hebfeier der neuen Sozialwohnungen an der Bergfeldstraße in Poing.

"Es ist wichtig, dass wir alle etwas tun, um die Wohnungsnot im Landkreis zu beheben", sagte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) auf der Baustelle am äußeren, schnell wachsenden Rand der Gemeinde. Dort hat die Wohnungsgenossenschaft Ebersberg insgesamt über 60 Sozialwohnungen geplant, von denen nun die ersten 19 errichtet wurden.

Das Projekt im doppelten Sinne einzigartig: Einerseits gebe es im Landkreis kaum andere Organisationen, die sich für den sozialen Wohnungsbau stark machen, erklärte Ulrich Krapf, der Vorsitzende der Genossenschaft. "Konkurrenz gibt es auf dem Markt nur wenig, obwohl ich mir diese wünschen würde, damit es mehr solche Angebote gibt", so Krapf weiter. Andererseits bezuschusst Ebersberg als einer der wenigen bayerischen Landkreise solche Projekte mit einem freiwilligen Förderprogramm. Sowohl das Landratsamt Ebersberg, als auch die Gemeinde Poing sicherten jeweils 100 000 Euro für den Bau zu. Hinzu kommt ein Darlehen des Freistaats mit einem Kreditrahmen von über 2,3 Millionen Euro.

Nur so konnten diese kostengünstigen Sozialwohnungen mit hochwertiger Wohnqualität realisiert werden. Die insgesamt 19 Einheiten sind allesamt barrierefrei und verfügen über ein altersgerechtes Badezimmer. Um einem möglichst breitem Spektrum eine Unterkunft zu bieten, wurde Wohnungen unterschiedlichster Größen für verschiedene Ansprüche konzipiert. So gibt es Wohnraum für Alleinstehende, Paare, Familien oder auch Mutter-Kind-Haushalte.

"Demententsprechend variieren die Apartments auch bezüglich der Wohnfläche. Von 50 Quadratmeter bis zu 90 Quadratmeter können wir bedarfsgerecht Wohnungen anbieten", erklärte die Architektin Katrin Wäsler aus Glonn, die gemeinsam mit ihrem Ehemann für die Planung zuständig ist. Die Umsetzung und Ausstattung der Unterkünfte bleibt aber nicht nur der Kreativität der Planer überlassen, sondern die bayerische Regierung gibt hier strikte Vorgaben, damit ein Projekt als förderungswürdig eingestuft werden kann. Die Preise pro Quadratmeter liegen zwischen 5 und 7,50 Euro.

Gerade wegen dieser niedrigen Mietpreise, die nur bei der Hälfte des Marktüblichen liegen, ist auch die Gemeinde Poing glücklich, so ein Angebot machen zu können. "Wir müssen auch Wohnraum für jene zur Verfügung stellen, die ansonsten keine Chance hätten. Da sind wir froh, die Wohnungsgenossenschaft als Partner zu haben", sagte Poings Zweiter Bürgermeister Franz Langlechner (CSU).

Zusätzlich zu den herkömmlichen Wohneinheiten wird es in der Bergfeldstraße eine außergewöhnliche Kooperation mit dem Einrichtungsverbund Steinhöring geben. Acht Personen aus dem dortigen Betreuungszentrum werden zukünftig nach Poing umziehen, wo sie dann gemeinsam eine Wohngemeinschaft auf 340 Quadratmetern bilden werden. Dort, wo zur Hebfeier die Arbeiter saßen, werden sich ab kommendem Jahr die Bewohner aus Steinhöring einrichten. Beim Blick aus denn Fenster ist dann aber kein Baugerüst zu sehen, sondern ein großer, grüner Garten.

Das Bauvorhaben wird im Sommer des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Zwar hätten sich schon ausreichend Personen um die preisgünstigen Wohnungen beworben - Leerstand wird es also im boomenden Poing nicht geben -, dennoch nimmt das Landratsamt noch Bewerbungen entgegen. Entschieden, wer dann in die fertigen Wohnungen einziehen darf, wird erst im Frühling.

© SZ vom 29.09.2016
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