Wohnen in Zorneding:Faire Chance auf Wohnraum

Zorneding legt finale Kriterien für Gemeindeimmobilien fest

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Lange und über mehrere Sitzungen hinweg haben die Zornedinger Gemeinderäte diskutiert, nun steht endlich fest, welche Personen in die kommunalen Wohnungen ziehen dürfen. In der jüngsten Sitzung hat der Sozialausschuss einen entsprechenden Kriterienkatalog final verabschiedet. Durch das darin festgesetzte Punktesystem sollen gerade solche Bewerber an Wohnraum kommen, die es auf dem freien Mietmarkt angesichts der immer weiter steigenden Preise schwer hätten. Rund 55 dieser günstigeren Objekte sind derzeit bereits in Gemeindebesitz, der Kriterienkatalog ist vor allem aber ein Vorgriff auf das Wohngebiet an der Wimmerwiese. Ist dieses fertiggestellt, werden etwa 50 weitere vergünstige Mietwohnungen in Zorneding dazukommen. Zwar sei auch das angesichts der hohen Nachfrage im Wohnsektor nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte Bürgermeister Piet Mayr (CSU), "aber wir können trotzdem ein bisschen Dampf rauslassen".

Damit das möglichst fair geschieht, hat die Gemeinde eben jenen Kriterienkatalog erarbeitet. Das Prinzip ist zunächst recht simpel: Bewerber, die möglichst viele der darin aufgeführten Richtlinien erfüllen, haben höhere Chancen auf einer der gemeindeeigenen Wohnungen. Die Messung erfolgt anhand eines Punktesystems. Um dazu überhaupt zugelassen zu werden, dürfen die Interessenten jedoch eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschreiten. Wie hoch diese sein soll, darüber gab es in der jüngsten Sitzung eine rege Debatte. Schließlich einigte sich das Gremium darauf, dass die Netto-Einkommensgrenze für eine Person bei 26 200 Euro pro Jahr liegen soll. Zwei Personen dürfen zusammen maximal 41 800 Euro jährlich verdienen. Für jede weitere Personen im Haushalt kommen 7600 Euro dazu, einen zusätzlichen Bonus von 1000 Euro gibt es pro Kind. Diese Werte liegen 90 Prozent über jener Schwelle, ab welcher man in Bayern einen Wohnberechtigungsschein beantragen kann, also Anspruch auf eine Sozialwohnung hat. Die Beträge sind deshalb etwas höher angesetzt, weil die Gemeinde mit ihren vergünstigen Wohnraum vor allem Personen aus der Mittelschicht ansprechen will.

Wer in diese Einkommensklasse fällt, kann am Bewerbungsverfahren teilnehmen. Dabei kommen etwa Kategorien wie die Gemeindezugehörigkeit, die Arbeit in Zorneding oder die Ausübung eines Ehrenamtes zum Tragen. Auch die Anzahl der Kinder, der mögliche Grad einer Behinderung oder die Aufnahme von Eltern in den eigenen Haushalt spielen eine Rolle. Das größte Gewicht jedoch fällt den sogenannten Freimachern zu, also den Personen, die bereits in einer größeren gemeindeeigenen Wohnung leben und aus dieser in eine kleinere ziehen wollen. Solche Leute sollen keinesfalls auf der Straße stehen, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine neue Bleibe am Ort finden. Oder wie Jutta Sirotek (CSU) sagte: "Wenn jemand eine Wohnung frei macht, sollte es selbstverständlich sein, dass er eine kleinere angeboten bekommt." Natürlich aber auch hier unter dem Vorbehalt des Einkommens, wie Bürgermeister Mayr ergänzte.

Aus Sicht der Zornedinger Grünen kommen jedoch trotz der Kriterien noch zu viele Bewerber für die Wohnungen in Frage. "Die Zahl wird riesig", bemängelte etwa Stefan Obermaier. Dem entgegnete Mayr, dass dann ja das Punktesystem greife, wenngleich der Rathauschef einräumte: "Es wird immer Grenzfälle geben. Wir werden damit nie hundertprozentige Gerechtigkeit schaffen." Marian Nowosad (SPD) hingegen begrüßte die etwas weiter gefasste Zulassungsspanne: "Wir eröffnen auch Leuten mit etwas höherem Einkommen die Chance, hier eine Wohnung zu bekommen." Gerade Fachkräfte mit normalem Gehalt dürften bei der Vergabe nicht durch das Raster fallen. Schließlich segnete der Ausschuss den Kriterienkatalog aber doch einstimmig ab.

© SZ vom 15.07.2021
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