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Wo gibt's denn sowas?:Alpakas mit Alpenblick

Auf dem Moahof in Elchering trifft man Tiere an, die man in Oberbayern eigentlich nicht vermutet

Ein Blick auf die flauschigen Kerle - und die schlechte Laune ist weg.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Flauschig, vierbeinig und großäugig kann das Glück sein - dieser Eindruck stellt sich zumindest ein, wenn man Elisabeth Mauermayer mit ihren Alpakas sieht. Eine kleine Herde, bestehend aus elf Alpakastuten, gehört zu den Bewohnern des Hofes in Elchering, den Mauermayer vor 16 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Georg gekauft hat. Unter den wachsamen Augen von Hofkater Hugo und Hündin Biene tummeln sich außer den Alpakas sechs Lamas und zwei Kängurus auf den Weiden rund um das Hauptgebäude. Dazu kommen - geradezu konservativ anmutend zwischen den anderen Tieren - zahlreiche Pferde, die den Platz auf der anderen Seite des Wohnhauses einnehmen.

Wie man mitten auf dem oberbayerischen Land in idyllischer Voralpenkulisse auf den Gedanken kommt, sich Tiere anzuschaffen, die eher in den peruanischen Anden oder im australischen Outback anzutreffen sind? "Ja, bläd hoid", antwortet Mauermayer trocken und lacht. Alles an der kurzhaarigen Frau mit dem festen Händedruck ist bodenständig und pragmatisch, die Alpakas jedoch haben es ihr "von der ersten Sekunde an angetan". In einer Fernsehzeitung habe sie zum ersten Mal - das ist mittlerweile zirka 15 Jahre her - ein Foto der Tiere gesehen und "dann ging's los".

"Wenn mich jemand geärgert hat, dann setze ich mich einfach hier raus und schau ihnen beim Laufen zu", sagt die Besitzerin der Tiere. Kann man ihr nicht verdenken, bei diesen Blicken.

(Foto: Christian Endt)

Zum 40. Geburtstag gab es Gilberte als Geschenk

Pferde hatte das Ehepaar zu diesem Zeitpunkt bereits, was immer ein Wunsch der heute 52-Jährigen war. "Alpakas sind finanziell eben auch eher in der Pferdeklasse, das muss man sich schon gut überlegen", erklärt sie. Einige Jahre habe sie deshalb gewartet und sich weiter informiert über Alpakahaltung, über mögliche Krankheiten und Anlaufstationen rund um München. Zu ihrem vierzigsten Geburtstag hat sie sich letztlich das erste Tier gewünscht: Gilberte, eine zierliche Alpakastute mit cremeweißem Fell und großen schräg stehenden Augen, begründete die heutige Herde.

Elf Alpakas hält Elisabeth Mauermayer auf ihrem Hof. Hier haben sich einige von ihnen neugierig um den Fotografen gruppiert.

(Foto: Christian Endt)

Für Mauermayer und ihre Familie begann ein Lernprozess, der alles rund um die Alpakahaltung beinhaltet - von den sozialen Hierarchien über Geburten zu Fressverhalten. Gerade letzteres sorgt noch heute bisweilen für Probleme: Alpakas und Lamas haben proportional zu ihrem Körper einen sehr langen Hals mit einer etwa fingerdicken Speiseröhre: "Jetzt stellen Sie sich vor, was passiert, wenn da eine Karotte verfüttert wird", sagt Mauermauser mit blitzenden Augen.

Eines der Tiere wäre fast an einem Ringelblumenstempel erstickt

Elisabeth Mauermayer hat sich ihren Traum erfüllt.

(Foto: Christian Endt)

Eines ihrer Tiere sei vor einigen Jahren am Stempel einer Ringelblume fast erstickt. Seitdem sei sie vorsichtiger geworden und reagiere schon mal gereizt, wenn jemand Essen ins Gehege werfe. "Schauen dürfen alle, das stört mich gar nicht - aber das Füttern geht einfach nicht."

Mit den physiognomischen Besonderheiten ihrer Vierbeiner kennt sie sich mittlerweile bestens aus. Außer den Beobachtungen, die sie daheim im Stall anstellt - "ich bin in zwölf Jahren nur zweimal angespuckt worden" - hat sie die Ausbildung zur Alpaka-Richterin durchlaufen. Konkret heißt das, dass sie bei Alpaka-Schauen als Richterin teilnehmen kann. "Aber für mich sind die Mäuse immer noch vor allem eine Freude", erzählt sie. "Wenn mich jemand geärgert hat, dann setze ich mich einfach hier raus und schau ihnen beim Laufen zu."

"Mäuse" ist nur einer der Kosenamen, mit denen sie die Tiere ruft. Wenn Mauermayer über ihre Herde spricht, den Oberkörper leicht nach vorne gebeugt, die Ellbogen auf den Zaun der Koppel gestützt, ist jede Faser an ihr entspannt.

Selbst unter den Exoten ein Exot: Neben Alpakas und Lamas leben auf dem Hof zwei Kängurus.

(Foto: Christian Endt)

Ihre Erzählung wird immer wieder von den Tieren unterbrochen: Da ist Elvis, ein junges Lama, "ein richtiger Flegel", dessen Fell rund um die Augen und auf den Nüstern mit runden Flecken gemasert ist, was ihm das Aussehen einer zu kurz geratenen, wolligen Giraffe gibt. Oder Ontario: ein hochgewachsenes Lama mit grau meliertem Fell, das wiederholt den Hals über das Gatter reckt und Mauermayer sanft auf den Kopf pustet: "Geh, Buali, jetzt is' fei guad", sagt sie, als er es allzu bunt treibt, und schiebt ihn mit ihren kräftigen Händen von sich.

Ontario ist ein kleiner Rüpel

Ontario gehört zu den Lamas, die die Mauermayer erst vor kurzem von einem Hof bei Dachau übernommen haben. Das Lama hat einige seiner schlechten Angewohnheiten noch nicht ganz abgelegt: "Mit dem Ontario muss man umgehen können - das heißt in seinem Fall, dass man schon mal streng sein muss", erklärt die Halterin. Sie vermutet, dass die Mutter des kleinen Lamas im Fohlenalter zu viel von Menschen berührt wurde und deshalb diesen gegenüber keinen Respekt habe. "Eine Fehlprägung nennt man das", so Mauermayer, "und die hat sie an ihr Fohlen direkt weitergegeben." Sie selbst sagt von sich, dass sie alles aufnimmt, was schwierig ist.

Das gilt auch für schwierige Kandidaten anderer Spezies': Känguru Knicki, beispielsweise. Die Mutter des Kängurus musste aufgrund einer Erkrankung eingeschläfert werden, als ihr Junges noch weniger als drei Kilo wog. "In der Größenordnung überleben sie nicht, das heißt, da mussten wir dann eingreifen", erzählt Mauermayer.

"Knicki" hat seine Kindheit in einem Stoffbeutel verbracht

Konkret heißt das, dass Knicki mit der Flasche aufgezogen wurde und einen Teil seiner Kindheit in einem genähten Stoffbeutel verbrachte, da das Getragenwerden für Entwicklung und Überleben Kängurujunger vital ist. Aus dieser Zeit stammt auch der leichte Knick, den das Tier im Schwanz hat. "Und ich glaube, dass er auch ein bisschen schreckhafter ist, weil wir ihn immer einfangen mussten, um ihn in den Stoffbeutel zu setzen", erzählt seine Ziehmutter.

Knicki und sein Artgenosse Jacky reagieren auf Mauermayers Stimme, sind jedoch nicht handzahm. "Das wollte ich auch nie - ich habe die einfach für die Seele", sagt sie. Die dämmerungsaktiven Tiere gehören der Unterart der Wallabys an, die eine Kopf-Rumpf-Länge von zirka 80 Zentimetern haben. Momentan verbringen sie ihre Tage je nach Wetter auf einer umzäunten Wiese oder in ihrem Stall, meistens dösend.

Auf Jacky und Knicki wartet ein neues Zuhause bei einer Bekannten von Elisabeth Mauermayer, die selbst bereits Kängurus hat. "Natürlich fällt das schwer, wir haben jetzt schon seit elf Jahren immer Kängurus", gibt sie zu. Doch den Platz, der durch den Umzug frei wird, könne sie für die Lamas und Alpakas gut gebrauchen, während sie gleichzeitig die Gewissheit hat, dass es den Kängurus in ihrem neuen Zuhause gut gehen wird.

Ob die Exoten keine finanzielle Belastung sind? Mayerhofer schüttelt den Kopf und sagt: "Wenn das ein Verlustgeschäft wäre, könnten wir es nicht machen, aber klar: reich wird man nicht damit, wenn man es so betreibt wie wir." Wenn nicht reich, dann zumindest glücklich? Die Antwort kommt ohne jedes Zögern und mit einem lauten Lachen: "Schau'n Sie sich doch um: Das ist ein Riesen-Luxus. Das hier war immer ein Lebenstraum von uns - und ist es auch immer noch."

© SZ vom 08.07.2017/moo
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