In Ebersberg ist oft Stau, und wenn's blöd läuft, kreuzt eine Sau. In diesem Satz steckt eine eindeutig negative Sichtweise, die Perspektive eines Grantlers, da kann der Reim noch so hübsch sein. Es ist ein grantiger, aber gleicherweise logischer Satz, weil der Grant zum Wesenskern des Bayerns gehört, also auch zum Ebersberger. Er wohnt in einer Stadt ohne Kino, Disco und Freibad, dafür mit viel zu vielen Autos - die dann auch noch kilometerweit durch einen finsteren Forst gefahren werden müssen. Dort, wo der Stau andauert und die Wildsau auflauert.
So spricht, wer an einem verregneten Montag Haare in Suppen sucht. An einem Tag des Sauwetters über Ebersberg - nie passte der Name besser zur Stadt. Die Suche führt in die Suppenbar, auf eine Schüssel mit der cremigsten Kartoffelcreme im Landkreis, ganz ohne Haar, schon ist der Grant in Gefahr. Von dort geht es runter Richtung Marienplatz zum Italiener, wo jede Kugel einem Eisberg gleichkommt. Der Grantler droht dahinzuschmelzen.
Wäre jetzt Mittwoch, stünde am anderen Ende des Platzes die Gemüsefrau hinter ihrem Wochenmarktstand - mit einem Lachen, dass selbst dem zornigsten Giftzwerg warm ums Herz werden muss. Sie müsste nur kurz lächeln und würde damit all die Regenwolken vertreiben. Die Wiese vor der Stadtpfarrkirche würde sekundenschnell trocknen, bereit für ein Nickerchen in der Sonne. Kinder würden neben der Wippe spielen, Liebespaare im Gras Erdbeereis essen. An solchen Tagen wäre ein anderer Name viel treffende für diese Kleinstadt und ihr warmes Herz: Ebherzberg.
