Wirtschaft:Staatspreis für schlaue Roboter aus Markt Schwaben

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Wirtschaft: Der Bayerische Löwe als Symbol für die Auszeichnung "Bayerns Best 50", der in diesem Jahr an die Markt Schwabener Firma Safelog gegangen ist.

Der Bayerische Löwe als Symbol für die Auszeichnung "Bayerns Best 50", der in diesem Jahr an die Markt Schwabener Firma Safelog gegangen ist.

(Foto: Christian Endt)

Der Markt Schwabener Betrieb Safelog wurde in diesem Jahr mit dem "Bayerns Best 50"-Preis ausgezeichnet. Ein hocheffizientes automatisches Kommissionierungssystem hat die Firma in die Erfolgsspur gebracht.

Von Merlin Wassermann, Markt Schwaben

Der Aufstieg der Firma Safelog scheint fast so etwas wie ein Automatismus gewesen zu sein, ein Selbstläufer - und von Automatisierung verstehen sie etwas in dem Markt Schwabener Unternehmen. 1996 gegründet - damals noch unter dem Namen NewTech - ist die Firma kontinuierlich gewachsen, von einem verhältnismäßig kleinen Betrieb zu einem heute 150 Mitarbeiter beschäftigenden, global agierenden Unternehmen mit Millionenumsatz. Dieser Erfolg ist auch dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie nicht verborgen geblieben, das Safelog dieses Jahr als eines der wachstumsstärksten mittelständischen Unternehmen mit der "Bayerns Best 50"-Auszeichnung geehrt haben.

Wirtschaft: Geschäftsführer Michael Reicheicher (links) und Mathias Behounek mit Inhaber Michael Wolter (Mitte)

Geschäftsführer Michael Reicheicher (links) und Mathias Behounek mit Inhaber Michael Wolter (Mitte)

(Foto: Christian Endt)

Was aber macht Safelog so erfolgreich? Das Unternehmen hat sich dem tayloristischen Prinzip der Effizienzsteigerung und Optimierung von Arbeitsprozessen verschrieben, insbesondere in der Logistik. Eines seiner Standbeine ist das patentierte "Pick-by-Light"-System, das etwa 15 Prozent des Umsatzes ausmacht, wie Michael Wolter, Inhaber von Safelog, berichtet. Bei einer Kommissionierung - der Zusammenstellen einer Bestellung im Lager - zeigt dieses System mittels Glühbirnen und Sensoren an, aus welchem Fach etwas entnommen werden muss, ob die Angestellten richtig ins Regal gegriffen haben, und wie das alles zusammengehört. Durch diese Auslagerung der Intelligenz von Mensch an Maschine wird die Fehlerquote bei der Kommissionierung deutlich verringert.

Bei Logistikaufgaben scheint die Rechnung zu sein: Je weniger Mensch, desto mehr Effizienz und desto weniger Fehler. Deswegen ist es folgerichtig, dass der größte Teil des Safelog-Umsatzes mittlerweile durch AGVs geschieht - die "Automated Guided Vehicles". Diese metallenen Lastenpferde schleppen oder ziehen je nach Größe (klein, mittel, groß) zwischen 500 und 3000 Kilogramm, bei einer Geschwindigkeit von bis zu einem Meter pro Sekunde - und das voll automatisch. "Automatische Transportsysteme sind zwar nichts Neues", so Wolter. "Aber wir konnten die Technik entscheidend verbessern." Safelog habe im Bereich der Hardware von den Anfangsschwierigkeiten mancher Konkurrenten profitiert, da das Unternehmen so manche Fehler und Probleme gezielt vermeiden habe können. So kosten beispielsweise die Computerchips, die in den AGVs verarbeitet werden, nur einen Bruchteil von dem, was in alternativen Geräten verwendet wird, was die Gesamtkosten senkt. Das eigentliche Herzstück der Roboter ist jedoch die Software. Die AGVs kommunizieren ständig direkt miteinander, weswegen Safelog hier von einer "Schwarmintelligenz" spricht. Die Geräte "wissen", wo ihre jeweiligen Kollegen sind und machen etwa miteinander aus, wer Vorfahrt hat. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen zentralen Leitstellen ist dabei, dass es verhältnismäßig einfach ist, auch eine große Anzahl von AGVs zu koordinieren. Voller Stolz berichten Wolter und Mathias Behounek, einer der Geschäftsführer der Firma, wie in einem Mercedes-Werk 500 AGVs gleichzeitig eingesetzt werden. Wie gestaltet sich da das Verhältnis Mensch-Maschine in der Fabrik der Zukunft? Die Gefahr eines großflächigen Jobverlusts durch Automatisierung sehen Wolter und Behounek schon mal nicht. Schon jetzt sei das Problem ja viel eher der Fachkräftemangel als der Abbau von Arbeitsplätzen, betonen sie. Behounek fügt an: "Die Jobs, die durch die AGVs überflüssig gemacht werden, zum Beispiel das Gabelstaplerfahren, sind außerdem meist nicht die erfülltesten, interessantesten." Weniger Gabelstapler bedeuten weniger Gefahrenpotenzial und mehr Platz für die Arbeiter. "Das ist dann nicht nur effizienter, sondern auch schöner", sagt Wolter.

Wirtschaft: Sherzad Khnari ist Mitarbeiter bei Safelog.

Sherzad Khnari ist Mitarbeiter bei Safelog.

(Foto: Christian Endt)

Die Roboter werden dabei laufend weiterentwickelt. "Das sind jetzt schon ganz andere Geräte als vor fünf Jahren, und in fünf Jahren werden es wieder andere Geräte sein", so Wolter. Von Künstlicher Intelligenz kann man allerdings nicht sprechen. "Das Wort steht auf unserer Roten Liste", erzählt Behounek lächelnd. Darauf stehen auch "Flugdrohnen". Auf die Frage, ob Safelog solche entwickeln möchte, ist Wolters Kommentar: "Wir bleiben am Boden." Auch Behounek betont, dass man jetzt erst einmal das mache, was man könne. Schwarmintelligente AGVs ja, Flugdrohnen nein. Safelog versucht den Spagat zwischen Modernität und Bodenständigkeit. Auf "fremdes Geld" etwa wird verzichtet, man hat sich bewusst dagegen entschieden, sich zu einem aufgeblähten Start-Up mit überzogener Bewertung und kurzfristigen Gewinninteressen zu entwickeln. "Wir müssen immer wieder schauen, dass sich das hier rentiert, dass wir davon leben können", erzählt Wolter. Nur dann sei ein kontinuierliches - und in diesem Sinne nachhaltiges - Wachstum sowie eine langfristige Planung möglich.

Auch an anderen Fronten hat man sich nachhaltig-modern aufgestellt. Vier von zehn Chefposten im Unternehmen - die Geschäftsführung ausgenommen, auch der dritte im Bunde, Michael Reicheicher, ist ein Mann -, sind mit Frauen besetzt. Das sei "ordentlich", findet Wolter, insbesondere in einer Branche, in der es viel weniger weibliche als männliche Studienabgänger gibt. Auf dem Dach ist eine Solaranlage installiert, die die firmeneigenen E-Autos lädt. Lieferketten sind bewusst kurz gehalten. Viele der Zulieferer, etwa für die Metallgerüste, stammen aus der Umgebung.

Einen Widerspruch zwischen dem eigenen Wunsch nach Nachhaltigkeit und der Tatsache, dass die Hauptabnehmer für die AGVs aus der Autoindustrie stammen, sehen Wolter und Behounek nicht. "Wir sind in erster Linie für unsere Firma verantwortlich. Außerdem sind wir Teil der Veränderung, die die Autoindustrie derzeit zur Elektromobilität vollzieht. Die Fabriken, die mit den AGVs ausgestattet sind, sind die grünsten", betont Wolter, da die Automated Guided Vehicles kleiner und ressourcenschonender seien und auch weniger Strom verbrauchten als andere Systeme. Kann also der Spagat zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit, Effizienzsteigerung und Arbeitsschutz, alt und neu gelingen? Wer weiß. Die Markt Schwabener Firma versucht es zumindest. Doch auch bei einem Selbstläufer muss die Frage gestellt werden, wo die Reise eigentlich hingeht.

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