Wachstum Die Wirtschaft im Landkreis Ebersberg boomt

Ausbildungsplätze gibt es im Landkreis Ebersberg genug, die Zahl der Bewerber aber stagniert.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Mehr Bewohner, mehr Jobs, mehr Touristen - das Wachstum in Ebersberg liegt über dem Bayern-Schnitt. Es schafft aber auch Probleme.

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Im Landkreis Ebersberg boomt es auf allen Ebenen: Es gibt immer mehr Angestelltenverhältnisse und weniger Arbeitslose, die Kaufkraft nimmt zu und es strömen mehr Touristen in die Region. Das zeigen die Ergebnisse der jüngsten Erhebung aus dem Jahr 2017 zu strukturellen Faktoren, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) nun veröffentlicht hat.

Im Jahr 2017 lebten 140 027 Menschen im Kreis Ebersberg und damit um 6,3 Prozent mehr als noch im Jahr 2012. Menschen ziehen gerne dort hin, wo es Jobs gibt - und auch davon gibt es reichlich. Die IHK-Erhebung vermerkt einen Anstieg bei sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen um 20,5 Prozent, von 33 034 Beschäftigten im Jahr 2012 hin zu 39 795 im Jahr 2017. Mit dieser Wachstumsrate liegt der Landkreis gut sieben Prozentpunkte über dem bayerischen Durchschnitt. 14 885 dieser Arbeitsverhältnisse - und damit die meisten - sind im Handel, Verkehr und Gastgewerbe angesiedelt.

Mehr Beschäftigte sorgen für mehr Arbeitsstunden pro Unternehmen und das wirkt sich positiv auf die Bruttowertschöpfung aus: Zwischen den Jahren 2011 und 2016 stiegen die erwirtschafteten Umsätze um 34,6 Prozent. Dass die Zahl der Anstellungsverhältnisse zunimmt, führt im Gegenzug dazu, dass es weniger Gewerbeneuanmeldungen gibt.

Auch zum Urlauben strömen immer mehr in den Landkreis Ebersberg

1580 gab es davon im Jahr 2017 und damit um 14 Prozent weniger als fünf Jahre zuvor. Die Ebersberger IHK-Kreisvorsitzende Sonja Ziegltrum-Teubner bewertet das nicht negativ. "Das liegt an der hervorragenden Beschäftigungslage bei uns: Früher haben sich viele Menschen selbständig gemacht, weil sie keine passende Arbeit gefunden haben."

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Die vielen Jobs im Landkreis schlagen sich noch in zwei weiteren Strukturbereichen nieder: Zum einen liegt die Arbeitslosenquote mit zwei Prozent um 1,2 Prozentpunkte niedriger als es im Bayernschnitt der Fall ist. Zum anderen steigt die Kaufkraft: Im Vergleich zu 2012 wurde im Jahr 2017 18,1 Prozent mehr Geld für Konsumzwecke ausgegeben.

Die Ebersberger Region lockt die Menschen aber nicht nur zum Wohnen und Arbeiten her: Auch zum Urlauben strömen immer mehr in den Landkreis. 214 513 Gäste haben Hotels und Pensionen im Jahr 2017 empfangen, das sind 30,8 Prozent mehr als noch im Jahr 2012.

Eins Standortvorteil: Die Nähe zum Messegelände in Riem

Die Beliebtheit von Bayern und insbesondere Oberbayern als Urlaubsziel wächst generell: Ein Vergleich der Jahre 2012 und 2017 zeigt, dass in Bayern insgesamt 19,6 Prozent mehr Menschen urlauben, in Oberbayern ist es sogar ein Plus von 22,1 Prozent. Der Tourismus-Boom der vergangenen fünf Jahre im Ebersberger Umland liegt damit um mehr als zehn Prozentpunkte über dem bayernweiten Mittel.

Sonja Ziegltrum-Teubner vermutet hinter den hohen Tourismuszahlen im Kreis nicht nur Urlauber. Die Nähe zum Messegelände in Riem trage sicherlich einen Löwenanteil zu den gut gebuchten Hotels bei: Sowohl Aussteller als auch Besucher müssten schließlich irgendwo unterkommen.

Im Gegensatz zum steigenden Job-Angebot stagniert die Zahl der neu abgeschlossenen IHK-Ausbildungsverträge: 2012 waren es 360, fünf Jahre später waren es 354. Laut Ziegltrum-Teubner sind das Problem nicht zu wenig Ausbildungsplätze, sondern ausbleibende Bewerber. Als Grund nennt sie die stetig wachsende Tendenz zu Abitur und Studium. "Viele Unternehmen bekommen ja nicht einmal mehr schlechte Bewerbungen", sagt sie. "Die bekommen einfach gar keine mehr."

Trotz der positiven Aspekte der florierenden Region Ebersberg spricht Ziegltrum-Teubner auch problematische Konsequenzen an: Überlastungen auf öffentlichen und privaten Verkehrswegen, Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Flächenversiegelungen. Sie betont die Dringlichkeit, mit der man solch negative Auswirkungen des Booms in den Griff bekommen müsse, "und da hinken wir aber hinterher!"

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