Wintersportler aus Moosach "Ich habe schon öfter solche Situationen miterlebt"

Nach den großen Mengen Neuschnee und anschließendem Regen herrscht Lawinengefahr in den Alpen vierlerorts große Lawinengefahr (Symbolfoto).

(Foto: dpa-tmn)

Skitourenguide Christian Bauer vom SC Falkenberg über den Ausflug vom Wochenende und seine Erfahrungen mit Lawinen.

Interview von Andreas Junkmann, Moosach

Schneechaos, höchste Lawinenwarnstufen, verschüttete Skifahrer - es gibt wahrlich bessere Zeitpunkte, um für eine Skitour in die Alpen aufzubrechen. Genau das haben die Wintersportler vom Moosacher Verein SC Falkenberg aber am Samstag gemacht. Geführt von Tourenguide Christian Bauer, 52, waren sie in der Kelchsau in Österreich unterwegs.

SZ: Muss man nicht ein bisschen lebensmüde sein, um bei der aktuellen Schneelage eine Skitour zu gehen?

Christian Bauer: Es kommt sehr auf die Vorbereitung an. In dem Skigebiet, in dem wir am Wochenende unterwegs waren, ist die Lawinenwarnstufe von Freitag auf Samstag von vier auf drei runtergesetzt worden. Außerdem haben wir die präparierte Piste als sichere Aufstiegsvariante gewählt.

Es sind in diesen Tagen bereits mehrere Menschen von Lawinen verschüttet worden. Hat man da nicht ein mulmiges Gefühl?

Ganz klar. Die absolute Sicherheit gibt es nicht. Deshalb ist es entscheidend, vor der Tour alle wichtigen Kriterien durchzuchecken.

Wie zum Beispiel?

Vor allem muss man sich über die Hangsteilheit informieren und den Lawinenbericht für das Skigebiet aufmerksam lesen. Dadurch bekommt man eine recht gute Orientierung darüber, was machbar ist und was nicht. Aber klar ist auch, dass man bei einer solchen Witterungslage, wie wir sie im Moment haben, deutlich defensiver an die Planung herangeht.

Gute Vorbereitung ist für den ausgebildeten Tourenführer Christian Bauer vom SC Falkenberg entscheidend.

(Foto: Privat)

Wie bereitet man sich auf eine Tour vor, wenn man schon weiß, dass die Witterung nicht optimal ist?

Grundsätzlich läuft die Vorbereitung immer ähnlich ab. Das Wichtigste ist natürlich die richtige Ausrüstung. Es gibt drei Teile, die man immer dabei haben muss: Schaufel, Sonde und LVS-Gerät.

LVS-Gerät? Also ein Art GPS-Sender?

LVS steht für Lawinenverschüttetensuchgerät und funktioniert anders als ein GPS-Gerät mit einem permanenten Funksignal. Dadurch ist es den Rettungskräften bei einem Lawinenunglück möglich, die Verschütteten schnell zu finden. Das Gute daran ist, dass diese Geräte mit allen Empfängern auf dem Markt kompatibel sind.

Es gibt ja diese Skijacken mit eingebautem Sender. Da fragt man sich allerdings immer, ob der im Notfall auch wirklich funktioniert...

Deshalb checken wir unsere LVS-Geräte vor jeder Tour gründlich durch. Der Führer prüft, ob er von jedem Teilnehmer ein Signal empfängt und umgekehrt. Erst wenn alles funktioniert, kann die Tour losgehen.

Nun bringen Sie als ausgebildeter Tourengeher einiges an Erfahrung mit. Aber was ist mit den Leuten, die noch relativ neu in dieser Sportart sind?

Am vergangenen Samstag hatten wir ja unsere Auftakttour. Im Verein suchen wir uns dafür gezielt Skigebiete aus, in denen weniger los ist. Das hat den Vorteil, dass die Teilnehmer gleich zu Saisonbeginn ihr Wissen wieder etwas auffrischen können. Und wir als Tourenführer können so auch gut auf die möglichen Gefahren hinweisen.

Sie haben dadurch auch eine große Verantwortung. Im Zweifelsfall können Leben davon abhängen, was Sie den Leuten beigebracht haben.

Deshalb muss man sich als Tourenführer ständig fortbilden. Es gibt etwa jährlich eine Schulung, damit man immer auf dem neusten Stand bleibt. Außerdem muss man sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Einen Winter wie heuer etwa, mit so einer kritischen Neuschneemenge, habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt. Aber man lernt immer dazu, und dieses Wissen wollen wir Tourenführer an die Teilnehmer weitergeben. Das erhöht natürlich auch die Sicherheit für die ganze Gruppe.

Wir haben jetzt viel über Gefahren und Vorbereitung beim Tourengehen gesprochen. Waren Sie selbst schon mal in einer heiklen Lage?

Bisher noch nicht direkt. Aber ich habe schon öfter solche Situationen miterlebt. Als wir vor einiger Zeit am Großvenediger unterwegs waren, ist direkt neben uns eine Lawine abgegangen. Solche Moment erden einen dann schon in gewisser Weise. Es wird einem bewusst, dass die alpine Gefahr eben immer gegeben ist.