Winter-Chaos Willkommen in Schneebersberg

Den einen stinkt's, den anderen taugts. Hier am Skilift im Waldsportpark geht am Donnerstagmittag die Post ab.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Der Winter hat nun auch den Landkreis Ebersberg fest im Griff. Bauhofmitarbeiter, Polizisten und Sanitäter müssen ganze Arbeit leisten. So mancher darf sich hingegen glücklich schätzen.

Von Andreas Junkmann und Clara Lipkowski , Ebersberg

Es schneit im Landkreis Ebersberg, und es hört schier nicht mehr auf. Besonders Kinder freuen sich darüber, denn das winterliche Wetter beschert ihnen seit Donnerstag ein paar freie Tage. Der Winterdienst hingegen schiebt Überstunden, die Polizei rückt wegen Rutschunfällen auf den Straßen aus. Eine Übersicht über den Landkreis im Schnee.

Schulen

"Schneefrei" haben seit diesem Donnerstag alle Schüler im Landkreis Ebersberg. Wegen der gefährlichen Straßenverhältnisse bei dem starkem Schneefall habe man entschieden, den Schulbetrieb einzustellen, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Während am Donnerstag zumindest noch jene Kinder betreut worden sind, die es in die Schule geschafft haben, bleiben die Türen am Freitag und kommenden Montag definitiv zu. "Inzwischen ist es mit dem Schnee auch hier bei uns in Ebersberg einfach zu gefährlich geworden", sagt Karin Fastenmeier vom Schulamt. Auf Anraten von Polizei, Feuerwehr und Landratsamt sei man zu dieser Entscheidung gekommen. "Ich hoffe aber, dass am Dienstag dann alles wieder normal läuft", so Fastenmeier.

Bauhöfe

Ein Räumfahrzeug räumt am Donnerstagnachmittag den Fußweg neben der B304 auf Höhe Egglburg.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Marinus Greithanner ist in diesen Tagen früh auf den Beinen. Der Grafinger Bauhofleiter wurde am Donnerstag um drei Uhr früh zum Einsatz gerufen, eine Stunde später waren alle Kollegen versammelt, dann rückten sie ins gesamte Stadtgebiet aus. Acht Räumfahrzeuge mit Ein-Mann-Besatzung und ein "Handräumer", à zwei Mann, ein kleineres Räumfahrzeug, das an Engstellen eingesetzt wird, fuhren los, um die Straßen, Kreuzungen und Fußgängerüberwege der Stadt vom Schnee zu befreien und Streusalz zu verteilen.

Die Stadt muss vor allem "gefahrgeneigte" Stellen vom Schnee befreien, also überall da, wo Autos bremsen müssen und die Unfallwahrscheinlichkeit bei winterlichem Wetter steigt. Nach der Frühschicht beim Winterdienst gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Pause, dann wird weiter geräumt. Am Donnerstag schneite es nahezu pausenlos - für die Bauhofmitarbeiter bedeutet das Überstunden. "Zwölf Stunden" würden es bestimmt werden, sagt Greithanner in einer kurzen Pause am Handy, als er gerade Schnee von einem Dach holt. "Wenn's nass wird, kann's gefährlich werden", sagt er. Die Schneemassen könnten auf vorbeigehende Passanten rutschen. "Serviceräumungen" nennt sich so etwas, hier springt der Bauhof ein, wenn es so stark schneit wie zurzeit.

Donnerstag-Mittag, Gymnasium Grafing: Die Schüler dürfen heimgehen und können sich auf ein verlängertes Wochenende freuen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Polizei

Mit "deutlich mehr Unfällen" seit dem starken Wintereinbruch haben sich die Beamten der Polizeiinspektion Poing zu beschäftigen. Bis Donnerstagnachmittag waren es in deren Zuständigkeitsbereich neun Einsätze, zwei davon auch mit verletzten Personen. Wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilt, handele es sich vor allem um Auffahrunfälle aufgrund der rutschigen Straßen. Die Beamten raten den Autofahrern deshalb dringend, die Geschwindigkeit der Witterung anzupassen und einen erhöhten Sicherheitsabstand zu halten.

Überhaupt sollen laut Poinger Polizei Fahrten, die nicht unbedingt nötig sind, ganz vermieden werden. Vielleicht halten sich Autofahrer aus dem Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Ebersberg besonders gut an diese Regeln, denn hier haben die Beamten trotz der Schneefälle nicht mehr Arbeit. "Bei uns ist alles ruhig", sagt Stephan Mittermaier, der in Ebersberg für den Bereich Verkehr zuständig ist. Natürlich laufe der Verkehr insgesamt langsamer, aber zu größeren Zwischenfällen sei es bislang nicht gekommen. "Wir sind zufrieden", so Mittermaiers Fazit.

Ein Grafinger Schneeräumer im Einsatz.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Wintersport

Leid und Freude liegen gerade im Winter besonders nah beieinander: Während sich die einen über glatte Straßen und blockierte Gehwege ärgern, können es andere kaum erwarten, einen verschneiten Hang hinunter zu rutschen. Im Landkreis Ebersberg besteht dazu die Möglichkeit an den Skiliften am Waldsportpark und in Glonn. Beide Anlagen sind trotz - oder gerade wegen - der enormen Schneemassen in Betrieb. In Ebersberg kann man von Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr auf die Piste gehen, am Wochenende von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr. Der Glonner Lift hat werktags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet, und am Wochenende von 10 bis 17 Uhr. Grünes Licht gibt es auch für alle Langläufer. Die Loipen an der Ludwigshöhe und am Egglburger See sind gespurt und können befahren werden.

Krankenhaus

"Es ist wahnsinnig viel los. Wir werden geradezu überrannt", sagt Artur Klaiber. Der Chefarzt für Unfallchirurgie und Orthopädie leitet die Notaufnahme am Ebersberger Krankenhaus und kann sich über mangelnde Arbeit in diesen Tagen nicht beklagen. "Gerade sind nacheinander zwei Männer bei uns eingeliefert worden, die Schnee von ihren Dächern räumen wollten und dabei runtergestürzt sind", erzählt Klaiber. Ansonsten seien vielen Patienten die rutschigen Gehwege zum Verhängnis geworden. Während sich Klaiber zufolge die Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten in Grenzen hält, seien bemerkenswert viele Radfahrer verunglückt und mussten sich im Krankenhaus behandeln lassen. Zudem gebe es zur Zeit sehr viele Haushaltsunfälle. Ob das allerdings etwas mit dem Schnee draußen zu tun hat, bleibt Spekulation.

Donnerstagnachmittag in Ebersberg an der Kreisklinik: Notarzt und Rettungswagen rücken aus.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Turnhallen

Wegen der schweren Schneemassen brechen nicht nur Bäume zusammen, sondern auch Dächer drohen unter der Last einzustürzen - vor allem wenn es sich um Flachdächer handelt, wie sie meist auf Turnhallen verbaut werden. Die Hallendächer der Landkreisschulen werden deshalb bei starkem Schneefall regelmäßig überprüft, entweder durch eingebaute elektronische Waagen oder durch die Hausmeister der Schulen.

Wie das Landratsamt mitteilt, mussten unter anderem die Turnhalle am Humboldt-Gymnasium in Vaterstetten und die Dreifachhalle an der Dr.-Wintrich Realschule Ebersberg bis auf weiteres geschlossen werden. Die Sperrung werde auch noch mindestens bis Beginn der nächsten Woche fortbestehen. Gleiches gilt für die beiden Turnhallen in Grafing. Davon betroffen sind auch Sportvereine, so musste etwa ein für das Wochenende geplantes Fußball-Jugendturnier in Ebersberg abgesagt werden.

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