Energiewende im Landkreis EbersbergRuhe vor dem erhofften Sturm

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Zwei Windräder gibt es bislang im Landkreis Ebersberg, eines von ihnen steht in Hamberg bei Bruck. Fünf weitere Anlagen sollen demnächst im Ebersberger Forst entstehen.
Zwei Windräder gibt es bislang im Landkreis Ebersberg, eines von ihnen steht in Hamberg bei Bruck. Fünf weitere Anlagen sollen demnächst im Ebersberger Forst entstehen. (Foto: Christian Endt)

Zuletzt war vom geplanten Windpark im Ebersberger Forst wenig zu hören, doch das Projekt schreitet weiter voran. Derzeit werden die Antragsunterlagen von der Genehmigungsbehörde geprüft. Sobald diese grünes Licht gibt, sollen die Windräder gebaut werden. Das Interesse an einer Bürgerbeteiligung ist bereits groß.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Nicht mit pfeifendem Rückenwind, sondern eher auf einer sanften Brise schwebend, nähert sich der geplante Windpark im Ebersberger Forst seinem Baubeginn. Entsprechend ruhig ist es in den vergangenen Wochen und Monaten um das wohl größte Energiewende-Projekt im Landkreis Ebersberg geworden. Doch hinter verschlossenen Türen schreiten die Planungen voran: Derzeit liegen die Antragsunterlagen bei der Genehmigungsbehörde am Landratsamt. Ist der Prozess abgeschlossen, sollen die fünf Windräder schnellstmöglich gebaut werden.

Dass es tatsächlich bei fünf Anlagen bleiben soll, über die die Ebersberger Bürgerinnen und Bürger bei einer Befragung 2021 abgestimmt haben, bestätigt der Investor ALP.X Group. „Die Planungen konzentrieren sich klar auf diese Windkraftanlagen. Es gibt keine Überlegungen oder Planungen für zusätzliche Standorte“, heißt es auf SZ-Nachfrage. Eben für diese Standorte hat das Unternehmen Ende vergangenen Jahres den immissionsschutzrechtlichen Antrag, der auch den Bauantrag beinhaltet, gestellt. Alle Unterlagen sind bei der Genehmigungsbehörde jedoch noch nicht eingegangen. Man sei momentan dabei, noch weitere Gutachten nachzureichen, ist von der ALP.X Group zu erfahren. „Die Umsetzung ist in Vorbereitung – sobald die Genehmigung vorliegt, können wir nahtlos in die Realisierung übergehen“, schreibt das Unternehmen.

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Das dürfte allerdings noch eine Weile dauern, denn so lange die Unterlagen nicht vollständig vorliegen, könne man auch keine Einschätzung zur Bearbeitungsfrist geben, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Erst wenn der Ebersberger Behörde alle notwendigen Dokumente übermittelt worden sind, gibt es einen klar definierten Zeithorizont: „Über den Genehmigungsantrag ist nach Eingang der vollständigen Unterlagen innerhalb einer Frist von sieben Monaten, in vereinfachten Verfahren innerhalb einer Frist von drei Monaten, zu entscheiden“, schreibt das Landratsamt.

Diese Fristen hat man offenbar auch bei der ALP.X Group auf dem Schirm, denn von dort heißt es: „Das Projekt liegt im vorgegebenen Zeitplan.“ Auch die Standorte der Windräder im Ebersberger Forst sind im Rahmen des Bauantrags nun endgültig definiert worden. Die Anlagen sollen in einem Waldstück südwestlich der an der Staatsstraße gelegenen Hubertus-Kapelle gebaut werden. Konkret handelt es sich um Windräder des Typs Nordex N175/6.8 MW mit einer Nabenhöhe von 179 Metern, wie von der ALP.X Group zu erfahren ist. Diese Konfiguration sei technisch fundiert, am Standort ausgerichtet und bilde die feste Grundlage der Planung, so der Investor weiter.

Das Eberwerk hat ein Vorkaufsrecht für drei der fünf Windräder

Und eine gute Planung ist wichtig, schließlich hat es in der Vergangenheit immer wieder Gegenwind für das Projekt gegeben, das dem Landkreis in Sachen erneuerbarer Energie einen großen Schub verleihen soll. Bei der ALP:X Group jedenfalls ist man überzeugt, dass die Windräder im Staatsforst ein Erfolg werden: „Für uns steht fest: Der Windpark im Ebersberger Forst ist ein zentrales Projekt für die regionale Energiewende“, schreibt der Investor. Und weiter: „Er verbindet eine verlässliche Partnerschaft mit dem Eberwerk, eine klare technische Linie und eine transparente Bürgerbeteiligung.“

Letzteres ist auch ein zentraler Aspekt des Projekts. Das kommunale Energieunternehmen Eberwerk hat sich vertraglich ein Vorkaufsrecht für drei der fünf Windräder zusichern lassen. „Für diese maximal drei Windenergieanlagen werden wir eine Bürgerbeteiligung anbieten. Das genaue Beteiligungskonzept wird derzeit von uns erarbeitet“, sagt Eberwerk-Sprecher Marcel Menzel der SZ. Es sei geplant, eine echte unternehmerische Beteiligung in Form einer Kommanditbeteiligung anzubieten. Dafür wolle man, zunächst für die weitere Projektentwicklung und später auch als Betreibergesellschaft fungierend, eine GmbH & Co. KG gründen. „Die interessierten Bürgerinnen und Bürger sollen sich dann über den Erwerb von KG-Anteilen an dem Projekt beteiligen können. Das Eberwerk würde in diesem Konzept die Geschäftsführung sowie die kaufmännische und technische Betriebsführung übernehmen“, erklärt Menzel.

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Weil für die weiteren Details der Beteiligung aber noch eine Vielzahl von Einflussfaktoren – etwa ein unabhängiges Ertragsgutachten anhand der Windmessungen – zu klären seien, könne man derzeit noch keine Aussagen zu Beteiligungshöhe, Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital, Wirtschaftlichkeit oder Rendite treffen. Dennoch stößt das Windkraft-Projekt im Forst bereits jetzt auf großes Interesse.

Auf der Internetseite des Eberwerks ist es möglich, sich für alle Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien zur Beteiligung vormerken zu lassen – also neben dem Windpark etwa auch für die Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Nettelkofen und Pliening. „In Summe haben wir viele Hunderte Vormerkungen“, sagt Menzel, der überzeugt davon ist, dass diese beachtliche Zahl das Interesse der Bürger an einer Teilhabe an der Energiewende und dem damit verbundenen Ausbau von erneuerbaren Energieanlagen widerspiegle.

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