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Badesaison im Landkreis:Wasserwachtler: "Mehr Betrieb an allen Seen"

Robert Hofmann Wasserwacht

Robert Hofmann ist Technischer Leiter der BRK-Wasserwacht im Landkreis Ebersberg.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Die Wasserwacht hat derzeit viel zu tun. Das liegt auch an der besonderen Situation in diesem Jahr. Gespräch mit einem Retter aus Ebersberg.

Interview von Franziska Langhammer, Ebersberg

Ungetrübter Badespaß ist derzeit nicht leicht zu haben: Wegen der Kombi aus Corona-Maßnahmen in den Freibädern und tropischen Temperaturen suchen viele Menschen Erfrischung an den Badeseen im Landkreis. Wie die Lage dort derzeit ist und wann man am besten um Hilfe ruft, weiß Robert Hofmann, Technischer Leiter der Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Ebersberg.

SZ: Die Freibäder dürfen nur begrenzt Menschen einlassen, daher drängt es die Menschen derzeit an die Seen. Wie ist die Lage im Landkreis?

Robert Hofmann: Es ist schon zu erkennen, dass mehr Betrieb an allen Seen ist. Auch Einsätze hatten wir ein paar mehr dieses Jahr. Das ist aber relativ überschaubar, weil wir keinen Wassersport im Landkreis haben, wie etwa Segeln oder Floßfahrten.

Einsätze welcher Art?

Unterschiedlich. Mal war es eine Rettung aus dem Wasser, weil Schwimmer in Panik geraten sind und sich nicht über Wasser halten konnten. Mal verarzten wir Schnittverletzungen. Der Klostersee ist in dieser Hinsicht der auffälligste See.

Wie könnte man die Ebersberger Seen charakterisieren?

Der Poinger See ist das ganze Jahr über sehr kühl, weil dieser den größten Grundwasserdurchsatz hat. Von Grundwasser werden auch der Steinsee und der Sportparkweiher in Markt Schwaben gespeist, lediglich in geringerem Maße. Einer der wärmsten Seen Deutschlands ist der Steinsee, er wird bis zu 26, 28 Grad warm; durch seine Beschaffenheit aber kippt er nicht. Der Klostersee ist schon öfter gekippt, das heißt, er hat Bakterien entwickelt, die gefährlich für die Gesundheit sind. Um das zu vermeiden, wird viel Aufwand betrieben. Einmal im Jahr wird er zum Beispiel ausgelassen und der Schlamm abgepumpt.

Bundesweit warnen Rettungsschwimmer, dass durch die Corona-Maßnahmen weniger Personal an Seen stationiert werden kann. Haben Sie in dieser Hinsicht Einschränkungen?

Nein, wir haben im Laufe der letzten Monate gute Konzepte ausgearbeitet, etwa die Vorgaben der Wasserwacht Bayern angepasst. Das läuft eigentlich sehr gut.

Das heißt in der Praxis?

Wir haben die Wachstation so umorganisiert, dass wir die Behandlung von Patienten von den anderen Räumen strikt trennen. Außerdem versorgen wir sie primär draußen. Auch dürfen, falls wir doch drinnen behandeln, nur einzeln Angehörige rein. Wir haben zudem die Schutzausrüstung aufgestockt. Außerdem gibt es Strategien, mehr darauf zu achten, wie man mit den Patienten in Kontakt kommt. Aber Hygiene war eigentlich immer schon wichtig bei unserer Arbeit.

Wenn sich die Menschen an den Badeseen drängen, ist da die Einhaltung der Maßnahmen überhaupt noch gewährleistet?

Die einzelnen Gruppen sitzen schon eng beieinander, aber meiner Erfahrung nach halten sie zu anderen Gruppen genügend Abstand.

An manchen Seen ist ab Nachmittags der Wasserspaß eher getrübt, weil so viel los ist. Haben Sie einen Tipp?

Bei den meisten Seen ist ab mittags der Andrang groß, beim Steinsee gehts schon morgens los. Das ist ein Familienbad, von einer Wirtschaft betrieben, die halten die Auflagen streng ein. Weil das Areal dort riesig ist, verteilen sich die Leute unglaublich weit. Da hat der Pächter auch im Griff, wie viele er reinlässt - anders als bei öffentlichen Seen. Wer also die Möglichkeit hat bei solchen Wetterlagen, sollte möglichst schon vormittags Schwimmen gehen. Wir appellieren auch an die Leute, dass sie vielleicht doch manchmal in den sauren Apfel beißen und wieder heimfahren müssen, wenn zu viel los ist.

Sonst noch irgendwelche Empfehlungen für einen erholsamen Badetag?

Grundsätzlich sollte man nicht alkoholisiert oder überhitzt ins Wasser. Bei Überhitzung sollte man vorsichtig reingehen. Wenn man den See durchschwimmen möchte, sollte man am besten zu zweit sein oder eine Schwimmhilfe mitnehmen. Und wenn man während des Schwimmens merkt, man kriegt einen Krampf oder muss stark husten, weil man Wasser verschluckt hat, sollte man so schnell wie möglich nach Hilfe rufen. Wenn man tatsächlich in Not geraten ist, hat man meist nicht mehr die Kraft dazu.

© SZ vom 07.08.2020/koei
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