bedeckt München 13°

Wasserversorgung:Es tröpfelt

Trinkwasser

Trinkwasser ist ein hohes Gut, damit es in Grafing und Ebersberg immer verfügbar ist, planen die beiden Städte bereits seit längerem einen Notverbund.

(Foto: dpa)

Beim Trinkwassernotverbund Ebersberg-Grafing gibt es nur kleine Fortschritte

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Der seit Jahren geplante Trinkwassernotverbund der Städte Ebersberg und Grafing kommt weiterhin nur langsam voran. Im Technischen Ausschuss des Stadtrates wurde nun der aktuelle Stand vorgestellt und die geplanten Ausbaumaßnahmen der kommenden Jahre: Demnach wird wohl frühestens im übernächsten Jahr die Verbindung der beiden Wassernetze abgeschlossen.

Auch wenn Ebersberger und Grafinger gerne ihre Unterschiede betonen, eines haben beide Städte gemeinsam: den Wasserverbrauch. Etwa 80 Kubikmeter rauschen nördlich wie südlich der B 304 pro Minute durch die Rohre - im Normalbetrieb. Die maximale Leistung der Brunnen ist damit noch lange nicht erreicht, mit den zusätzlichen Kapazitäten könnte die eine Stadt die andere im Notfall mitversorgen. Allerdings nur, wenn es zwischen beiden Wassernetzen eine geeignete Verbindung gibt.

Wie diese aussehen soll, stellte nun Andreas Dersch vom gleichnamigen Ingenieurbüro im Ausschuss vor. Geplant sind zwei Ringleitungen, eine im Ebersberger Süden und eine im Norden von Grafing. In diesen zirkuliert ständig Wasser - dieses fließt aber normalerweise wieder in das jeweilige Netz zurück. Im Notfall jedoch können die beiden Leitungen mittels eine Übergabestation verbunden werden. Eine solche ist nötig, da die beiden Städte unterschiedlich hoch liegen, und damit ein Druckausgleich nötig wird. Fließt das Wasser aus Eberberg nach Grafing, muss der Druck vermindert werden, umgekehrt werden Pumpen zugeschaltet, damit es das Grafinger Wasser bergauf schafft.

Doch so gut geplant der Notverbund auf dem Papier ist, so unklar ist, wann er wirklich gebaut wird. Im vergangenen Sommer gab es zwischen den beiden Städten einen offenen Streit über das Projekt, besonders die Ebersberger zeigten sich über die Nachbarn verärgert. Diese legten ein "unerfreuliche Verhalten" an den Tag, so Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) damals, indem sie nämlich ihren Verpflichtungen zum Ausbau der Wasserleitungen nicht nachkämen. Während die Ebersberger auf ihrer Seite das Netz ausbauten, täten die Grafinger wenig bis gar nichts für den Notverbund.

Inzwischen hat sich der Dissens ein wenig abgekühlt, wie Brilmayer in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses berichten konnte: "Wir sind mit Grafing übereingekommen, dass beide Städte den Notverbund im Hinterkopf haben, wenn am Wasserleitungsnetz etwas gemacht wird." Was sich allerdings auch so verstehen lässt, dass, stehen nicht ohnehin Sanierungen und Erweiterungen des allgemeinen Netzes an, eben nichts am Notverbund gemacht wird.

Dass diese Interpretation durchaus auch von der Stadt geteilt wird, lässt eine Aussage von Christian Pfeiffer, im Bauamt zuständig für das Leitungsnetz, vermuten. In diesem Jahr werde Ebersberg die alten Leitungen am Marienplatz und im kommenden Jahr bis zur Ulrichstraße durch leistungsfähigere ersetzen. Diese Rohre könnten auch Teil der Ringleitung werden - diese selbst "machen wir aber nicht, bis die Abstimmung mit Grafing nicht auf dem Tisch liegt".

Wie lange dies dauern wird, ist offen, zumal Grafing stets erklärt,zwar grundsätzlich am Notverbund festzuhalten - es damit aber nicht besonders eilig hat. Einerseits, weil das Grafinger Bauamt auch ohne den Wasserleitungsbau gut ausgelastet ist. Zum anderen, weil die Versorgung - sechs Brunnen, eine Quelle und eine Verbindung ans Aßlinger Netz - auch ohne Anbindung an die Ebersberger Leitungen gesichert scheint.

Darum sollen nun auch diese krisensicherer werden, wie Dersch erklärte. Dazu wird zunächst eine zweite Leitung zu den Brunnen im Forst gelegt. Anschließend soll die bestehende neun Kilometer lange Betonleitung, die mit knapp 60 Jahren langsam das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, ersetzt werden. Außerdem wird überlegt, weitere Brunnen im Forst zu bauen. Ebenfalls weiter aktuell ist ein möglicher Notverbund mit Kirchseeon, die Marktgemeinde plant derzeit nämlich ebenfalls einen neuen Brunnen im Forst, ganz in der Nähe der Ebersberger.

Insgesamt hat die Kreisstadt bereits 430 000 Euro in den Notverbund investiert, eingerechnet sind allerdings auch die neuen Leitungen in der Bahnhofstraße, die sowieso hätten gebaut werden müssen. Für die kommenden Jahre wären - sollten alle geplanten Maßnahmen verwirklicht werden - noch einmal etwa zweieinhalb Millionen Euro nötig.

© SZ vom 16.03.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite