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Fortschrittliche Pläne:Landkreis Ebersberg will Wasserstoff-Region werden

Niedersachsens Umweltminister eröffnet Wasserstofftankstelle

Schon bald könnte es im Landkreis Ebersberg zwei Wasserstoff-Tankstellen geben.

(Foto: dpa)

Voraussetzung ist, dass ein Förderantrag Erfolg hat, der im Umweltausschuss des Kreistages auf der Agenda steht.

Bereits in wenigen Jahren könnten Lastwagen und Busse mit Wasserstoffantrieb im Landkreis zum Straßenbild gehören. Jedenfalls wenn ein Antrag beim Bundesverkehrsministerium auf Fördergeld erfolgreich ist, den Ebersberg zusammen mit den Landkreisen München und Landshut in den kommenden Tagen stellen wird. Am Donnerstag soll der Umweltausschuss des Kreistages darüber abstimmen, ob das Fördergeld beantragt wird. Eine Zustimmung im Gremium dürfte aber reine Formsache sein.

Denn als vor gut einem Monat Landrat Robert Niedergesäß (CSU) im Rahmen des umwelt- und klimafreundlichen Mobilitätskonzeptes für den Landkreis auch über die mögliche Nutzung von Wasserstoff und den Aufbau eines entsprechenden Tankstellennetzes sprach, gab es sofort viel Zuspruch. So hatte etwa die SPD im Ebersberger Stadtrat wenige Tage später den Antrag eingereicht, die Stadt solle prüfen, ob sie dem Landkreis ein Grundstück für eine solche Tankstelle zur Verfügung stellen könne.

Zunächst sollen zwei Tankstellen in den Landkreis kommen

Geplant ist, so erklärte es im August der Büroleiter des Landrates Norbert Neugebauer, dass im Landkreis zunächst mindestens zwei solche H₂-Tankstellen eingerichtet werden, eine für den Süden, eine für den Norden. Als einer der Standorte bietet sich die Kreisstadt in der Tat an, da sie sowohl für Nutzer aus den Kommunen im Landkreissüden gut zu erreichen wäre, als auch über die B 304. Der zweite Standort würde nördlich des Forstes, vermutlich in der Nähe der A 94, liegen.

Eine gute Anbindung an die Fernstraßen ist natürlich besonders wichtig, wenn es nur zwei Tankstellen im ganzen Landkreis gibt - und noch aus einem anderen Grund. Denn, wie das Landratsamt in einer aktuellen Mitteilung schreibt, sollen am Anfang nur Lastwagen und Busse die neuen Wasserstofftankstellen nutzen. Grund ist, dass die Nutzung von Wasserstoff "besonders im öffentlichen Nahverkehr und Fernlastverkehr (...) ein Riesenfortschritt bei der Vermeidung von CO₂" wäre.

Des Weiteren werden die Grundzüge des Konzepts der Wasserstoffregion erläutert, die Ebersberg und die beiden anderen Landkreise mit dem Fördergeld aufbauen wollen. Zentrale Elemente sind zum einen eine geschlossene Wertschöpfungskette. Das bedeutet, dass der Wasserstoff, welcher an den Tankstellen in der Projektregion zu haben ist, auch in Anlagen dort erzeugt würde. Zum anderen ist das Vorhaben auch als Umwelt- und Klimaschutzprojekt geplant. Deshalb soll der Strom für die Hydrolyse - das Verfahren mit dem Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten wird - aus erneuerbaren Quellen stammen: "So würde der ,grüne' Wasserstoff zum Beispiel mittels Sonnenenergie von Anlagen aus dem Landkreis Ebersberg und Wasserkraft aus dem Landkreis Landshut erzeugt", heißt es dazu aus dem Landratsamt.

Mehrere Unternehmen haben bereits Interesse angemeldet

Am Konzept arbeiteten "derzeit mehrere Unternehmen aus den drei Landkreisen", so das Landratsamt, des Weiteren hätten "potenzielle Abnehmer wie Busunternehmen und Speditionen Interesse" angemeldet. "Alle Beteiligten arbeiten im Moment mit Hochdruck an der Bewerbung, die bis Ende September eingereicht werden muss", lässt sich Landrat Niedergesäß dazu zitieren.

Die drei Landkreise und ihre Partner aus der Wirtschaft wollen sich für das Programm "HyPerformer" qualifizieren. Dieses ist eines von drei Wasserstoff-Förderprogrammen des Bundesverkehrsministeriums. Bereits vor zwei Wochen wurden die Empfänger der Fördermittel für den Bereich "HyStarter" bekanntgegeben. In neun Regionen wird damit die Erstellung von Wasserstoff-Nutzungskonzepten gefördert.

Ein solches muss bereits erarbeitet haben, wer von dem Förderprogramm profitieren möchte, für das sich nun die drei Landkreise bewerben wollen. Diese sind am Aufbau und Betrieb der Wasserstoff-Infrastruktur nur indirekt beteiligt - auch finanziell. Zu vergeben sind 20 Millionen Euro Fördermittel, sie werden voraussichtlich zwischen zwei Bewerber-Regionen aufgeteilt. Das Geld würde an die beteiligten Unternehmen fließen, die den selben Betrag aus eigenen Mitteln in das Vorhaben investieren müssen. Die drei Landkreise - so ihr Konzept bei der Vergabe zum Zuge kommt - würden selbst kein Geld in den Aufbau der Hydrolyseanlagen, des Leitungsnetzes oder der Tankstellen stecken.

Laut einer Schätzung aus dem Landratsamt, könnten in zwei oder drei Jahren die ersten Busse und Lastwagen im Landkreis Wasserstoff tanken.

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