Waldfriedhof Grafing:Ruhelose Langfinger

Lesezeit: 2 min

Auf dem idyllischen Waldfriedhof in Grafing sind in den vergangenen Monaten Grabkreuze gestohlen worden. (Foto: Stadt Grafing/oh)

In Grafing und Forstinning ist es in jüngster Zeit zu Diebstählen auf den Friedhöfen gekommen. Die Polizei ermittelt, ein Zusammenhang mit Einbrüchen im Großraum München ist nicht ausgeschlossen.

Von Alexandra Leuthner, Grafing

Still und idyllisch ist es am Waldfriedhof Grafing, der sich unter hochgewachsene, alte Bäume schmiegt. Für die Angehörigen der Toten ist er wie gemacht, um auch abseits der Gedenktage hierherzukommen und Ruhe zu finden. Genau die Ungestörtheit, welche die Stätte auszeichnet, bietet aber wohl auch Friedhofsräubern einen sicheren Rahmen - in jüngster Zeit zumindest ist sie wiederholt zum Ziel von Verbrechern geworden. Weshalb sich die Stadtverwaltung nun entschlossen hat, den Friedhof von 20 Uhr abends an bis auf weiteres zu schließen.

Mindestens zwei Grabkreuze aus Messing seien in jüngster Zeit gestohlen worden, ist von Sabine Berndorfner aus dem Rathaus der Stadt zu erfahren, diese Taten jedenfalls seien angezeigt worden. Ob noch mehr Gegenstände oder Grabschmuck verschwunden ist, sei noch gar nicht bekannt, weil möglicherweise Angehörige der Bestatteten einen Verlust noch gar nicht entdeckt hätten. So könne man auch nicht genau sagen, wann es zu den Diebstählen gekommen sei, "aber wir wollen dem auf jeden Fall Einhalt gebieten".

Poing
:Ruhe-Wiese

Im neuen Poinger Bestattungsgarten sind Grabsteine, Gestecke und Lichter tabu. Auf den Friedhof-Feldern sollen bunte Blumen blühen - unter ihnen ist Platz für 276 Urnen

Von Barbara Mooser

Doch nicht nur in Grafing, auch auf dem Waldfriedhof in Forstinning hat sich vor Kurzem ein Dieb zu schaffen gemacht. Dort war es eine Marienstatue aus massivem Kupfer, die im Zeitraum zwischen Januar und Mai entwendet worden ist. Wie die Polizei in Poing berichtet, wurde die Statue aus massivem Kupfer gewaltsam aus ihrer Verankerung am Grabstein gebrochen, letzterer dabei beschädigt. Der Wert des gestohlenen Objekts soll bei etwa 450 Euro liegen. Gegen den oder die Täter wird im Augenblick ermittelt, wie die Polizeidienststelle Poing mitteilt. Sie bittet um die Mithilfe von Friedhofsbesuchern, die möglicherweise im fraglichen Zeitraum etwas Verdächtiges beobachtet haben und weist darauf hin, dass die Statue auch zum Verkauf angeboten werden könnte.

Der Hinweis kommt nicht ganz von ungefähr. So hatten es in den vergangenen Monaten im Großraum München immer wieder Täter auf Friedhöfe abgesehen, haben dort vorwiegend Metallgegenstände entwendet. Im benachbarten Landkreis München waren bis Mitte April mindestens vier Friedhöfe betroffen, darunter Grünwald und Grasbrunn an der Grenze zum Landkreis Ebersberg. Von fast so vielen Diebstählen in diesem Zeitraum wie im gesamten Vorjahr berichtet die Polizei in München. Auch in Poing soll es einen Diebstahl gegeben haben.

Die Polizei in München ermittelt auch im Fall der Diebstähle in den umliegenden Landkreisen

Die dortige Polizeidienststelle verweist allerdings ebenso wie die Dienststelle in Ebersberg an die Kollegen in München, wo derzeit zentral ermittelt werde. Möglicherweise werde ein Tatzusammenhang mit den Vorkommnissen außerhalb des eigentlichen Zuständigkeitsbereichs geprüft, teilt die Pressestelle in München mit.

Was für die Betroffenen ein Schock sein kann, immerhin geht es um die letzte Ruhestätte von Angehörigen - vom finanziellen Schaden ganz abgesehen -, bringt zumindest im Fall von Grafing nun auch für alle anderen Friedhofsnutzer einen Schaden mit sich. Der Waldfriedhof sei bewusst bisher abends nicht geschlossen worden, sagt Sabine Berndorfner, um den Angehörigen die Möglichkeit zu geben, wann immer sie das Bedürfnis haben, die Ruhestätten ihrer Lieben zu besuchen. "Aber das wird es jetzt erst mal nicht mehr geben", auch wenn man sich bewusst sei, dass man letztlich durch die Schließung der Tore keinen Dieb wirklich wird fernhalten können. "Aber wir schauen uns das jetzt mal eine Weile an und sehen, wie es weitergeht."

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusForstinninger Hofkücherl
:"Ganz ohne Chi-Chi"

Manuel Faltermeier und sein Team vom Ma'Roots arbeiten in der Traditionsgaststätte mit althergebrachten Zutaten und neuen Ideen. Nachhaltigkeit und Wertschätzung stehen für sie an erster Stelle.

Von Alexandra Leuthner

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: