TrockenheitWie hoch ist die Waldbrandgefahr im Landkreis?

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In den vergangenen Wochen hat es kaum geregnet, das führt dazu, dass der Wassergehalt in den Böden stark abnimmt.
In den vergangenen Wochen hat es kaum geregnet, das führt dazu, dass der Wassergehalt in den Böden stark abnimmt. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Seit knapp zwei Wochen hat es nicht mehr geregnet, Böden und Pflanzen trocknen immer weiter aus. Forstbetriebsleiter Heinz Utschig und Klaus Moritz vom Wasserwirtschaftsamt geben eine Einschätzung der Gefahrenlage.

Von Merlin Wassermann, Ebersberg

Es beginnt oft unscheinbar – eine weggeworfene Zigarette, ein Funken vom Grill, eine verlorene Brille. Doch treffen sie auf eine Vegetation, die wochenlang kaum Wasser gesehen hat und die knochentrocken ist, reicht ein winziger Auslöser, um eine Katastrophe in Gang zu setzen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stuft derzeit weite Teile des bayerischen Alpenraums mit „hohe Gefahr“ in die vierte von fünf Waldbrandgefahrenstufen ein. In Ebersberg, wie in den meisten anderen Regionen Bayerns, herrscht die dritte Gefahrenstufe, also „mittlere Gefahr“.

Das Niederschlagsdefizit beträgt bis jetzt zehn bis 30 Prozent, sagt Klaus Moritz

„Seit etwa 14 Tagen wurden an den terrestrischen Stationen keine Niederschläge registriert“, fasst Klaus Moritz vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (WWA) die Situation zusammen. Aufgrund des Klimawandels befindet sich der Landkreis nun schon seit mehr als 20 Jahren in einem Niederschlagsdefizit gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Dieser Trend setzt sich laut Moritz auch im Kalenderjahr 2025 fort. „Das Defizit beträgt seit dem 1. Januar etwa zehn bis 30 Prozent“, so Moritz.

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Einer der messbaren Faktoren für Waldbrandgefahr ist der Wassergehalt in den Waldböden. Aus dem Bodenfeuchteviewer des DWD ergibt sich, dass der Ebersberger Forst „keine großen Trockenheitszustände“ aufweist, wie Moritz erläutert. Bis zu einer Tiefe von 20 Zentimetern liegt die nutzbare Feldkapazität des Bodens – also der Anteil des Wassers im Boden, der für Pflanzen verfügbar ist – derzeit zwischen 75 und 80 Prozent.

Von einem trockenen Boden würde man erst ab rund 50 Prozent nutzbarer Feldkapazität sprechen. Allerdings zeigt sich in dem Viewer auch, dass die Bodenfeuchte über die vergangenen Wochen stark abgenommen hat. Anfang März lag sie noch bei knapp 93 Prozent.

Es besteht erhöhte Alarmbereitschaft bei den Ämtern und bei der Feuerwehr

Also ist man in Ebersberg wachsam. Mit dem 1. März beginnt offiziell die Waldbrandsaison, 85 Prozent aller Waldbrände in Deutschland treten jedoch in den Monaten Mai bis Juli auf. Trotzdem mahnt Heinz Utschig: „Wenn die Sonne so herunterknallt, ist das immer gefährlich.“

Utschig ist Leiter des Forstbetriebs Wasserburg bei den Bayerischen Staatsforsten und für den Forst zuständig. „Es haben bereits Beobachtungsflüge über den Ebersberger Forst stattgefunden“, sagt er.

Darüber hinaus sei das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, das auch die Beobachtungsflüge steure, in eine erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. „Die Kollegen dort befinden sich nun in einer 24-stündigen Rufbereitschaft“, so Utschig. Zudem seien die Feuerwehren des Landkreises über die erhöhte Waldbrandgefahr informiert.

Nur etwa fünf Prozent aller Waldbrände in Deutschland gehen auf natürliche Ursachen zurück

Wobei Waldbrandgefahr nicht ganz das richtige Wort ist, wie Utschig ausführt: „Das, was derzeit besonders ausgetrocknet ist, sind weniger die Bäume, sondern vielmehr das Gras und andere bodennahe Vegetation.“ Am vergangenen Donnerstag kam es auf der Bahnstrecke zwischen München und Ingolstadt bereits zu einem Böschungsbrand, der den Bahnverkehr lahmlegte. Auslöser war wohl ein Güterzug, dessen Achse heiß gelaufen war und Funken geschlagen hatte.

Auch im Ebersberger Forst bestünde die Gefahr, dass Gras und Büsche am Straßensaum durch Unachtsamkeit in Brand gerieten, so Utschig. Sowohl das Rauchen von Zigaretten als auch das sonstige Entzünden von Feuern – etwa zum Grillen – seien zwar ohnehin im Forst verboten. Dennoch müssten „die Bürgerinnen und Bürger zur Zeit besonders aufpassen“. Auch Glas könne unter bestimmten Umständen wie eine Linse fungieren und einen Brand entzünden. Nur rund fünf Prozent aller Waldbrände haben eine natürliche Ursache wie etwa einen Blitzschlag.

Daran, dass es im Ebersberger Forst jedoch schon einmal gebrannt hätte, kann sich Heinz Utschig nicht erinnern. Eine der gefährlichsten Situationen der vergangenen Jahre war vermutlich, als ein Traktor nahe Kirchseeon in Flammen aufging. Dank des Eingreifens der Feuerwehr konnte ein Ausweiten der Flammen jedoch verhindert werden.

Waldbrände sind in Bayern bisher selten, doch die Entwicklungen der vergangenen Jahre deuten darauf hin, dass sich das ändern könnte. Längere Trockenphasen und steigende Temperaturen begünstigen Brände – ein Trend, der sich mit dem Klimawandel weiter verstärken dürfte.

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