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Wahlkampfauftakt:Selbstbewusst ins Abenteuer Politik

SPD-Landratskandidat Ernst Böhm startet in Poing seine Tour durch alle Landkreisgemeinden, während andere Bewerber noch auf die Nominierung warten.

Zu den charmantesten Eigenheiten der bayerischen Sprache gehört der bayerische Konjunktiv. "I waar dann do", kündigt ein gestandener Bayer an, wenn er beispielsweise zu einem Termin beim Arzt erscheint: höflich-vorsichtiges Auf-sich-aufmerksam-machen, ohne zu viel Gewese um die eigene Person. Ernst Böhm, der Landratskandidat der SPD, beherrscht diesen bayerischen Konjunktiv perfekt. "I kamat ja vom Bau, do dad i ja sogar was versteh' davon", sagt er über sich, wenn er zum gewaltigen Bauetat des Landkreises gefragt wird und Möglichkeiten, da und dort vielleicht zu sparen. Dass er, der Unternehmer, das Zeug hätte zum Landrat, davon muss er nach eigener Rechnung jetzt - mit Unterstützung seiner Helfer - noch ungefähr 21 000 Menschen überzeugen. Immerhin ist er früher dran als alle anderen Kandidaten - die müssen erst noch offiziell nominiert werden, bevor sie ebenfalls auf Wahlkampftour gehen können. Böhm hingegen hat am Dienstag seine Tour, die ihn durch alle 21 Gemeinden führen wird, in Poing gestartet.

Florian Stern, der Poinger SPD-Ortsvorsitzende, der auch den Wahlkampf des Kandidaten organisiert, hat dabei ein straffes Programm zusammengestellt: den alten Ortsteil, die neue Ortsmitte und sogar Grub lernte Böhm unter exklusiver Führung von Bürgermeister Albert Hingerl kennen. Auch das Bauzentrum und das Neubaugebiet Zauberwinkel erkundete der Kandidat, zwischendurch stellte er sich den Besuchern des Seniorentreffs der Arbeiterwohlfahrt vor. "Was ist gut, was ist schlecht, wo könnte der Landrat hier helfen?", wollte Böhm überall von seinen Gesprächspartnern wissen.

Auch über den Weißwürsten, die mittags bei "Onkel Ivo" im Poinger Hof serviert wurden, gingen die Fachgespräche weiter - diesmal mit einer kleinen Runde von Unternehmern, die den Kandidaten ebenfalls unter die Lupe nehmen wollten. "Als ich gehört habe, dass Sie sich ,opfern', habe ich das höchst interessant gefunden", bekannte Architekt Hugo Karasz. "Ich finde es positiv, dass es jetzt einmal einen Landratskandidaten aus dem Gewerbebereich gibt", stimmte auch Günter Furtner, Vorsitzender des Poinger Gewerbeverbands zu. Er habe inzwischen schon etliche positive Rückmeldungen von Mittelständlern, die eigentlich der CSU zugeneigt seien, erzählte Böhm selbst. In den "Social Media", denen er sich vorsichtig nähere, würden hingegen auch andere Ansichten vertreten: "Manche schreiben, ein Bauunternehmer kann nicht ehrlich sein. Dabei kennen die mich nicht einmal!"

Dann aber ging es auch schon ans Inhaltliche: weniger bürokratische Hürden, mehr Kundenfreundlichkeit waren zwei der Wünsche der Unternehmer. Günter Furtner regte aber auch an, mehr interkommunale Zusammenarbeit zu pflegen. "Es wäre doch gut, wenn es eine Kommission gäbe, die sich mit der Abstimmung solcher Großprojekte wie das Gewerbegebiet in Parsdorf beschäftigen würde", schlug er vor. Doch auch das Vergaberecht, die drohende Privatisierung der Trinkwasserversorgung oder die langsam mahlenden Mühlen der bayerischen Bauverwaltung waren Themen.

Böhm gab den Zuhörern aber auch einen kleinen Einblick, wie er sich als Landrat in den einzelnen Abteilungen einarbeiten würde: als Praktikant gewissermaßen. "Ich würde in jeder Abteilung zwei, drei Tage mitarbeiten und schauen, wie es funktioniert", sagte der 55-Jährige. So mache er es auch in Niederlassungen seines Unternehmens bisweilen, vor allem, wenn dort das Geschäft einmal nicht so gut laufe. Für ihn, so räumte er ein, sei die Kandidatur schon "ein kleines Abenteuer, weil ich nicht weiß, was auf mich zukommt". An Selbstvertrauen mangelt es dem Grafinger dennoch nicht: "Ich mache das ganz ernsthaft und glaube, dass ich gewinne", sagte er. Bürgermeister Albert Hingerl, der auch SPD-Fraktionschef im Kreistag ist, dachte sogar noch ein paar Schritte weiter: "Da müssen wir dann in der zweiten Amtszeit auf ihn aufpassen", konstatierte Hingerl, als Böhm erzählte, dass er sich im Schnitt alle zehn Jahre eine mehrmonatige berufliche Auszeit gönne.

Bevor die SPD sich darüber ernsthaft Gedanken machen muss, ist aber noch einiges zu tun. Markt Schwaben und Anzing sind die nächsten Gemeinden, die Ernst Böhm besuchen will. Ein größerer Auftritt des Kandidaten ist dann beim politischen Aschermittwoch in Ebersberg geplant