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Wahl in kleiner Runde:Schatztruhe, Tetris und Basisdemokratie

Der Kreisverband der Piratenpartei nominiert in Grafing Kandidaten für die Landtags- und Bezirkstagswahlen im Herbst

- Ein bisschen Klischee darf schon sein, das schafft schließlich Wiedererkennungswert. Deshalb sammelten die Mitglieder der Piratenpartei bei ihrer Kür der Stimmkreiskandidaten für Land- und Bezirkstag am Mittwoch, die Wahlzettel auch in einer Art Schatztruhe ein. Und dass sich einige der Teilnehmer während der Auszählung die Zeit mit dem Summen des Titelliedes von Tetris vertrieben, passt gut zum Image der oft als "Computer-Partei" bezeichneten Gruppierung.

Anderen Vorurteilen sollten die Piraten allerdings getrost stärker entgegenwirken, empfahl Ronny Pasemann, der sich auf der Versammlung als Direktkandidat zur Landtagswahl empfahl. "Wir sind nicht alle untersetzt, bleiche Computerfreaks, ohne soziale Kontakte außerhalb von Facebook und Twitter." Deshalb gelte es, sich den Wählern eben nicht als "nur die Internet-Partei" darzustellen, sondern als ernstzunehmende Alternative. Denn die Piraten seien "die einzige Partei ohne Klüngel", betonte Pasemann. Als ehemaliges SPD-Mitglied könne er seiner Gruppierung nur raten, die Strukturen der etablierten Parteien nicht zu übernehmen.

Dass die Piraten zumindest anders sind als ihre Konkurrenz, zeigte sich schon daran, das Pasemann überhaupt bei der Aufstellungsversammlung als möglicher Landtagskandidat teilnahm. Denn eigentlich war nur die Schatzmeisterin des Ebersberger Kreisverbandes, Maren Kammler, vorgeschlagen. Er habe seine Probleme damit, dass es nur eine Kandidatin gebe, die dann vielleicht einstimmig gewählt werde, meinte der 34-Jährige aus Kolbermoor nach der Vorstellung von Kandidatin Kammler. "Dann nominiere ich Dich jetzt als meinen Gegenkandidaten", so die 33-jährige Speditionskauffrau. "Ich fände es bedenklich, wenn ich jetzt 100 Prozent bekomme." Eine Alternative sei sehr gut, schließlich gebe es "sicher den einen oder anderen, dem ich nicht passe".

Herauszufinden, welcher Kandidat ihnen passt, dazu hatten die 15 übrigen Teilnehmer der Versammlung reichlich Gelegenheit. Denn die Fragerunde mit den Kandidaten gestaltete sich sehr ausführlich. Die Landespolitik, für die sich Kammler und Pasemann eigentlich bewarben, spielte dabei nur sehr am Rande eine Rolle, vielmehr wollten Mitglieder und Besucher grundsätzliche politische Statements aus den Kandidaten herauskitzeln.

Etwa, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit verlaufen sollten. Die Kandidaten waren sich einig, dass rechtsradikale Äußerungen nicht, rechtspopulistisches Gerede aber sehr wohl von der Meinungsfreiheit gedeckt seien. "Verbote stärken die Extremisten nur", meinte Pasemann, gewisse unschöne Äußerungen müsse "eine gesunde Demokratie ertragen". Nicht einig waren sich die Kandidaten in ihrem Verständnis von Drogenpolitik. Während sich Kammler eine vorsichtige Liberalisierung weicher Drogen wie Cannabis vorstellen könnte, würde Pasemann, "ganz im Gegensatz zur Parteilinie" eher für mehr Drogenverbote eintreten. Dass die Parteilinie im Zweifelsfall hinter der persönlichen Gewissensentscheidung zurücktreten muss, darüber waren sich die beiden dann wieder einig. Auf die Frage, was sie tun würden, falls sie heute nicht nominiert würden, antworteten beide nicht nur übereinstimmend, sondern genau so wie es wohl auch Kandidaten der anderen Parteien getan hätten: "Trotzdem einen guten Wahlkampf." In diesem wird nach dem Willen der sieben stimmberechtigten Anwesenden Maren Kammler als Direktkandidatin für den Landtag antreten. Ein Klüngel-verdächtiges Ergebnis erhielt sie im übrigen nicht, sie wurde denkbar knapp mit vier zu drei Stimmen nominiert.

Wesentlich einfacher gestaltete sich anschließend die Nominierung des Bezirkstagskandidaten, denn dafür trat nur der Ebersberger Kreisvorsitzende Thomas Schmidt-Behounek an. Für den Fall seiner Wahl will er sich besonders für die Themen Energie und Umwelt sowie die Bildung einsetzen.