Vorverkauf für Konzertabend Ein großer Tusch!

Die "Glonner Musi" feiert das erste Mal Geburtstag - mit einem viertägigen Fest und einer Chronik, die von 175 bewegten Jahren zeugt

Von Anja Blum

Die "Glonner Musi" feiert 175. Geburtstag.

(Foto: Veranstalter)

Die Glonner Musi begeht ihren 175. Geburtstag, und zwar mit einem großen, viertägigen "Musifest". Aha, denkt man sich da, die können das ganz runde Jubiläum offenbar nicht erwarten und feiern deshalb lieber alle fünf, anstatt nur alle zehn Jahre. Schließlich eilt der Spezies der Musikanten ja auch ein entsprechender Ruf voraus. Doch weit gefehlt! Die Glonner Musi hat ihren Geburtstag nämlich noch nie zelebriert. Und wenn doch, ist es so lange her, dass sich keiner mehr daran erinnern kann.

Etwa vor zwei Jahren keimte in der Glonner Musi die Idee auf, dass man mal ein eigenes Fest ausrichten könnte, einfach, um sich für die vielen Einladungen anderer Kapellen zu revanchieren. Allein: Es mangelte an einem offiziellen Anlass, niemand wusste, wann die Glonner Musi überhaupt Geburtstag hat. Also bat der Verein den Ortschronisten Hans Obermair darum, Licht in die Vergangenheit der Blaskapelle zu bringen - was dieser in seiner bewährt verlässlichen wie gründlichen Weise gerne tat. Und die erste schriftliche Erwähnung eines Auftritts, die Obermair für seine Chronik zutage förderte, ist ein Neujahrsanblasen am 1. Januar 1844. Deswegen können die Glonner Musiker heuer 175-jähriges Bestehen feiern.

An Silvester 1844 spielte die Diemer Musi, so hieß die damalige Glonner Blaskapelle. Sie wurde geleitet von Musimoaster Alois Diemer, Drechsler in Westerndorf, und absolvierte noch im selben Jahr weitere 49 Auftritte. Man musizierte in Glonn, aber auch in Aying oder Markt Schwaben - was durchaus erstaunlich ist, wie die Festschrift zum Jubiläum erläutert, "weil die Strecken größtenteils zu Fuß zurückgelegt werden mussten". Bemerkenswert ist auch, dass es in Glonn immer Familien gab, die das Blasmusik-Gen über Generationen weitervererbten und so die Tradition der Kapelle aufrecht erhielten. Nach den Diemers waren das die Faßrainers, heute stehen vor allem die Namen Sigl und Singer für die Glonner Musi.

Eine "Bläserklasse" bringt den nötigen Nachwuchs

Unterbrochen wird das Bläsertum in Glonn jedoch von den beiden Weltkriegen. Ab 1942 ist laut den Recherchen von Obermair kein Auftritt mehr nachzuweisen, nach 1945 nimmt die Musik in Glonn nur langsam wieder Fahrt auf. Auch die Gruppen im Umkreis haben nicht genügend Mitglieder, weswegen die Glonner mit den Bairern, Höhenrainern, und Vagenern eine Glonntaler Blaskapelle bilden, die bis 1965 besteht. Gut zehn Jahre später ergreift in der Marktgemeinde der Chor- und Orchesterverein die Initiative, unter seinem Dach entsteht eine neue Blaskapelle. Doch es gibt interne Meinungsverschiedenheiten, so dass sich zwei Gruppen herausbilden: eine Blas- und eine Musikkapelle. Erst 20 Jahre und einige nächtliche Gespräche später siegt die gemeinsame Begeisterung für gute Musik: Unter dem Dirigenten Albert Singer und dem Vorsitzenden Martin Sigl gelingt im Jahr 2000 die Fusion, die offizielle Gründung der Glonner Musi.

Heute versammeln sich unter ihrem Dach etwa 80 Instrumentalisten, 40 in der Jugendkapelle und noch einmal so viele in der großen Kapelle. Dass die Nachwuchsarbeit gelingt, liegt an der "Bläserklasse", einer äußerst fruchtbaren Kooperation mit der Grund- und der Musikschule: Bereits in der dritten und vierten Jahrgangsstufe werden die Kinder hier an Blasinstrumente herangeführt, danach können sie sofort in die Jugendkapelle einsteigen und dann, sobald sie das bronzene Leistungsabzeichen in der Tasche haben, sogar bei den Großen mitspielen. "Und das macht Riesenspaß!", sagt der 18-jährige Posaunist Felix Schmidt, der das gesamte Procedere gerade erst durchlaufen hat.

In der "Glonner Musi" spielen, helfen und halten Jung wie Alt zusammen: Benedikt Heyenbrock vom Festausschuss, Dirigent Albert Singer und seine Tochter Lena, Vorsitzender Bernhard Sigl, Schriftführerin Heide Künzner und Neuzugang Felix Schmidt.

(Foto: Christian Endt)

Das Repertoire der Glonner Musi ist indes nicht weniger beachtlich als ihre Größe: Bespielt werden sämtliche Anlässe in diversen Besetzungen, von der Hochzeit bis zur Beerdigung, von der Fronleichnamsprozession bis zum Volksfest. Die Kapelle hat traditionelle bayerische Blasmusik genauso im Angebot wie Klassisch-Konzertantes oder moderne Stimmungsmusik. Letzteres kommt auch Musimoaster Singer zugute, da dieser als Dirigent seine Trompete doch sehr vermisste. Nun darf er sich als Sänger einbringen - "das ist ein sehr schöner Ausgleich", sagt der 44-Jährige und strahlt übers ganze Gesicht.

Krawatten beim Wiesneinzug? Nichts für die Glonner

Albert Singer ist einer von denen, die ihr Hobby wirklich mit Begeisterung leben: "Musik in jeglicher Form tröstet uns, feiert, bewegt und beflügelt uns. Aber Achtung! Es besteht Suchtgefahr!" Ihm zur Seite steht Bernhard Sigl, der Vorsitzende des Vereins, der "scho a bissl stolz is auf unsa Musi, so wias heid do steht". Beide halten der Kapelle schon sehr lange die Treue, sie sind bereits mit zwölf Jahren eingetreten. Wichtig ist den beiden Chefs, neben guten Auftritten natürlich, der Zusammenhalt in der Truppe. Dass Freundschaften entstehen und dass man sich stets aufeinander verlassen kann. "Bei uns muss man nie betteln, die Musiker sind immer zur Stelle, auch kurzfristig und zu Unzeiten", sagt Sigl. Sei es werktags zu einer Beisetzung oder für ein frühmorgendliches Ständchen zu einer Geburt.

Dass die Stimmung innerhalb der Glonner Musi sehr gut ist, ahnt jeder, der einen Blick in die Festschrift wirft. Etliche Anekdoten werden darin erzählt, von einem heimlich in die Partitur eingefügten Trompetensolo zum Beispiel, von einem, der angesichts eines brennenden Autos für die Notenblätter sein Leben riskiert, oder von der erfolgreichen Weigerung der Glonner, zum Münchner Wiesneinzug Krawatten zu tragen - bis heute. Auffallend daran ist außerdem, dass viele der Geschichten doch mit dem Trinken zu tun haben. Mal geht es um einen Streik wegen einer Bierpreiserhöhung, mal um die gute Tradition, auf der Grafinger Leonhardifahrt wärmenden Schnaps mitzuführen, und dann wieder um das Glück, im Festzelt nach Schankschluss noch einen Pfiff ergattern zu können. Insofern besteht doch durchaus die Hoffnung, dass die Glonner Musi von nun an regelmäßig Geburtstag feiert. Schön wär's!

Jubiläum der "Glonner Musi" von 10. bis 13. Mai mit Weinfest, Konzert, Festsonntag und Kesselfleischessen. Vorverkauf beim Obermair von Montag, 15. April, an. Infos: www.glonner-musifest.de.