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Ebersberger Skulpturenpark:Kraftvolle Kunst

Robert Gockner, Lothar Ungert und Björn Nonhoff haben die erste Outdoor-Galerie im Landkreis Ebersberg gegründet. Die offizielle Eröffnung musste zwar verschoben werden, doch ein Besuch lohnt sich jetzt schon

Von Anja Blum

Wen derzeit die Sehnsucht umtreibt nach Kunst und Anregung für den Geist - und zwar in Echt, nicht am Bildschirm - der sollte sich aufmachen nach Weiding. In dem Weiler nordöstlich von Ebersberg nämlich entsteht gerade ein Refugium der Kreativität, das sich jederzeit ganz Corona-konform besuchen lässt: ein Skulpturenpark. Und momentan, wo die Natur obendrein ein optisches Feuerwerk aus glitzernden Eiskristallen und weißer Schneedecke bietet, ist es dort besonders schön.

Hinter der Outdoor-Galerie stecken drei Künstler: Robert Gockner, Björn Nonhoff und Lothar Ungert. Vor etwa eineinhalb Jahren aßen sie anlässlich einer Ausstellung im Ebersberger Kunstverein gemeinsam zu Mittag, der eine träumte von einem Ort für Kunst am Meer, der andere bot zwar keinen Strand, aber viel Platz in der oberbayerischen Idylle, und der dritte sagte "Pack mas!" Als Gründungsurkunde diente kurzerhand eine Serviette - und schon war der Ebersberger Skulpturenpark geboren. "Vortex-Galerie" heißt das Projekt, das lateinische Wort bedeutet "Wirbel". Ein Besucher aus San Francisco hatte die Idee für den Namen, und da es den drei Gründern auch um Energie geht, die Kreise ziehen soll, war die Sache schnell geritzt.

Weiding zwischen Ebersberg und Steinhöring ist ein Weiler aus ein paar Höfen und die Heimat von Robert Gockner. Die Landwirtschaft seiner Familie wurde längst wegrationalisiert, heute dient das weitläufige Anwesen Gockner als Schmiedewerk. Handwerk sowie Kunst entstehen in seiner Werkstatt - und nun hat auch das Außengelände eine neue Bestimmung gefunden. Der Hausherr hat es umgestaltet, Stufen, Plätze, Wege und einen Hügel angelegt, um allerhand Skulpturen einen möglichst ansprechenden Rahmen zu bieten. Wobei die Wiesen, Felder und Wälder, die den Hof umgeben, freilich das Ihrige beisteuern. Hier können Auge und Seele wandern, vielleicht sogar fliegen, von der Kunst in die Weite und wieder zurück.

Dass hier ein besonderer Geist weht, ist den drei Vortex-Gründern sehr wichtig. Ihre neue Outdoor-Galerie soll nicht nur Ausstellungs- und möglichst auch Verkaufsraum sein, sondern ein "Kraftort", an dem man sich intensiv begegnen, inspirieren lassen und wieder auftanken kann. Deswegen haben sie zu Beginn sogar einen Schamanen mit ins Boot geholt und das Projekt nach indianischem Ritus in einer Schwitzhütte sozusagen eingeweiht. Eine ganz besondere Erfahrung sei das gewesen, sagt Ungert und reißt die Augen auf - Nonhoff grinst. Er nämlich ist für die "Spiritualität" im Team zuständig. Sogar ein sieben Meter hohes Tipi hat er aufgebaut, darin sollen am Lagerfeuer Gedanken und Geschichten ausgetauscht werden, wenn es die Lage wieder zulässt.

Freilich hätte es auch längst eine feierliche Eröffnung der Vortex-Galerie geben sollen, doch die Pandemie kam den Machern dazwischen. Bedauerlich, aber kein Beinbruch, da sind sie sich einig. "Jetzt hat das Projekt die Chance, ganz in Ruhe zu wachsen", sagt Gockner. Überhaupt sei das ein großer Vorteil des Unterfangens: Es gebe keinen Druck, weder finanziell, noch räumlich. Alles kann, nichts muss. Andere Künstler sind herzlich eingeladen, den Machern Werke für die Galerie anzubieten, Vielfalt ist Teil des Konzepts, und Platz schier unendlich vorhanden. "Viele Bildhauer haben ihre Arbeiten einfach auf dem Hof stehen, dabei wäre eine richtige Präsentation an so einem Ort doch viel schöner", so der Hausherr. Über den Kunstverein möchte man diese Möglichkeit demnächst ausschreiben. Besucher wiederum können den Skulpturenpark jederzeit auf eigene Faust erkunden, oder aber eine Führung vereinbaren. Offizielle Öffnungszeiten gibt es nicht. Doch wenn die Zeit reif ist, sollen Veranstaltungen, etwa Lesungen im Tipi, den Ort zusätzlich beleben.

Denn Björn Nonhoff ist ein vielfältig Kreativer, er zeichnet, malt, illustriert, erzählt Geschichten. Das Vortex-Projekt aber hat den Grafinger nun inspiriert, sich auch in größerem Format auszudrücken. "Compassion - grenzenloses Mitgefühl" heißt sein riesiges Kreisfragment aus Eisen, das er zusammen mit Gockner realisiert hat und nun in den Himmel über der Outdoor-Galerie weist. Es korrespondiert auf wunderbare Weise mit Gockners Arbeiten, die deutlich mehr Bodenhaftung aufweisen. Der Bildhauer arbeitet mit schwerem Material, mal figürlich, mal abstrakt, schafft Gestalten aus Stein, Metall oder Holz, ein "Boandl" und ein "Gollum" bevölkern das Gelände genauso wie ein Königspaar aus Baumkronen, dazwischen sind etliche, zu diversen Formen gewundene Eisenstangen zu bestaunen. Lothar Ungert ist von seiner Profession her ebenfalls Kunstschmied, aber, wie er sagt, "freiberuflich in jeder Hinsicht tätig", sogar der Malerei hat er sich inzwischen verschrieben. In der Vortex-Galerie ist der Grafinger mit einer Installation aus Straßenschildern vertreten, die er gefaltet und zusammengesetzt hat - ein herzerfrischender Wegweiser ins Nirgendwo. Zu den Gästen auf dem Gelände zählen bislang Andreas Mitterer, der Ebersberger Künstler hat zwei "Wächter" beigesteuert, sowie Herbert Pöschl. Der stachelige Quader des Schmieds aus Obing trohnt ganz oben auf dem Hügel. "Da soll es um einen Ehestreit gehen", sagt Nonhoff und lacht. Noch kann der Besucher solche Interpretationen nur erahnen, doch es sind Tafeln geplant, auf denen die Skulpturen erläutert werden.

Letztlich hoffen die drei Macher, dass ihre neue Outdoor-Galerie bald ein Ort des kreativen Austauschs für die ganze Region sein wird, ein Kraftort inmitten schöner Natur, wo man Kunst genießen und erwerben kann. Dass die Präsentation der Werke sich wie ein Puzzel immer wieder neu zusammensetzen wird - und es im Frühjahr endlich richtig losgehen kann. Doch ein Besuch lohnt sich auch jetzt schon, so viel steht fest.

Vortex-Galerie, Weiding 2 in Ebersberg, www.vortexgalerie.com; Kontakt: info@zeitreich.de

© SZ vom 09.01.2021
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