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Vorschlag der Ebersberger SPD:Zweiter Bahnhof statt Ausweichgleis

Eine Idee aus den 1970er Jahren soll die Bahnstrecke attraktiver machen

Bei einem sind sich alle einig: Auf der eingleisigen Strecke zwischen Grafing-Bahnhof und Ebersberg muss etwas passieren, damit es dort nicht ständig zu Verspätungen und Zugausfällen kommt. Bisher wurde vor allem ein Ausweichgleis als mögliche Lösung genannt - die SPD Ebersberg bringt aber nun eine andere Idee ins Spiel: Es könnte auch ein zweiter Bahnhof in der Nähe des Stadtteils Süd-West gebaut werden, wie Stadtrat Christoph Münch nun in einer Pressemitteilung ausgeführt hat.

Richtig neu ist diese Idee nicht, ganz im Gegenteil, schon in einer Broschüre für das Baugebiet in der Karwendelstraße aus den 1970er Jahren wird dieses Projekt "in naher Zukunft" angekündigt. Warum es nie realisiert wurde, lässt sich laut Münch heute kaum mehr nachvollziehen. Doch mittelfristig könnte dieses Projekt seiner Überzeugung nach durchaus einen Beitrag zur Verbesserung des Bahnverkehrs zwischen Grafing und Ebersberg leisten. Denn, so gibt Münch zu bedenken, eine sogenannte Doppelspurinsel, bei der Züge auf einem längeren zweigleisigen Abschnitt aneinander vorbei fahren können, sei teuer und die Umsetzung dauere wegen der notwendigen Planungen und des Grunderwerbs vergleichsweise lange. Schneller ginge es, einen kurzen zweigleisigen Abschnitt zu errichten, auf dem ein Zug stehen bleibt, damit der entgegenkommende vorbeifahren kann.

"Sollte eine kurze Ausweichstelle mit Zughalt gebaut werden, ist es naheliegend, an dieser Stelle einen Bahnhof zu errichten, um den ohnehin notwendigen Halt des Zuges zu nutzen", so Münch in seiner Pressemitteilung. Damit der Bahnhof angenommen würde, sollte er so nahe wie möglich am Ebersberger Stadtgebiet liegen. Hierfür biete sich der südlich der Straße "Im Augrund" gelegene Streckenabschnitt der Bahnlinie an. "Der Bahnhof wäre an dieser Stelle vor allem für die Bewohner des Stadtteils Süd-West zu Fuß und mit dem Fahrrad gut erreichbar", erläutert der SPD-Stadtrat.

In seinen Augen wäre der Zeitpunkt günstig, das Projekt nun in Angriff zu nehmen. Sollte die "Stationsoffensive Bayern" zur Errichtung von 20 neuen Bahnhöfen nach 2023 fortgeschrieben werden, "könnte eine positive Prüfung der Machbarkeit die Grundlage für die Aufnahme" in das neue Programm sein, so Münch. Zum anderen habe der Bund Mitte 2019 angekündigt, seine Ausgaben in den Ausbau der Bahninfrastruktur deutlich zu erhöhen. Bis 2030 seien Investitionen in Höhe von 86 Milliarden Euro in das Schienennetz der Bahn geplant.

Münch: "Die Vision eines zweiten Bahnhofs für Ebersberg wird nicht in naher Zukunft umgesetzt werden. Die Chancen, mittelfristig einen zweiten Bahnhof zu errichten und die Attraktivität des ÖPNV zu steigern, sind momentan aber so hoch wie nie. Was manchem heute noch als Utopie erscheint, könnte in einigen Jahren bereits mehrheitsfähig sein." So sei es derzeit auch mit der Tunnellösung für eine Ebersberger Ortsumfahrung. Als Philipp Goldner (Grüne) diese im Jahr 2007 vorgeschlagen habe, sei dies vielen als unrealistisch erschienen, während eine Tunnelvariante als Ortsumfahrung heute die größte Akzeptanz finde.

© SZ vom 24.01.2020 / SZ
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