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Vogelschutz im Landkreis Ebersberg:Aus Liebe zur Natur

Benedikt Sommer

Benedikt Sommer leitet künftig den Kreis-LBV.

(Foto: Andreas Junkmann)

Benedikt Sommer ist neuer Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe

Den einen Vogel, der Benedikt Sommer besonders beeindruckt, trifft man im Landkreis Ebersberg eher selten an: einen Bartgeier, mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern. "Wenn der über einen hinwegfliegt, das ist schon faszinierend", sagt Sommer. Beobachtet hat der 36-Jährige das imposante Tier im vergangenen Jahr im Nationalpark Hohe Tauern, wo er mit Richard Straub unterwegs war. Seinen damaligen Reisepartner hat Sommer nun als Erster Vorsitzender der Ebersberger Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) beerbt. Als solcher will er die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fortsetzen, dem Verein aber auch den ein oder anderen neuen Impuls geben.

Benedikt "Bene" Sommer wohnt mit seiner Frau Daniela und dem gemeinsamen Sohn im Forstinninger Ortsteil Schwaberwegen - und kennt deshalb die häufigen Konflikte zwischen Umweltschutz und öffentlichen Interessen nur zu gut. Schließlich soll schon bald eine neue Umfahrung den Durchgangsverkehr an dem kleinen Dorf vorbeilenken, wofür allerdings Teile des Ebersberger Forsts geopfert werden müssen. Das hat den Maschinenbauingenieur vor dreieinhalb Jahren auch dazu bewogen, dem LBV beizutreten. "Es wird immer viel über Umweltschutz geredet, aber häufig steckt eben nicht viel dahinter", sagt Sommer.

Obwohl das Wort "Vogel" noch im Vereinsnamen steht, hat Sommer beim LBV dennoch eher das große Ganze im Blick. "Wir sind im Grunde genommen ein Verein für Artenschutz", sagt der neue Vorsitzende. Damit führt er die Linie fort, die sein Vorgänger Richard Straub in den vergangenen zwölf Jahren gefahren ist. Große Veränderungen in der inzwischen auf etwa 1200 Mitglieder angewachsenen Kreisgruppe wird es deshalb vorerst nicht geben. Es sei, so Sommer, ein fließender Übergang, bei dem er von Straub auch weiterhin gut unterstützt werde.

Dennoch will Sommer auch ein paar neue Ideen einfließen lassen, was zunächst vor allem das vereinsinterne Miteinander betreffen wird. So soll es künftig mehr Veranstaltungen geben, die Kommunikation soll verbessert und die Mitglieder sollen mehr eingebunden werden - auch, um für ein bisschen mehr Lockerheit zu sorgen: "Wir kümmern uns um ein wichtiges Thema, das man deshalb nicht immer bierernst nehmen muss", sagt Sommer. Er wolle dazu beitragen, dass Mitglieder mit noch mehr Spaß bei der Sache sind.

Das scheint auch dringend nötig zu sein, angesichts der vielfältigen Aufgaben, mit denen man sich beim LBV auseinandersetzen muss. Diese umfassen zwar auch eher angenehm klingende Tätigkeiten wie das Kartieren von Feuersalamandern im Landkreis, aber eben auch viel Bürokratie. Dazu zählen neben Stellungnahmen bei Bauvorhaben auch Richtlinien für Bauherren, wie sie bei ihren Vorhaben den Artenschutz berücksichtigen können. "Oft sind es nur kleine Dinge, die man da beachten muss. Aber die Leute müssen es eben wissen", sagt Sommer. Er will deshalb mit dem LBV dem "Artenschutz eine Stimme geben".

Diese Stimme wird sich im Landkreis in diesem Jahr häufiger erheben, denn als eine der größten Herausforderungen sieht der neue LBV-Vorsitzende den möglichen Windpark im Ebersberger Forst. Ein Thema, wie Sommer zugibt, bei dem man selbst hin- und hergerissen sei, denn hier gehe es im Grunde um Naturschutz gegen Naturschutz. "Wir sagen natürlich ja zur Windkraft, aber doch nicht da, wo die letzten Refugien für Tiere sind." Jahrzehnte lang habe man Anstrengungen unternommen, den Forst für die Natur zu reservieren. Das, so Sommers Wunsch, soll nun nicht auf einen Schlag zerstört werden. Ohnehin outet sich der LBV-Vorsitzende als großer Fan des Ebersberger Waldgebiets, das er als "unheimliches Geschenk" bezeichnet. "Da haben wir etwas ganz Tolles. Darauf sollten wir aufpassen."

Das macht der LBV auch auf zwei eigene Flächen im Landkreis: Neben einem Gebiet im Aßlinger Filz betreuen die Mitglieder auch eine Wiese bei Hörmannsdorf, südlich von Ebersberg. Dort kümmert sich der LBV um die Renaturierung und hat auch ein "Tierhotel" eingerichtet. Wie viel die Mitglieder anpacken, bleibt jedem selbst überlassen. Natürlich freut sich Benedikt Sommer aber über jede helfende Hand. "Die aktuellen Themen halten uns ganz schön auf Trab." Auch wenn man es gerne würde, könne man deshalb gar nicht alles bearbeiten. "Das schaffen wir mit unseren Kapazitäten nicht", so Sommer. Dem hat es im Übrigen nicht nur der Bartgeier in den Hohen Tauern angetan: "Ich freu' mich genauso über das Rotschwanzl im heimischen Garten. Und über die Natur im Allgemeinen."

Der neue LBV-Vorstand: Benedikt Sommer, Richard Straub, Harald Süpfle, Volkhart Matthäus, Ursula Kunz, Judith Ortenburger, Daniela Sommer, Markus Urbanek, Wolf Karg, Wolfgang Sporer, Kristin Geisser.

© SZ vom 15.02.2020
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