Mit Pauken und Paketen Wie ein 60-Mann-Orchester von Grafing nach Südafrika kommt

Das Grafinger Jugendorchester fliegt am Dienstagnachmittag nach Johannesburg - für die nächsten Auftritte.

(Foto: Privat)

Die SZ begleitet das Grafinger Jugendorchester auf einer zehntägigen Südafrika-Reise. Mit all den Instrumenten wird es schon vor dem Hinflug spannend.

Von Korbinian Eisenberger

Das Grafinger Jugendorchester bricht am Dienstag zu einer ungewöhnlichen Reise auf: Mit 60 Musikern geht es nach Südafrika, Mittwochfrüh landet die Crew im 11 000 Kilometer entfernten Johannesburg, dort sind mehrere Auftritte geplant. Highlight ist ein gemeinsames Konzert mit dem Johannesburg Youth Orchestra am Sonntag in einer Woche. Die Süddeutsche Zeitung sponsert die Reise und begleitet das Orchester über die kompletten zehn Tage. Unser Redakteur ist in Südafrika dabei und berichtet von Mittwoch an in einer täglichen Kolumne. In Grafing läuft nun die Endphase der Vorbereitung.

Geigen-Wirbel aus Palisanderholz? Das gäbe Ärger, am Flughafen von Johannesburg. Also musste die Geige zu einem Geigenbauer. Der hat die Palisander-Wirbel durch Ebenholz ersetzt - ein Material, das laut südafrikanischer Artenschutzliste erlaubt ist. Bei den verschiedenen Lederarten wird es wieder schwierig. Einer der Geigenbögen muss daheim bleiben, weil der Griff aus Krokodilleder gemacht ist. Andere haben es beim Bogen besser erwischt. Ihnen hat der Instrumentenbauer Hausziegenleder am Griff bescheinigt. Hausziegenlederbögen sind in Südafrika erlaubt.

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Es hat etwas gedauert, bis sie hier alle den Bogen raus hatten. Bis jedes einzelne Instrument von einem Spezialisten Südafrika-gerecht zertifiziert - und notfalls dafür umgebaut wurde. Wenige Tage vor der Abreise sind die Musiker vom Grafinger Jugendorchester nun in der Endphase der Vorbereitung. Anfang der Woche haben sie die Pauken, Kontrabässe und Celli in riesige Frachtpakete verladen. 18 Kisten mit Instrumenten, insgesamt zwei Tonnen schwer. Für diesen Schwertransport zum Erdinger Flughafen haben sie vier Lieferwagen gebraucht. Die Instrumente sind mittlerweile in Johannesburg angekommen. Am Dienstagnachmittag hebt dann der Flieger mit den Besitzern ab.

Tage vor dem Abflug sitzen einige von ihnen daheim bei Hedwig Gruber in Grafing am Gartentisch. Die 58-Jährige leitet das Orchester seit Jahren, sie hat die Reise organisiert und klärt nun letzte Fragen. Sohn Hias und Tochter Teresa sitzen mit dabei, und Julius Gassert aus Ebersberg, er kümmert sich um den Social-Media-Auftritt. Ein Jahr haben sie gemeinsam Details vorbereitet, die zehntägige Tour ist stundenweise durchgetaktet. Höhepunkt soll der Sonntag sein, der 2. September. Dann werden 120 Menschen miteinander ein Konzert in Johannesburg geben, 60 aus Südafrika, und 60 aus Oberbayern. Jugendorchester Grafing meets Youth Orchestra Johannesburg. Ein musikalischer Akt der Völkerverständigung.

Vorbereitung daheim bei Grubers (von links): Hias Gruber, Korbinian Eisenberger, Julius Gassert, Teresa Gruber und Hedwig Gruber.

(Foto: Privat)

Johannesburg, diese Millionenstadt im Nordosten Südafrikas. Berühmt ist sie weniger für ihre Schönheiten, eher als eine der gefährlichsten Gegenden der Welt. Warum also ausgerechnet hier hin? "Die Idee schwirrt seit Jahren in meinem Kopf rum", sagt Hedwig Gruber. Ihre Tochter erinnert sich an den Besuch einer Familie aus Johannesburg in Grafing, damals war sie selbst fünf Jahre alt. Jetzt ist Teresa Gruber 20, Studentin, Tänzerin und Besitzerin einer Geige, die keine Palisander-Wirbel mehr hat. Seit dem Besuch aus Johannesburg war sie mit der Familie viermal selbst dort. "Es kam mir nie gefährlich vor", sagt ihr Bruder Hias. Und diesmal? "Wir sind immer in der großen Gruppe unterwegs", sagt Hedi Gruber. Kein sonderlich attraktives Ziel also für Überfälle.

Wie eine Heizglocke hing die Sonne in den vergangenen Tagen über Grafing. In Johannesburg wird es kühler sein, dort geht gerade der Winter zu Ende. Dafür werden die Grubers und ihre Musikerfreunde vom Jugendorchester ihrem Publikum dort ordentlich einheizen, mit Pauken und Trompeten, wenn sie denn ausgepackt sind, aus all den Paketen. Sie werden einen Mix aus Moderne und Klassik zum Besten geben: Swing, Rock, Folk, Blues - Boogie, Walzer, Tango und Mambo. Hauptsache eben: bunt.

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Klar, in Südafrika wird es um Musik gehen. Aber nicht nur, sonst könnten sie ja auch im Landkreis Ebersberg bleiben, wo dieses Jahr wieder alle Auftritte restlos ausverkauft waren. Um Johannesburg und seine verschiedenen Seiten kennenzulernen, geht es am Freitag auf eine Bustour - unter anderem durch die Township-Siedlung Soweto. Seit einem Aufstand 1976 gilt der Stadtteil als Symbol des Widerstandes in der Apartheidsära. Und als Zentrum von Elend und Armut. "Für viele von uns wird es eine komplett neue Welt sein", sagt Teresa Gruber. Eine Welt, wo einem das Instrument auf einmal sehr unwichtig vorkommen kann. Wo es plötzlich wurscht ist, ob man die erste oder zweite Geige spielt - und aus welchem Holz die Wirbel auch immer geschnitzt sind.

Neben der SZ unterstützen die Reise: Jeunesses Musikales, Bayerischer Musikrat, Gläser Stiftung, Rotary Ebersberg/Johannesburg, Raiffeisenbank Grafing, Rothmoser Grafing und Privatleute.