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VHS Vaterstetten:Die Gewinner des Literatur-Wettbewerbs 2020

Literaturwettbewerb für den Nachwuchs an der VHS Vaterstetten, die Gewinner

So romantisch wie dieser Schreibplatz ist das Haus, das Amelie Niederbäumer in ihrer Geschichte beschreibt, ganz und gar nicht. Die 13-Jährige aus Kirchheim wurde in der Kategorie der jüngeren Talente mit dem dritten Platz ausgezeichnet.

(Foto: Privat)

Jurorin beim Nachwuchs-Wettbewerb der VHS Vaterstetten ist eine Schriftstellerin. Gewonnen haben fünf Autorinnen - und ein Autor.

Von Nathalie Stenger

Man nehme das Stichwort "Orte", füge die VHS Vaterstetten hinzu, außerdem 56 kreative Jugendliche aus der Region: heraus kommt der Literaturwettbewerb 2020 und mit ihm sechs wunderbare Gewinnergeschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Themen der mitreißenden Plots reichen von "Licht aus, Fantasie an!" bis zu "Die Burgruine des Schattenlichts".

Kinder- und Jugendbuchautorin Juliane Breinl

Autorin Juliane Breinl gibt Jugendlichen gerne Tipps, wie sie gute Geschichten schreiben können.

(Foto: Rush Shawn/oh)

Bereits zum zweiten Mal hat die VHS Vaterstetten einen Literaturwettbewerb für Jugendliche veranstaltet. Im vergangenen Jahr waren "Netzgeschichten" gesucht, heuer galt es, eine Kurzgeschichte mit einer Länge von drei bis maximal sechs Seiten zum Thema "Orte" zu schreiben. In zwei Altersklassen, von 13 bis 15 und von 16 bis 18 Jahre, konnte jeweils ein erster, zweiter und dritter Platz erzielt werden. Obwohl die Preisverleihung - dank der Kreissparkasse gibt es 150, 100 und 50 Euro zu gewinnen - aufgrund Corona erst im Herbst stattfinden wird, stehen die Siegerinnen und der Sieger jetzt schon fest:

Lena Doll, Julia Thoma, Amelie Niederbäumer, Karlotta Hohmann, Emil Pogolski und Veronika Koch entführen ihre Leser in die Eiseskälte, in mondähnliche Landschaften und Parallelwelten, ihre Zeilen versetzen mühelos in die Vergangenheit auf einen rauschenden Tanzabend oder in geheimnisvolle Höhlen. Was ist Freiheit? Auch diese Frage beschäftigt eine Autorin.

Dass das Thema "Orte" die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu kunterbunten und höchst unterschiedlichen Geschichten inspiriert hat, bedeutet aber auch, dass die Auswahl der besten Texte nicht gerade einfach war. Ganz im Gegenteil - "das ist unwahrscheinlich schwer", bestätigt Jurorin Juliane Breinl. Wie bereits im vergangenen Jahr bildete die Kinder- und Jugendbuchautorin gemeinsam mit Peter Lang, dem Ideengeber des Wettbewerbs und ehemaligen Fachbereichsleiter für Sprachen an der VHS, die Jury. Breinl selbst gibt seit Jahren Schreibkurse an der VHS und weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Literaturwettbewerbe bewirken können:

Juliane Breinl hat es 2012 selbst bei einem Jugendbuchwettbewerb auf den ersten Platz geschafft. "Das war der Startschuss, mich ganz für das freie Schreiben zu entscheiden und meinen alten Beruf als akademische Sprachtherapeutin an den Nagel zu hängen", erzählt die heute erfolgreiche Schriftstellerin. Ihr wichtigster Tipp für Nachwuchsautoren: "Egal, wo eure Idee herkommt - ob motiviert durch eine Situation, einen Ort oder einen Charakterzug: Letztendlich hauchen nur die Figuren einer Geschichte echtes Leben ein. Je glaubwürdiger, lebendiger und vielschichtiger ihr sie agieren lasst, desto mehr Substanz bekommt die Geschichte." Show, don't tell - darum gehe es im echten Leben wie auch beim Schreiben.

Aber wie wählt man nun aus 56 Einsendungen die Gewinner aus? Grundsätzlich erfolgt die Bewertung bei der VHS anonym, das heißt, keiner der beiden Juroren weiß, wer die Geschichte geschrieben hat. Bekannt ist lediglich die Alterskategorie. Deshalb erfuhr Breinl erst im Nachhinein, dass die Erstplatzierte aus der Kategorie der Älteren, Karlotta Hohmann, an einem ihrer Schreibkurse teilgenommen hatte. "Das war eine riesige und sehr freudige Überraschung!", sagt die Jurorin.

Nach bestimmten Bewertungskriterien, die es seit dem ersten Wettbewerb gibt, etwa zu Titelwahl oder Spannungsbogen, treffen die Juroren zunächst ihre individuellen Entscheidungen. Erst danach geht es für Lang und Breinl gemeinsam weiter. "Wir tauschen uns über die Wettbewerbsgeschichten aus, sobald jeder alle gelesen und seine eigene erste Sortierung gemacht hat", erklärt Breinl. Hilfreich bei diesem Prozess, so die Jurorin, sei ihre Erfahrung als Dozentin und dass sie auch ab und zu Prosatexte lektoriere - das Bücherschreiben also nicht nur aus der Perspektive der Autorin erlebe.

Im vergangenen Jahr, bei den "Netzgeschichten", gab es ausschließlich Siegerinnen, heuer ist auch ein Junge unter den Gewinnern: Der 17-jährige Emil Pogolski schreibt in seiner Geschichte mit dem Titel "Frost" von der Macht der Kälte. Über diesen männlichen Preisträger freue sie sich sehr, sagt Juliane Breinl. Die geringere Teilnahme von Jungen an Schreibwettbewerben führt die Schriftstellerin vor allem auf generelle Vorurteile und damit einhergehende Vorgehensweisen von Verlagen und Buchhandlungen zurück. "Leider entsteht so ein Teufelskreis", erklärt die Jurorin: "Je weniger Vielfalt Jungen auf dem Buchmarkt geboten wird, desto weniger kann man sie zum Lesen motivieren". Ohne Lesen aber zumeist auch kein Schreiben.

Auch im kommenden Jahr wird es an der VHS Vaterstetten wieder einen Literaturwettbewerb für den Nachwuchs geben. Um was für ein Thema es sich dann handeln soll, möchten die Veranstalter aber noch nicht verraten. Breinl gibt nur einen kleinen Hinweis: "Wir erleben ja derzeit alle eine völlig neue Lebenssituation - und das hat uns zu dem Thema inspiriert". Wer jetzt schon neugierig ist, muss sich noch ein wenig gedulden: Die neue Aufgabenstellung werde im neuen Programmheft für den Herbst erscheinen, sagt Anja Rahimpour, die neue Fachbereichsleitung für Sprachen, Tanz und Musik an der VHS Vaterstetten.

Da Peter Lang nun in Rente ist, wird sie künftig Juliane Breinl bei der Bewertung der Geschichten zur Seite stehen. Anja Rahimpour spricht von einem großen Erbe, doch als Journalistin und mit einem abgeschlossenen Literaturstudium ist sie selbst "nicht ganz fern vom Fach". Außerdem könne sie es kaum erwarten, sich bald von den Texten der Jugendlichen "völlig reinziehen" zu lassen.

Dass junge Menschen, ganz geschlechterunabhängig, mit ihren Texten auch Erwachsene in den Bann ziehen können, davon ist auch Juliane Breinl überzeugt. Ihrer Meinung nach müssten alle Entscheidungsträger des Staates regelmäßig Geschichten lesen, die von Jüngeren geschrieben wurden. "Diese Texte offenbaren mir immer wieder", so die Autorin, "dass Kinder und Jugendliche zu allen Lebensthemen nicht nur einen Zugang, sondern auch wirklich etwas zu sagen haben, das großen Tiefgang hat und von viel Herz und Verstand zeugt."

Literaturwettbewerb der VHS Vaterstetten: Die Preisverleihung in Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse findet am Donnerstag, 10. September, um 17 Uhr im Konzertsaal der Musikschule statt. Bei Snacks und Musik wird die Autorin und Jurorin Juliane Breinl die prämierten Geschichten lesen.

Hier geht es zu den Porträts der Gewinner: Karlotta Hohmann, Emil Pogolski, Veronika Koch, Lena Doll, Julia Thoma, Amelie Niederbäumer

© SZ vom 26.06.2020
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