Vernissage in Wasserburg Von Seelen und Soldaten

Mehr als 100 Werke von 78 Künstlern aus ganz Deutschland in drei Ausstellungsräumen: Die 51. Große Kunstausstellung des AK68 in Wasserburg beginnt am Samstag.

Von Theresa Parstorfer

Die Augen der Kinder starren ins Leere. Die Maschinengewehre, die sie in den dünnen Armen halten, zeigen in unterschiedliche Richtungen. Auf den Boden, in die Luft, aufeinander. Fünf Figuren sind es, zwischen 22 und 27 Zentimetern groß, die Porzellanhaut ihrer Gesichter weiß, ihre kleinen Körper schwarz. "Kindersoldaten" heißt das Kunstwerk von Angelika Paschmann, das im Erkerzimmer des Ganserhauses in Wasserburg steht. Die Köpfe stammen von Biedermeierfigürchen. Von Kitsch ist jedoch nicht mehr viel übrig im Kontrast zu den leicht vergilbten, ebenfalls aus Porzellan hergestellten Waffen, auf denen sich leicht vergilbte Risse abzeichnen.

Die Soldaten sind Teil der Großen Kunstausstellung des AK 68, die am Samstag Vernissage feiert. 181 Einsendungen gab es zur 51. sommerlichen Kunstausstellung. 78 Künstler wurden von einer Jury aus drei gewählten Vereinsmitgliedern und zwei Mitgliedern des Vorstandes ausgewählt. Da jeder Künstler bis zu fünf Kunstwerke einschicken konnte, müssen bis Samstag noch 122 Ausstellungsstücke gehängt und aufgebaut werden. Im Moment lehnen die meisten von ihnen noch an den frisch gestrichenen Wänden im Ganserhaus, dem Wasserburger Stadtmuseum, sowie dem Rathaus. An diesen drei Orten wird den ganzen August über ausgestellt.

Die "Kindersoldaten" von Angelika Paschmann und die "Seelen" von Silvia Hatzl haben ihren Platz für die Große Kunstausstellung des AK68 schon gefunden.

(Foto: Theresa Parstorfer)

Recht entspannt sitzt der erste Vorsitzende des AK68, Dominic Hausmann, zwei Tage vor Eröffnung, im angenehm kühlen Erdgeschoss des Ganserhauses, während draußen die Sommersonne auf die Wasserburger Straßen knallt. Noch ist Zeit. Er spricht über die Kindersoldaten im Raum über ihm. "Die sind wirklich jedes Mal wieder eindrucksvoll", sagt er ein wenig nachdenklich. Auch wenn er betont, man könnte wahrscheinlich passendere Worte dafür finden, sagt er, ein gewisser "Grusel" ziehe sich tatsächlich durch die diesjährige Ausstellung. "Ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn Kunst verstört", sagt Hausmann und rückt sich die Brille mit runden Gläsern zurecht.

Die Ausstellung hat zwar kein gesetztes Thema, das sei wie jedes Jahr völlig frei, doch wiederkehrendes Element sei doch eine gewisse düstere Nachdenklichkeit. Beginnend im Keller, mit zwei abstrakten Figuren aus Papier bemalt in einem dunklen Farbenwirrwarr, einem massiven, glatt polierten Pfahl aus Marmor, und einer runden Wachsfigur, die an ein menschliches Gehirn erinnert. Fortgesetzt etwa am Ende des Ganges im Erdgeschoss. Dort lehnt ein Gemälde, das in verwaschenen Farben wie durch ein Milchglas einen menschlichen Kopf erahnen lässt.

Auch die "Landshuter Dampfablassmaschine" von Rosa Maria Krinner ist bereits angekommen und installiert.

(Foto: Theresa Parstorfer)

Ja, und dann das Erkerzimmer. Dort ist schon alles an Ort und Stelle. An der Wand neben den Kindersoldaten, die dem Besucher aus ihren leeren Augen entgegenstarren, hängen acht Kästen aus feinen Metallstäben. An feine Fäden hat die Künstlerin Silvia Hatzl kleiderartige Figuren aus Seidenpapier gehängt. Wenn ein Luftzug durch eines der gekippten Fenster weht, bewegen sich die "Seelen", wie die Künstlerin das Werk genannt hat, etwas ungelenk. Hatzl ist Wasserburgerin, lebt jedoch in Brüssel. Damit sind die "Seelen" auch das am weitesten gereiste Kunstwerk der Ausstellung. Mit der Post kamen sie an. Innerhalb Deutschlands reicht die geografische Verteilung der Künstler von Berlin über München bis Landshut. Und zwischen jungen und schon älteren Künstlern liegen schon mal zwei Generationen: 18 Jahre ist David Maas alt, zum ersten Mal hat er an der Einsendung teilgenommen, und sein Kunstwerk "Wasserburg klebt" steht im ersten Stock. Auf weißem Hintergrund hat er mit braunem Tape die Umrisse der Wasserburger Jakobskirche geklebt. Die Büsche davor wachsen dreidimensional aus der Fläche heraus, ebenfalls aus zerknülltem Tape. Einmal die gewundene Holztreppe nach unten wartet indessen die "Landshuter Dampfablassmaschine" der 69-jährigen Künstlerin Rosa Maria Krinner. Ihre Werke waren schon des Öfteren bei der Großen Kunstausstellung vertreten, und laut Dominic Hausmann "baut sie oft Dinge aus Karton".

Wie zur heiteren Ablenkung von den im Winde schaukelnden Seelen und den Läufen der Miniaturmaschinengewehre, demonstriert Hausmann, wie man mit dem Karton aus Landshut so richtig Dampf ablassen kann. Einmal den Stecker in die Wand und dann auf das schwarze Fußpedal getreten und schon pufft durch zwei Klappen in den Seiten des Kartons die heiße Luft. "Puff" macht es. Aber Vorsicht - wie die schnörkelige Handschrift der Künstlerin auf einem Zettel auf den Bodengeklebten ermahnt: "Selbst eine Maschine braucht mal eine Pause. Danke."

"Wasserburg klebt" von David Maas lehnt noch an der Wand.

(Foto: Theresa Parstorfer)

Die Vernissage der Großen Kunstausstellung des AK 68 findet am Samstag, 28. Juli, um 17 Uhr statt. Bis zum 26. August werden die Werke im Rathaus und im Ganserhaus täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen sein. Die Öffnungszeiten für die Ausstellung der Jurymitglieder im Städtischen Museum sind von Dienstag bis Sonntag, jeweils 13 bis 17 Uhr.